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Nick Caves "Grinderman": Die Inszenierung der Räudigkeit

22.02.2007 | 11:20 |  (DiePresse.com)

Nick Caves neues Projekt Grinderman verweist auf die eigene Vergangenheit des Sängers. Dabei wird dem kontrollierten Lärm gefröhnt.

Schon beim ersten Song "Get It On" hat der Hörer das Gefühl, gegen eine Wand zu rennen. Die Gitarren sind verzerrt, der Sänger stößt Flüche aus, irgendwann kristallisiert sich ein schräger Rhythmus heraus. Die Band Grinderman spielt auf ihrer gleichnamigen Platte den "Outlawblues", wie das Magazin "Musikexpress" den Sound ganz gut beschrieb. Zwischen Tourneen und den Arbeiten am neuen Album der Bad Seeds haben Nick Cave und drei seiner Mitstreiter Zeit gefunden, auf "Grinderman" räudige Klänge zu inszenieren.

Die Idee zur Bandgründung kam Cave bei einem Showcase 2003. Damals hatte der in England lebende Australier in ein Londoner Variete geladen, um mit einer Schmalbesetzung der Bad Seeds ein paar Lieder aus dem damals aktuellen Werk "Nocturama" vorzustellen. Was Cave, Warren Ellis (Gitarre, Violine), Martyn Casey (Bass) und Jim Sclavunos (Drums) dabei produzierten, soll sich roh und holprig, aber spannend angehört haben. So wie nun "Grinderman", auf dem es so richtig scheppert. Viele Songs wirken wie Fragmente, die Töne geschunden, die Soli wie eine Explosion.

Demokratische Band

Aber Cave und Co. machen keinen unkontrollierten Lärm. "Grinderman" (ab 2. März im Handel) ist eine einzige Inszenierung, bei der Anspielungen auf die eigene Geschichte (sowohl an Caves frühere Gruppe Birthday Party als auch an die Arbeiten mit den Bad Seeds) geschickt einfließen, um den Fan nicht zu sehr zu verschrecken. In dem herrlichen Krach - mal brachial, mal schleppend, mal verstörend - befindet sich nicht zufällig mit "Man in the Moon" eine kurze Ballade, die durchaus auf Caves Alben der vergangenen Jahre gestrahlt hätte. "Grinderman" ist eine willkommene Abwechslung für den Düsterbarden, seine drei Kollegen und seine Anhänger, aber keine Radikalabkehr von den Trademarks.

Dass Grinderman kein Projekt Caves, sondern eine demokratische Band ist (wie die Akteure selbst betonen), merkt man den Songs an. Die Stimme steht nicht so im Mittelpunkt, sondern matcht sich mit brummenden Gitarren, aufjaulenden Orgeln und den Drum-Schlägen, die manchmal wie Peitschenhiebe daherkommen. An Abwechslung mangelt es übrigens nicht: Die Grindermänner wechseln gerne das Tempo, lassen auf scheinbares Chaos Geordnetes, leichter Verdaubares folgen - manchmal auch innerhalb eines Liedes.

"Man kann den Klang massiv nennen", sagt Cave im Interview mit dem "Musikexpress" (März-Ausgabe). "Ich selbst finde ihn eher zerbrechlich. Bei Grinderman ist das kein Widerspruch. Im Ohr des Hörers mag vieles eher zufällig klingen. Doch ein einziges Instrument mehr, und das ganze Gebäude wäre in sich zusammengebrochen." (Ag.)


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