Kritik Theater: Die Außerirdischen in Dir wollen nur Deinen Körper!

24.04.2006 | 00:00 |  VON NORBERT MAYER (Die Presse)

Künstlergruppe Monochrom erlaubt sich im Hundsturm einen köstlichen intergalaktischen Spaß.

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"Wer nichts wird, wird Wirtsstudent", sagen leicht frustriert zum Abschluss der einstündigen Vorstellung zwei äußerst sympathische junge Mädchen aus der Zukunft. Sie finanzieren ihren Bildungsweg damit, dass sie den verschiedensten entmaterialisierten Wesen aus den Tiefen des Weltraums Unterschlupf bieten. Ist das eine allzu schräge Idee, die sich die Gruppe "Monochrom" mit dem von Johannes Grenzfurther geschriebenen und inszenierten Einakter "Warten auf Goto" leistet? Nein, im Hundsturm wurde bei der Premiere am Freitag ein köstlicher intergalaktischer Spaß geboten, der zum Besten gehört, was das Volkstheater in dieser sonst mageren Saison bietet.

Die Geschichte ist nah genug an der bisweilen entwürdigenden studentischen Realität, jedenfalls für Interpreten, die dazu neigen, den Neoliberalismus nicht als exklusive Lösung sozialer Probleme zu sehen. Der "Fiktionskollaps" ist aber nicht verbohrt, sondern exotisch, frech, voll seichter und dunkler Anspielungen. Grenzfurther hat keine Berührungsängste mit Kalauern, er badet in studentischem Ulk. Das könnte schief gehen. Weil ihm aber mit Annette Isabella Holzmann und Sabine Osthoff die talentiertesten jungen Schauspielerinnen des Volkstheaters zur Verfügung stehen, die mühelos und glaubhaft unterschiedlichste Rollen einnehmen, wird dieser kurze Abend zu einem tollen Ereignis. Dazu tragen auch die Stimmen bei (Gregor Seberg, Anna-Sophie von Gayl, Robert Stachel und Roland Gratzer), die viele Lacher provozieren.

Wir befinden uns in der Nachkriegszeit, mehr als 26 Milliarden Opfer haben die Fraakh-Kriege gekostet, die ein Drittel der Galaxis auslöschten. Da setzt es auch Strafen. Die Bösen werden entmaterialisiert und Host-Organismen eingepflanzt: ein klarer Fall von multipler Schizophrenie, wenn in den Mädchen nun Stimmen reden, der große Diktator und die radikale Linke, der defekte Neurotiker und das Pflänzchen Lab. Bekommt einer dieser wilden Träume ein Leck, ist das ein Fall für den "Körperbesorger". Die Zeiten sind hart, die Klagen auf existenzielle Unterlassung tödlich. Wer sich das Dasein nicht mehr leisten kann, wird verdampft. Da wundert es nicht, dass sich diese unglücklichen Wesen in den schönen Körpern nach etwas Zärtlichkeit, nach ein wenig Goto sehnen. Denn:  Das Universum dehnt sich ständig aus. Es ist ein Branchenriese.  Das kann selbst die souveränsten Girls gelegentlich voll krass überfordern.

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