Serie "Glow": Kämpfen wie Grace Kelly auf Steroiden

Frauenwrestling in den 80er Jahren: Das Umfeld der neuen Netflix-Serie "Glow" ist neonfarben und klingt nach Roxette, die Handlung bleibt an der Oberfläche.

So erträumt es sich der Regisseur.
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So erträumt es sich der Regisseur.

Toupierte Haare, Turnanzüge mit Beinausschnitt bis zur Taille, Neon-Farben, Schnauzbärte: Die modischen Entgleisungen der 80er Jahre, die in der neuen Netflix-Serie „Glow“ zu sehen sind, haben einen ganz eigenen Reiz. Dazu kommen Sinnsuche, Sexismus und Drogen, das alles kombiniert mit Frauenwrestling - eigentlich sollte beim Sehen der ersten paar Folgen keine Langeweile aufkommen. Doch das tut sie.

„Glow“ steht für „Gorgeous Ladies of Wrestling“ und hat einen realen Hintergrund: Im Los Angeles der 1980er dachten sich findige Köpfe eine Damen-Wrestling-Show aus, man kann sich vorstellen, dass daran durchaus interessante Frauen beteiligt waren. Man hat also eine gewisse  Erwartungshaltung. Besonders, weil die Produzenten der Netflix-Serie die Macher von "Orange is the New Black" sind, dessen Setting (ein Frauengefängnis) ebenfalls ungewöhnlich ist. Doch während die Figuren im Gefängnis vielschichtig gezeichnet sind und unter die Haut gehen, bleiben die Figuren bei "Glow" seltsam statisch.

Am Beginn steht ein Vorsprechen. Die Schauspielerin Ruth bekommt keine Rollen, weil sie weder hübsch und glatt noch leicht einordenbar ist. Aus Geldnot geht sie zum Casting für „Glow“, von dem zu Beginn noch keiner weiß, was es eigentlich sein soll. Die Frauen, die nach der ersten Erklärung des abgewrackten Regisseurs noch bleiben, haben jedenfalls gute Karten. Sie dürfen sich gegenseitig schlagen, aufeinander springen und sich in die Mangel nehmen.

Im Ring geht es in den ersten vier Folgen eher beschaulich zu.
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Im Ring geht es in den ersten vier Folgen eher beschaulich zu.
Im Ring geht es in den ersten vier Folgen eher beschaulich zu. – (c) Erica Parise/Netflix (Erica Parise/Netflix)

Die ersten beiden Folgen von "Glow" sind recht kurzweilig, dramaturgischer Höhepunkt ist der reale Kampf zwischen der Protagonistin Ruth und ihrer besten Freundin. Diese hat herausgefunden, dass Ruth mit ihrem langweiligen Mann geschlafen hat. Während man sich zuhause am Sofa fragt, ob das nun wirklich sein muss, ist die Kampfszene für die Show das Ideal: Im Kopf des Regisseurs wird die Hauerei zum idealen Schaukampf mit Föhnfrisuren und Make-Up, er findet damit seinen (blonden) Star, eine „Grace Kelly auf Steroiden“.

Während er sich nun eine Hintergrundhandlungen zur Show erspinnt (Wüste, post-atomarer Angriff, lesbische Mutantinnen), dürfen sich die Frauen mit ihrer Identität als Wrestlerinnen beschäftigen. Doch man bekommt keinen kein Einblick in die Figuren, alles bleibt oberflächlich. Die netten Accessoires (wie etwa ein Roboter gefüllt mit Drogen) kommen dagegen nicht an. „Beim Wrestling geht es nicht um Hintergrundgeschichten, es geht um Typen“, so die Weisheit des Produzenten. „Du meinst Stereotypen?“, lautet die Rückfrage. „Ja, genau“. Wirklich darüber hinaus geht es in den ersten vier Folgen auch bei der Serie über die Show nicht.

Netflix startet am 23. Juni mit der Serie, die erste Staffel hat zehn Folgen.

Die Suche nach der Wrestler-Identität läuft vor allem über die Kostüme.
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Die Suche nach der Wrestler-Identität läuft vor allem über die Kostüme.
Die Suche nach der Wrestler-Identität läuft vor allem über die Kostüme. – (c) Erica Parise/Netflix (Erica Parise/Netflix)

 

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