"Sherlock", der Social-Media-Junkie

Am Sonntag läuft Staffel vier der BBC-Serie "Sherlock" mit Benedict Cumberbatch und Marin Freeman auf ORF eins an. Nur der böse Moriarty ist jetzt tot. Sicher?

Sherlock Holmes
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"Ich bin kein Held": Ja, das sagte er gegen Ende von Staffel drei. Er schrie es sogar. Und noch mehr: "Ich bin ein hoch funktionaler Soziopath!" Da hat Großmaul Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) den Mund ausnahmsweise einmal nicht zu voll genommen. Das Gestörte hat er mit seinem Widersacher Moriarty gemein - nur dass der jetzt tot ist. Angeblich. Schwer zu glauben. Bei diesem aalglatten Verschnitt aus Superhirn, MacGyver und Serienkiller wäre es ja auch kein Wunder, hätte er seinen Tod nur vorgetäuscht wie einst Sherlock, als er vom Hausdach sprang...

"Posthume Rache": Irgendwie scheint Moriarty jedenfalls auch in Staffel vier (am 4., 5. und 11. Juni, 21.55 Uhr, ORF eins) die Finger im Spiel zu haben, zumindest hofft Sherlock auf "posthume Rache" oder noch besser: auf ein "posthumes Spiel". Dafür haben sich die Serienschreiber allerlei verschwurbelte Geheimniskrämereien ausgedacht, die einen einigermaßen verwirren. Zunächst führen sie uns tief in die Vergangenheit von Watsons (Martin Freeman) Angetrauter - wir erinnern uns: Mary (Amanda Abbington) war vor ihrem Normalo-Leben eine Superagentin...

"Natürlich bin ich high!" Sherlock macht es seinem Umfeld nicht leicht. Und wenn er schon keine Drogen mehr nimmt (aber auch hier gilt: Wer weiß das schon?), dann ist er zumindest süchtig nach Ingwerkeksen - und Twitter. Ständig tippt er auf seinem Handy rum, löst kleinkarierte Online-Fälle im Eiltempo, twittert sogar, während Mary in den Presswehen liegt (ja, die Watsons bekommen Nachwuchs!) und das Kind getauft wird. Der Soziopath als Social-Media-Junkie. Das passt. Ein amüsanter Seitenhieb dieser BBC-Produktion auf eine hyperaktive Gesellschaft.

"Wenn du weiter so rotierst, wird das noch böse enden." Watson ist ein wahrer Freund. Aber Sherlock macht alles kaputt. Sogar diese Freundschaft (wie, das sei hier nicht verraten). Bin schon gespannt, wie er das wieder kitten will...

"Sie sind sehr von sich überzeugt", sagt jemand (Das Böse schaut wieder einmal so harmlos aus - was für ein Klischee!) zu Sherlock. Und was antwortet der? "Und das zu Recht!" Man möchte einwerfen: Diese ganze Serie ist sehr von sich überzeugt: Ein blank polierter Welterfolg. Ja eh. Aber wo bitte findet man so einen sympathischen Unsympathler wie diesen Sherlock? Eben!

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