„Game of Thrones“: Staffel sechs, Folge neun

Falls sich jemand fragt, wohin das Budget von „Game of Thrones“ fließt: Die Folge „Battle of the Bastards“ ist darauf die Antwort.

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Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der jeweils beschriebenen "Game of Thrones"-Folge verraten.

Mit „Battle of the Bastards“ liefert die sechste Staffel „Game of Thrones“ eine wirklich befriedigende Folge ab. Am Ende muss man – trotz der Brutalität – ein wenig mit Sansa Stark lächeln. Die neunten, manchmal auch die achten Folgen der „Game of Thrones“-Staffeln, sind für gewöhnlich die actionreichsten. Diesmal gab es nicht, wie in „Hardhome“ in der Staffel davor, nur einen Schauplatz, sondern zwei. Die titelgebende Schlacht der Bastarde fand natürlich vor Winterfell statt, aber auch in Meereen floss Blut.

Falls sich jemand die Frage stellt, wohin das Budget von „Game of Thrones“ fließt: in diese Folge. Hier wurde viel, wahrscheinlich sehr viel Geld für CGI-Effekte, Stuntmen, Statisten und lange Kamerafahrten aufgewendet.

In Meereen folgt die Kamera der Flugbahn der Kugeln, die von den Schiffen der Sklavenhalter abgefeuert werden (an dieser Stelle eine Bitte an die Macher: kein 3D!). Wir sehen richtig viel von den Drachen. Drogon ist inzwischen fast so groß wie ein Flugzeug, aber auch Rhaegal und Viserion, die sich endlich befreien, sind imposant.

Tyrion wirkte in dieser Staffel ein wenig verloren in Meereen, aber allein für die Szene mit Daenerys Targaryen hat es sich ausgezahlt, dass er dort ist. Im Gespräch mit Daenerys ist er in Höchstform: diplomatisch und bestimmt, aber nicht manipulativ. Ehrlich, aber nicht schonungslos. Dank ihm verhandelt Daenerys mit den Sklavenhaltern – und diesmal geht es nicht um eine Schonfrist für die Abschaffung der Sklaverei. Mit ihren Drachen besiegt sie die Sklavenhalter aus Yunkai und Astapor mit Leichtigkeit. Die Szene erinnert an die aus der Folge „And Now His Watch is Ended“ in Staffel drei, in der sie die Armee der Unsullied befreite: „Dracarys“ wies sie auch damals ihren Drachen an. Diesmal sind es sogar drei.

„Our fathers were terrible men“

Mehrfach wird Daenerys mit ihrem Vater verglichen – am Anfang von Tyrion, am Ende vergleicht sie sich selbst im Gespräch mit Yara Greyjoy (endlich treffen sie sich, aber die Szene wirkt überhastet). „Our fathers were terrible men“, sagt sie zu Yara, die um die heimatlichen Inseln verhandelt. Es wurde schon spekuliert, ob sich Daenerys als Bösewichtin der Serie entpuppen könnte. Das Gespräch mit Yara entkräftet diese Theorie meiner Meinung nach. Dany will die Welt zu einem besseren Ort machen (ja, Klischee, ich weiß) – und das hat sie schon, indem sie die Sklaven der Slaver's Bay befreit hat. Nun verfügt sie mit den Schiffen der Sklavenhalter und jenen der Greyjoy-Geschwister über genügend Schiffe, um mit ihrer Gefolgschaft endlich Richtung Westeros aufzubrechen.

Im Gespräch mit Daenerys erwähnt Tyrion erneut Wildfire: der hochentzündliche Stoff sei seit der Herrschaft von König Aerys, Daenerys' Vater, unter der Red Keep, aber auch unter der Great Sept of Baelor, wo der High Sparrow lebt, und an vielen weiteren Orten in King's Landing versteckt. Zufall? Oder soll uns das darauf vorbereiten, dass Cersei im Finale möglicherweise die gesamte Hauptstadt niederbrennen wird?

Ramsay Bolton
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Ramsay Bolton
Ramsay Bolton – (c) HBO

Auf die nordische Art

Die größere Schlacht findet freilich vor Winterfell statt – obwohl es nicht so weit kommen hätte müssen. Jon Snow, ganz der (Zieh-)Sohn seines Vaters, bietet Ramsay Bolton an, dass die beiden den Kampf unter sich ausfechten. Auf die nordische Art. Ramsay ist aber nicht blöd: Er weiß, dass er über mehr Soldaten verfügt (6000 gegen 2000) – und ahnt vermutlich auch, dass er zwar der schlechtere Schwertkämpfer, aber der bessere Stratege ist. Als er Rickon ins Spiel bringt, übernimmt Sansa die Verhandlungen und kürzt sie ab: „You're going to die tomorrow, Lord Bolton. Sleep well.“

Wie perfide und gewalttätig Ramsay ist, das will Jon seiner Halbschwester nicht so recht glauben (ich mag die Keppeleien zwischen den beiden!). „I know the way his mind works“, sagt Sansa am Abend vor der Schlacht. Am nächsten Morgen bekommt Jon zumindest eine Ahnung davon. In einer Szene beispielloser Grausamkeit lässt er Rickon Stark erst zu Jon laufen, um ihm dann – scheinbar, ohne ihn ins Visier zu nehmen – mit einem Pfeil ins Herz zu treffen, als er beinahe in Reichweite von Jon ist. Sansa hat recht behalten: Es gab nie eine Möglichkeit, wie sie Rickon lebend befreien hätten können.

Beinahe undurchdringlich: Ramsays Armee
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Beinahe undurchdringlich: Ramsays Armee
Beinahe undurchdringlich: Ramsays Armee – (c) HBO

Ein Massaker

Der Mord an Rickon ist Auftakt zu einer riesigen, eindrucksvoll choreografierten Kampfszene. Erneut, wie in „Hardhome“, gibt es eine lange Einstellung, in der sich Jon durch die Feinde (diesmal lebende) kämpft. (Diese erinnert mich, vielleicht wegen der Musik, an die Ian McEwan-Verfilmung „Atonement“). Der Dreck und das Blut spritzen, die Leichen türmen sich zu Bergen und einmal reitet sogar ein Ritter ohne Kopf vorbei. „Game of Thrones“ ist immer brutal – aber diese Schlacht ist es ganz besonders. Ähnliche Schlachten in „Game of Thrones“, wie jene zwischen Stannis' Armee und den Wildlingen und Stannis' Armee und Ramsays Armee, waren nur ein Vorgeschmack.

Ramsay ist tatsächlich ein guter Stratege: Erst provoziert er Jon zum Angriff, dann nehmen seine Kämpfer die Armee der Geschwister Stark/Snow in die Zange. Die Schlacht entwickelt sich zum Massaker – und nicht einmal dem Riesen Wun Weg Wun Dar Wun, dem letzten seiner Art, gelingt der Befreiungsschlag.

Der letzte Riese vor seiner letzten Schlacht
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Der letzte Riese vor seiner letzten Schlacht
Der letzte Riese vor seiner letzten Schlacht – (c) HBO

Winterfell gehört den Starks

Als Retter in letzter Minute kommen – wie erwartet – die Ritter der Vale of Arryn, die Sansa mit ihrem Brief an „Littlefinger“ rief. Und Wun Weg Wun Dar Wun hat einen letzten großen Auftritt, indem er das Tor von Winterfell einschlägt. Es gibt keine Belagerung. Winterfell gehört wieder der Familie Stark.

Die Serienmacher David Benioff und D.B. Weiss spielen mit den Gefühlen der ZuseherInnen: Als Jon Snow droht, in der Masse erdrückt zu werden und man ihn nur noch röcheln hört, ist mir fast ein wenig das Herz stehen geblieben. Nicht schon wieder! Überhaupt muss man sagen: er ist nach seinem Tod nicht gerade weniger risikobereit geworden. Wie auch in der Szene am Ende zeigt, in der er die Pfeile Ramsays so locker-lässig abfängt. Will er gar (wieder) sterben? Als er am Anfang der Schlacht sein Schwert zückt, wirft er die Scheide weg - als würde er sie nicht mehr brauchen.

Aber: Melisandre hat ihm nicht versprochen, ihn nicht wieder zu erwecken, sollte er wieder sterben. Sofern sie es noch kann. Davos hat nämlich beim Spazierengehen in den Resten eines Scheiterhaufens Shireens Spielzeug gefunden – und weiß nun, was mit der von ihm geliebten Prinzessin passiert ist. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er das ungesühnt lässt.

Davos findet Shireens Spielzeug
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Davos findet Shireens Spielzeug
Davos findet Shireens Spielzeug – (c) HBO

„All memory of you will disappear“

Am Ende der Folge bekommt Sansa endlich ihre Rache an Ramsay – noch dazu in ihrer Heimatburg Winterfell. Bemerkenswert fand ich den Dialog zwischen den Eheleuten, in dem Ramsay noch einmal versucht, Macht über Sansa auszuüben: „You can't kill me. I'm part of you now“, sagt er zu ihr. Aber Sansa kontert: „Your house will disappear. Your name will disappear. All memory of you will disappear“, sagt sie und überlässt ihn den Hunden zum Fraß. Wie süß Rache schmecken kann.

Bemerkungen:

  • Nur noch eine Folge ist übrig. Panik!
  • Wie geht es weiter? Wer wird Herr über Winterfell? Jon, der das richtige Geschlecht hat, oder Sansa, die den richtigen Namen hat? Und wo ist Bran?
  • Enttäuscht bin ich von den Umbers: Smalljon Umber hat tatsächlich seine Ehre verraten und Rickon „verkauft“, nur weil Jon die Wildlinge durch die Wall gelassen hat. Ich hatte wirklich auf eine Verschwörung des Nordens gehofft. Smalljon hat seinem Namen alle Ehre gemacht.
  • Bin sehr froh, dass Tormund Giantsbane nicht gestorben ist – so gibt es eine Chance auf ein Wiedersehen mit Brienne.
  • Wo ist Lady Mormont? Wenn ihr was passiert ist, dann ...!

Zitate der Woche:

  • Tyrion Lannister: „It always seems a bit abstract, doesn't it? Other people dying.“
  • Jon Snow zu Melisandre: „What kind of God would do something like that?“
  • Sansa Satark: „No one can protect anyone.“
  • Smalljon Umber: „Who owns the north?“ Die Starks!

    Sansa und Jon
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    Sansa und Jon
    Sansa und Jon – (c) HBO

Nachtrag:

Erstens möchte ich nochmal betonen, wie meisterhaft choreografiert diese wahnsinnig grausame und intensive Schlacht vor Winterfell war. Was mir beim zweiten Sehen aufgefallen ist: man kann das Geschehen auf dem Schlachtfeld sehr gut verorten, hat immer Orientierung. Das liegt auch an den Aufnahmen aus der Vogelperspektive, was mich zu diesem Vergleichsbild führt (Fire and Ice):

Der "Game of Thrones"-Blog im Überblick

 

 

Theorie zu Rickons Rückkehr: Verrat oder Verschwörung?

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Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden der Autorin vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich zeigt.

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