„Nageln S' mich da bitte nicht fest", sagt Jesus zu Pilatus auf die Frage, warum er eigentlich angeklagt sei, und der das gar nicht so genau weiß: „Ich bin mir nicht sicher. Die Leute sagen, ich hätte gesagt, dass ich der König der Juden sei." Zu solchen Christenwitzen gelangt Peter Klien in seinem zweiten Soloprogramm „Mehr Wirbel als Säule" über einige Umwege: Eigentlich war er dabei, von seiner Reisetätigkeit zu erzählen. Zuerst plaudert er über New York („Dort steht man in jeder Richtung gleich mal an einer Häuserfront an. Das ist wie in Innsbruck, nur dass in New York die Berge Fenster haben.") und dann über seine „Reise nach Jerusalem" (ja, im Flugzeug war für einen Passagier kein Platz frei). Das Reisebüro „Guns and Moses" hätte ihn dort zum Haus des römischen Statthalters gebracht, wo sich zitierter Dialog zugetragen haben könnte. Es ist der Wortwitz, der Kliens Programm aufpeppt.
Ohne viel optisches Drumherum erzählt der spät berufene Nachwuchskabarettist (41 Jahre) einfach mal drauf los: ganz im klassischen Stil - direkt ans Publikum gerichtet. Moderne Einflüsse, die im Kabarett Filmszenen in den Köpfen der Zuschauer hervorrufen, bzw. eine Dramaturgie, die bis ins kleinste Detail durch designet ist, braucht Klien nicht. Der Kolumnist (Wochenrückblick im „Wiener") legt am meisten Wert auf das Wort. Dass manchem Wortwitz eine umständliche Geschichte voran gestellt wird, nur damit der Gag landen kann, schmälert dann leider die Ausbeute an großen Brüllern. Hat man sich aber mal eingehört in Kliens Erzähl- und Schmähstil, kann man den Humor genießen und kippt immer mehr ins laute Lachen. Und das, obwohl Klien neben kleinen Pointen zur heimischen Politik gar mit Wissenschaft und Kultur auftrumpft. Der Bildungsauftrag wird erfüllt: Archäologie und Klassische Philologie kommen hierbei humorig aufs Tapet, auch Griechenland wird nicht nur als Problem sondern als Wiege des demokratischen Europas vorgeführt. Soweit die erste Halbzeit von „Mehr Wirbel als Säule".
Bildungsbürgertum trifft auf Fußball
Nach der Pause ist alles anders: Nun wird das Bildungsbürgertum gegen die Welt des Fußballs getauscht. Detailliert zeichnet Klien (nun im Österreich-Fan-Outfit) nach, wie er und seine Freunde (allesamt Bildungsbürger) sich auf die Euro 2008 vorbereitet haben: Vom Kosmopolit zum Kosmoprolet quasi. Doch weiterhin hält er das erzählerische Niveau, nutzt den einen oder anderen Stanglpass, der im Text der ersten Hälfte aufgelegt wurde, und trifft so ins Herz der Zuschauer. Da kann jeder mitreden, man erinnert sich an den Sommer 2008, als Österreich gegen Polen 1:1 „gewonnen" hat, oder an manchen verpatzten Kommentar von Herbert Prohaska und Co - mit solchen Zitaten sind die Lacher im Publikum so sicher wie ein Elfmeter ohne Tormann. So bietet Klien eigentlich zwei Kabaretts zum Preis von einem: Es eint die zwei so unterschiedlichen Hälften jedoch, dass er die Fußballgeschichte mit einem Erich Fried-Gedicht schließt, also einen Rückpass in Richtung Kultur bravourös ausführt.
Termine: 22. und 29. Jänner, Theater am Alsergrund: www.alsergrund.com
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