„Legion“: Der Irre aus der X-Men-Truppe

Ist der verrückt oder hat er mentale Superkräfte? Dieser Frage geht die achtteilige Serie „Legion“ nach einem Marvel-Comic mit Dan Stevens nach. Man muss mitdenken.

Dan Stevens spielt David Haller in
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Dan Stevens spielt David Haller in

Klar, jede Serie kann man Folge für Folge in einem Stück durchschauen, aber manche eignen sind dazu mehr als andere. Der Achtteiler „Legion“ ist fürs Bingewatchen gemacht, finde ich. Denn die Erzählweise ist teils so verschachtelt, dass man sich anstrengen muss, um nach einer Woche Pause wieder hineinzufinden.

Das klingt seltsam, wenn man bedenkt, dass es sich dabei um eine Superhelden-Serie handelt, die auf einem Marvel-Comic basiert. In dieser Richtung haben wir jetzt schon einiges gesehen: die Netflix-Produktionen „Daredevil“, „Jessica Jones“, „Luke Cage“ und „Iron Fist“. Alle spielen im New York der Jetztzeit, alle haben – trotz großer Unterschiede im Look and Feel, dem visuellen Stil, in der Musik – viele Actionsequenzen.

„Legion“ ist da völlig anders. Die Serie lässt sich, zumindest am Beginn, alleine zeitlich schwer einordnen. Die Figuren sind alle mehr oder weniger im Stil der Swinging Sixties gekleidet. Den Eindruck, dass sie in den Sechzigern spielt, widerspricht jedoch der Einsatz der Technik – auch Handys kommen (irgendwann) vor.

Diese Schwer-einordnen-können passt zum Gemütszustand der Hauptfigur, David Haller. Er lebt in einer psychiatrischen Anstalt, schluckt Tabletten und tut sich generell schwer, Realität und Vorstellung auseinanderzuhalten. Denn bei ihm wurde paranoide Schizophrenie diagnostiziert. In der Psychiatrie hat er es sich inzwischen eingerichtet, fühlt sich dort sicher, wohl – fast schon daheim.

Die hübsche Syd Barrett

Doch dann verliebt er sich in Patienten-Neuzugang, die hübsche Syd Barrett (sic!), die sich von niemanden berühren lässt. Sie bringt nicht nur seine Gefühlswelt durcheinander, sondern seinen ohnehin fragilen Realitätssinn. Denn Syd (Rachel Keller) behauptet, dass er nicht krank ist, sondern ein Mutant – und über (mentale) Superkräfte verfügt.

Gemeinsam mit ihr landet er schließlich bei der Therapeutin Dr. Melanie Bird (Jean Smart) und ihrer Mutantentruppe, die sich in einem herrlich stylishen Domizil mitten im Laubwald vor Regierungstruppen versteckt, die sie verfolgen, um den Mutanten den Garaus zu machen, weil sie sie als Bedrohung auf die bestehende Ordnung empfinden.

Insgesamt handelt die Serie von der graduellen Selbsterkenntnis Davids – der mag vielleicht nicht schizophren sein, aber psychisch gesund ist er auch nicht gerade. Ob er nun krank ist, oder einfach nur ein wenig abgedreht - und, ob seine Störungen vielleicht nur Schutzmechanismen sind -, ist auch eine Frage der Perspektive. 

Diese Uneindeutigkeit spiegelt sich eben auch in der verschachtelten Erzählweise der visuell herausragenden Serie wider: die Handlung führt in die Vergangenheit, oder eher in Versionen der Vergangenheit, und auch in den einen oder anderen Kopf der Mutantengruppe. 

Hauptdarsteller Dan Stevens stehen solche Rollen jedenfalls besser als der Prinz in „Beauty and the Beast“ (gut, das mag auch an der Perücke gelegen haben). Toll fand ich auch Aubrey Plaza als Davids Freundin oder Widersacherin Lenny (so etwas kann sich durchaus ändern). Insgesamt ist die achtteilige Serie „Legion“ ein kurzweiliges Vergnügen mit Hirn. 

Produktionssender FX hat eine zweite Staffel bestellt. 

„Legion“, derzeit auf Sky

 

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