"Star Trek: Discovery": Eine Frau namens Michael

Star Trek meldet sich im TV zurück. Die ersten Folgen sind düster, punkten mit prächtigem Design. Die Meta-Themen von "Discovery", Gender und Diversität, werden in den sozialen Medien kontrovers diskutiert.

STAR TREK: DISCOVERY
Schließen
STAR TREK: DISCOVERY

Information: Der Autor hat bislang die ersten beiden Episoden gesehen. Die folgende Serien-Kritik enthält leichte Spoiler.

Es ist eine altbekannte, aber nach wie vor berechtigte Frage: Braucht es eine Wiederverfilmung bzw. Pre- und Sequels - und weiterführend: Darf/muss sich diese vom Original unterscheiden und wenn ja, wie weit? Kurz-Antwort: Man kann es nicht allen recht machen. Zwei Beispiele: Als Star Wars vor zwei Jahren mit „The Force Awakens“ eine durchaus unterhaltsame und gelungene Fortsetzung  (Regie: J. J. Abrams) der Originaltrilogie veröffentlichte, gab es den Vorwurf, es sei mehr oder weniger eine Wiederholung von „Krieg der Sterne“. Der bislang dreiteilige Kino-Reboot von Star Trek, (wieder am Ruder: J. J. Abrams), stieß bei Fans des Originals ob fehlender Tiefe und Action-Lastigkeit auf Kritik. Nun ist ein weiteres Produkt des Star Trek Franchises angelaufen: Die Netflix-Serie Discovery ist die sechste Realfilm-Serie und die erste seit 2005. Zeitlich angesiedelt ist sie zehn Jahre vor der allerersten, bei uns als "Raumschiff Enterprise" bekannten Serie. Lichtjahre entfernt sind - wenig überraschend - Design und Effekte. Das Budget ist in einer anderen Dimension angesiedelt. 1966 wäre wohl auch der Schiffsname USS Shenzhou (Shenzhou hieß das erste bemannte chinesische Raumschiff) nicht im US-Fernsehen möglich gewesen.

Diversität und Gender als Meta-Themen

Diversität und Gender sind spätestens seit der "Voyager"-Serie (Kathryn Janeway war der erste weibliche Star Trek-Captain) Meta-Themen des Star Trek-Universums und werden in "Discovery" fortgeführt. Kapitätin des Schiffs ist die malaysisch-chinesische Schauspielerin Michelle Yeoh (als Philippa Georgiou). Ihre "Number One" (diese Bezeichnung erinnert an Blofelds Schergen in den James Bond-Filmen) Michael Burnham wurde von Sarek (genau, der Vater von Spock) als Vulkanierin aufgezogen und besuchte als erster Mensch die Vulcan Science Academy. Die Afro-Amerikanerin Sonequa Martin-Green spielt die Hauptrolle - bekannt wurde sie als Sasha Williams in der Zombie-Apokalypse-Serie "The Walking Dead". Der Vorname ihrer Serienfigur - Michael - bricht mit Gender-Konventionen. In den sozialen Medien sorgt "Michael" zum Teil für harsche Kritik. Es mag zwar anfangs irritierend sein, man gewöhnt sich aber schnell an den Namen. No big Deal, also. Mit dem Offizier Paul Stamets (Anthony Rapp) gibt es außerdem einen als schwul geouteten Charakter, den ersten in der langen Geschichte der Serie - in den ersten beiden Folgen wird dies allerdings noch nicht thematisiert.

Neben den Klingonen, die sich visuell doch deutlich von ihren Vorgängern unterscheiden (auch das erregt die Twitter-Gemüter), wird eine neue Spezies vorgestellt: Die Kelpiens. Der erste Kelpien der Sternenflotte ist Lt. Saru. Gespielt wird er vom famosen Verwandlungskünstler Doug Jones - bekannt aus den Filmen von Guillermo del Toros ("Hellboy" und zuletzt in "The Shape of Water", der heuer in Venedig mit dem Hauptpreis, dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde).

"Die Sternenflotte greift nicht zuerst an"

Kurz zum Inhalt: Die USS Shenzhou entdeckt bei einer Untersuchung eines beschädigten Satelliten ein unbekanntes Objekt auf ihrem Schirm. Michael Burnham ist entschlossen, nicht nur ein Auge darauf werfen zu wollen. Sie begegnet bei ihrem nicht risikofreien Unterfangen einem Klingonen und tötet ihn, nachdem er sie zuerst attackiert hatte, bei ihrem Fluchtversuch. Käpitanin Philippa Georgiou kann vorerst nicht glauben, dass es sich um Klingonen handelt - da man diesen 100 Jahre nicht begegnet war. Während die Kapitänin nicht den ersten Stein werfen will ("Die Sternenflotte greift nicht zuerst an"), pocht ihre Offizierin forsch auf einen Angriff: "Die Klingonen stellen immer eine Bedrohung dar. Die Gewalt hat für Respekt gesorgt. Und der Respekt für Frieden". Ein Krieg scheint unausweichlich zu sein ...

Nettes Feature für Fans: Untertitel auf Klingonisch

Mit "Star Trek: Discovery" meldet sich der Franchise grundsolide zurück. Der Cast ist gut, Hauptdarstellerin Sonequa Martin-Green trägt die Serie (zumindest die ersten beiden Folgen). Die Atmosphäre ist düster, das Design und die Effekte sind prächtig. Die Action kommt nicht zu kurz - wie schon bei den hoch budgetierten "Star Trek"-Kinofilmen der jüngeren Vergangenheit. Das könnte Puristen missfallen. Wohl auch das Make-up der "neuen" Klingonen.

STAR TREK: DISCOVERY
Schließen
STAR TREK: DISCOVERY
Die prunkvollen Kostüme der Klingonen würden wunderbar zum Life Ball passen. – (c) CBS (Jan Thijs)

Dafür gibt es ein nettes Feature für Die-Hard-Fans: Die Untertitel kann man neben Englisch und Deutschland auch auf Klingonisch laufen lassen. Auch wenn einiges neu ist, setzen die Showrunner auch auf bewährte und beliebte Elemente: Das Beamen, die Sounds, der Score, "Live Long and Prosper" - und die Vielfalt: gut so. Der Rahmen passt also, inhaltlich und narrativ ist bei der Weltraum-Serie noch Luft nach oben. "Star Trek: Discovery" ist fein, aber (noch) nicht "faszinierend", um es mit den Worten eines großen Vulkaniers zu sagen.

"Star Trek: Discovery" ist bei uns auf Netflix zu sehen. Der Streamingdienst zeigt wöchentlich eine neue Episode. Die erste Staffel hat ingesamt 15 Folgen. Die zweite Staffel soll 2019 anlaufen.

Kommentar zu Artikel:

"Star Trek: Discovery": Eine Frau namens Michael

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.