"Breaking Bad" Staffel 5, Folge 13: "To'hajiilee"

Epsiodenblog 5x13: "To'hajiilee" lotet Achillesfersen aus, bringt eine Farbe zurück und schließt einen Kreis.

SPOILERWARNUNG: Ich verrate Details zur Handlung der jeweils behandelten Folge. Wenn Sie nichts über den Inhalt erfahren wollen, lesen Sie nicht weiter. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

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Zwei Bemerkungen vorweg: Erstens schafft es "Breaking Bad" mit der aktuellen Folge "To’'hajiilee" wieder einmal, Handlungsstränge, die in eine bestimmte Richtung weisen, in die entgegengesetzte Richtung zu biegen. Erstaunlich. Zweitens hatte die dreizehnte Folge der fünften Staffel wieder einen klassischen "Breaking Bad"-Moment: Der Ausgang einer Szene scheint offen, aber auch die Zuseher wissen: eigentlich ist die Situation schon längst entschieden. In "To'’hajiilee" in jenem Moment, als die Jeeps von Todds Familie ins Sichtfeld kommen.

Was passiert?

Todd ist also nicht der talentierte Meth-Koch, der er gerne sein würde. Sein Meth (sehr schöne ungewöhnliche Kameraperspektive: aus der Droge) hat zwar eine Reinheit von 76 Prozent, doch es ist nicht blau - auch wenn Todd und sein Onkel Jack noch so sehr einen Schimmer Aquamarin wahrnehmen wollen. Das macht auch Drogenbaronin Lydia Rodarte-Quayle unzufrieden. Fraglich ist nun, wo Todds Loyalität liegt. Bei Walt, den er bewundert? Bei seiner rassistischen "White Supremacy"-Familie? Oder bei der labil-paranoiden "Miss Quayle", die er verehrt und die ihn manipuliert?

Walt und Jesse (samt Hank) spielen unterdessen Psychospiele und loten die Achillesfersen des jeweils anderen aus.

Walt beauftragt Todds Onkel tatsächlich mit dem Mord an Jesse (aber bitte sanft, angstfrei, am besten von hinten, damit er nichts merkt) und schätzt seinen Ex-Partner falsch ein. "He won't listen to reason. He's just angry, not a rat", begründet er. Warum Walt es nicht selbst macht? "Jesse's like family to me." Das irritiert sogar die Rassisten, die ihm im Gegenzug für den Mord eine Nachhilfestunde im Meth-Kochen für Todd abluchsen. Erst nach getaner Arbeit, setzt Walt durch.

InlineBild (5cc7bcc)Mit einem Besuch bei Jesses Ex-Freundin Andrea und ihrem Sohn Brock, den er einst vergiftete, will Walt Jesse aus seinem Versteck locken, aber Hank durchschaut die Finte und sucht die Beweise, die Walt nie vernichten würde ("where he really lives"): Das Geld.

Wenn jemand in "Breaking Bad" das Zeug zum Poker-Millionär hätte, dann Hank: Mithilfe von Saul Goodmans beleibtem Bodyguard Huell und einem falschen Todesfoto von Jesse kriegt er zwar nicht heraus, wo Walt das Geld gelagert hat, aber wie. Und greift gleich ein zweites Mal in die Trickkiste. Via Jesses Handy schickt er ihm ein Foto einer Tonne voller Geld.

Volltreffer!

Walt glaubt sein Geld in Gefahr. Während er mit Jesse telefoniert (Jesse: "Wenn du auflegst, verbrenne ich das Geld") und sich für die Vergiftung des Kindes rechtfertigt (Walt: "Don't you think I knew how much to give him, that I had it all measured out? Don't you know me by now?") rast der Ex-Lehrer in die Wüste zu seinem Versteck im Indianerreservat "To'hajiilee".

"Heisenberg" schließt von sich auf andere. Beim Versteck angekommen erkennt er die Falle, interpretiert sie aber falsch. Er glaubt, Jesse komme um ihn zu töten ("Jesse's not on some killing spree. It's me he wants. It's just me", beruhigt er noch kurz zuvor Saul, der mit schusssicherer Weste unter pinken Hemd herumläuft). Erst ruft er die Nazi-Truppe als Verstärkung, doch als er sieht, wer zum Treffpunkt kommt, sagt er Onkel Jack und den Seinen wieder ab.

Es sind Jesse, Hank und Gomez.

Verhaftung statt Killerkommando.

Hier schließt sich der Kreis: Walt hat sein Geld just an dem Ort vergraben, an dem er das erste Mal mit Jesse Meth gekocht hat (beim "Cow House"). "It's over", sagt Hank Schrader. In einer Szene, die das langsam auskostet, ergibt sich Walt - mit ständigem Blick auf die "Ratte" und lässt sich Handschellen anlegen. Eine Mischung aus Angst und Freude liegt im Gesicht des Jüngeren. "Coward", nennt ihn Walt, bevor Jesse ihn angewidert anspuckt. Bryan Cranston und Aaron Paul zeigen hier große Schauspielkunst.

Drei Folgen vor Ende der Serie mögen sich Kreise schließen, aber "Breaking Bad" dreht an der Erzählschraube und schon ist wieder alles offen: In der Wüste steigt Staub auf und zwei Jeeps mit der schwerst bewaffneten "White Power"-Gang treffen ein. Nach nervenaufreibenden Hin-und-Her (Wenn du von der Polizei bist, zeig mir deinen Ausweis. Leg die Waffen nieder ...) fliegt die erste Kugel. Irgendwie haben wir das geahnt, seit sie um die Ecke bogen.

Zwei Polizisten, die es schlicht verabsäumt haben, Verstärkung anzufordern, feuern auf fünf "White Supremacy"-Wahnsinnige, Walt (in blauem Hemd) duckt sich in Achtern auf der Rückbank, Jesse verkriecht sich irgendwo hinter einem Auto.

Cut.

Auffälliges:

Bevor die Nazis kommen, telefoniert Hank mit Marie. Das klingt nach einem klassischen Fall von "Ich sage dir noch einmal, dass ich dich liebe, weil ich gleich sterbe und die Zuschauer maximal mitfühlen sollen". Und kein Anruf beim DEA? Das ist ein bisschen billig, Vince Gilligan!

"Whatever you think is supposed to happen, I’m telling you, the exact, reverse opposite of that is going to happen"”, sagte Jesse in "Rabid Dog". Schlauer als er aussieht, der junge Herr.

Walt versteckt das Geld dort, wo er das erste Mal mit Jesse im Wohnwagen Meth kochte. Seit wann ist er sentimental?

InlineBild (9f0f1c0a)Sehr schöne Szene: Saul trifft auf den immer noch gänzlich naiven Walt Junior ("You're on the billboard! You're that lawyer guy.") und der hat auch gleich einen Rat für ihn parat: "Don't drink and drive. But if you do, better call me!"

Großartig: Todds Klingelton für Walter White ist "Symphony of Science".

Todesahnungen/Farbenspiele:

Auch dieses Mal lässt Walt uns - und Jesse - wissen: "I'm gonna die. The cancer's back." Dafür, dass Walt glaubt bald zu sterben, kämpft er hart um sein Leben.

Die Figuren aus "Breaking Bad" ahnen ihren Tod gern voraus (Jane: "I think I threw up in my mouth a little bit ", 3x11). Jesse sagte in "Rabid Dog": "If I go to this plaza I'm a dead man" und ging hin. Dieses Mal posiert er als Leiche für Hank - und zwar genau so, wie ihn Jack beseitigen will. Bitte nicht!

Pink, die Farbe des Todes, seit der pinke, halbverbrannte Teddybär aus Staffel zwei auftauchte, ist wieder da: Saul trägt dieses Mal ein pinkes Hemd. Baby Hollys Farbe ist im Zweifelsfall Dunkelrosa, nicht Pink.

Wer für die nächste Folge 5x14 übel gespoilt werden will, soll sich den Gast-Cast für die Episode ansehen. Ich habe euch gewarnt!

 

Ich sehe zu viel "Breaking Bad", wenn ... ich mich frage, was die Blusenfarbe von Kollegin D. bedeutet. Blau übrigens. Dieselbe Nuance wie Walts Hemd.

 

Gastblogger-Kollege Daniel Breuss lässt mit einem witzigen, US-kritischen Comicstrip grüßen:

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Hier der Teaser zu 5x14, bei dem es kein neues Bildmaterial zu sehen gibt. Wie die Schießerei ausgeht, erfahren wir also erst nächste Woche:

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Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Breaking Bad"-Folgen werden der Redaktion von dem Pay-TV-Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie fast zeitgleich mit den USA ausstrahlt.

Der "Breaking Bad"-Episodenblog bisher:

Staffel 5, Folge 12

Staffel 5, Folge 11

Staffel 5, Folge 10

Staffel 5, Folge 9

 

Nachtrag: Wie ist Jesse draufgekommen, dass Walt Brock, den Sohn seiner Freundin, vergiftet hat? Die Antwort findet ihr im Episodenblog zu Folge 11 unten.

 

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Breaking Staffel Folge Tohajiilee – (c) Ursula Coyote/AMC
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