24.05.2013 04:42 Merkliste 0

Ikone und Witzfigur: Heavy Metal ist handzahm

27.06.2012 | 18:26 |  SAMIR H.KÖCK (Die Presse)

Ozzy Osbourne bot in der Wiener Stadthalle mit Freunden wie Slash gepflegte metallische Familienunterhaltung. Die Liedtexte tändelten pflichtschuldig mit den Vorzügen von Selbstmord, Dunkelheit und Nichtwissen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Man darf sich durch die martialischen Gesten nicht täuschen lassen: Bei Rockkonzerten bricht traditionellerweise die Zeit zwischenmännlicher Zärtlichkeit an. Davor braucht es freilich viel Gerstensaft. Knapp vorm Erröten der Gaumenzapferln gab Ozzy Osbourne die Losung „Let's go crazy!“ aus, und schon lösten bierbetankte Lackeln einander die Haarbänder. Zum unerbittlichen Takt der Stakkatoriffs wollten halt offene Mähnen geschüttelt werden. Nur so können die Imponier- und Drohfunktionen eines solchen Fells ausgereizt werden.

Die durch Ventilatoren dauerbeföhnten und wohl birkenbalsamgepflegten Musiker waren punkto Imponieren erwartungsgemäß im Vorteil. Versonnen zelebrierten sie die Rituale des Hair-Metal, der die frühe Solokarriere von Osbourne dominiert hatte, ehe er mit Coverversionen wie dem Discohit „Stayin' Alive“ den Bogen zum großen Publikum schlug. „Bark At The Moon“ war ein ideal knatternder Opener. Gus G. drangsalierte seine sternförmige Gitarre, Osbourne heulte leitwolfmäßig, schon waren die Grundzüge des konventionellen Metal-Klangbilds gezeichnet. Anders als bei den äußerst ökonomischen Black-Sabbath-Liedern dominierte hier zügellose Notenschleuderei. Die Liedtexte tändelten pflichtschuldig mit den Vorzügen von Selbstmord, Dunkelheit und Nichtwissen.

 

Distanzierung von Aleister Crowley

Reflexion wird in der Rockszene immer noch gerne vermieden. Was als Flucht aus der Leistungsgesellschaft begann, führte in noch rigidere Anpassung. Die Rockerkleidungsordnung ist letztlich repressiver als bürgerlicher Dresscode. Auch der Flirt mit der Gefahr erweist sich, wenigstens im Fall von Osbourne, im Nachhinein als Pose. Seine einstige Begeisterung für den Okkultisten Aleister Crowley war eher das Schwärmen für ein bizarres Leben als Anstoß für neue Existenzwege. In „Mr. Crowley“ distanziert er sich heute von seinem Exhelden. „Your lifestyle to me seems so tragic; you fooled all the people with magic“ sang er, Theatertränen zerquetschend. Adam Wakeman drückte dazu mit Elle und Speiche die Manuale einer Schauerorgel à la Hermann Nitsch. Und Osbourne, der das Kunststück geschafft hat, gleichzeitig Ikone und Witzfigur zu sein, regredierte selig, indem er alte Feuerwehrmannfantasien an der Schaumspritze auslebte. Gut abgehangener Babyspeck im Gesicht und ein solides Bäuchlein ließen die Erinnerungen an die Zeiten verblassen, in denen er seine Drogentiefs mit dem trügerischen Hochgefühl des Alkohol auszugleichen versuchte. Im schwarzen T-Shirt mit Glitzerkreuz wirkte er erstaunlich gesund.

 

Fest der Riffkultur: „Iron Man“

Anders als viele seiner Songs. Das Publikum kämpfte sich durch „Shot In The Dark“ und „Suicide Solution“, schlecht gealterte Lieder aus der Solokarriere. Was lockte, waren die Black-Sabbath-Songs, einer („N.I.B.“) vom Debüt, fünf vom Album „Paranoid“ (1970). Wurde „Rat Salad“ noch durch ein effektheischendes Schlagzeugsolo fast zur Unkenntlichkeit entstellt, begann das Fest mit dem prägnanten „Iron Man“, einem Musterbeispiel für die hohe Riffkultur, wie sie Black-Sabbath-Gitarrist Tony Iommi einst beherrschte. Ersatzmann Slash brillierte an seiner Stelle. Mit Bassist und Texter Geezer Butler stand wenigstens ein Black-Sabbath-Mitstreiter auf der Bühne. Seine Vietnamkriegsanklage „War Pigs“, inklusive funky Basslinien, war ein Highlight.

Das lasche „Mama, I'm Coming Home“ erinnerte dann an den handzahmen Ozzy. Gattin Sharon hat ja in der TV-Reality-Show „The Osbournes“ gezeigt, dass die Grenzen der Erziehbarkeit eines Mannes erschütternd weit gedehnt werden können. Zum Trost für solch beängstigende Ausblicke setzte es am Ende die elegant scheppernde Metalhymne „Paranoid“.

Doch selbst die ist schon domestiziert. 1971 nahm das Schlagerpärchen Cindy & Bert „Paranoid“ als „Der Hund von Baskerville“ auf und zeigte, wie schlagerpublikumkompatibel es ist. Spooky!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

20 Kommentare

einfach ein tolles Konzert!

und wie das Wort "Kritiker" schon aussagt, Köck muss kritisieren, dafür bekommt er Kohle.
Ob er Ahnung hat oder nicht, ist doch völlig nebensächlich.
Es war ein geiles Konzert mit einem der BESTEN.
PUNKT.
AUS.
Nix mehr und nix weniger.

kurzfassung

für alle die den text nicht verstehen: ich liebe black sabbath, halt nicht extrem viel von ozzy solo......

Gast: bladablitz
28.06.2012 19:23
0 0

i vasteh ka wuat...

...aber woher auch? ich bin ja nur einer der wenigen einfältigen, die einfach sagen: mir hat´s ganz gut gefallen.
und um das bild abzurunden: nein, ich verfüge über keinen höheren schulabschluss. daher kann ich nicht mit bestimmtheit sagen, was mir herr köck eigentlich mitteilen möchte.

Gast: Rockkenner
28.06.2012 14:19
0 0

Schade

...dass die Presse scheinbar systematisch Musikkritiker mit Ahnung verjagt, sodass nur mehr in Buchstaben gegossene Ignoranz von Herrn Köck übrig bleibt. Noch vor wenigen Jahren berichtete die Presse sogar, wenn auch zurecht kritisch, über Metal-Festivals wie Kaltenbach - aber da muss einer gewesen sein, der sich im Gegensatz zu dem dauergrantigen Köck auch mit seiner Materie befasst hat.

Gast: Rockkenner
28.06.2012 14:17
0 0

Schade

...dass die Presse scheinbar systematisch Musikkritiker mit Ahnung verjagt, sodass nur mehr in Buchstaben gegossene Ignoranz von Herrn Köck übrig bleibt. Noch vor wenigen Jahren berichtete die Presse sogar, wenn auch zurecht kritisch, über Metal-Festivals wie Kaltenbach - aber da muss einer gewesen sein, der sich im Gegensatz zu dem dauergrantigen Köck auch mit seiner Materie befasst hat.

Gast: Umsonst
28.06.2012 13:37
0 0

Ozzy Osbourne bot in der Wiener Stadthalle mit Freunden wie Slash gepflegte metallische Familienunterhaltung......

...also früher war er sicher gut und unvergleichlich, aber wenn man heutzutage soetwas sehen will, braucht man nur auf den Karlsplatz gehen, oder ähnlichen Plätzen.....mussten die Besucher bei dieser "Bleichenshow" Eintritt bezahlen, oder war das eh Gratis!?

Antworten Gast: kapla
28.06.2012 14:24
0 0

Re: Ozzy Osbourne bot in der Wiener Stadthalle mit Freunden wie Slash gepflegte metallische Familienunterhaltung......

Samir bist du´s?

Symptom of the Universe!

Mich wundert's ja, dass hier kein Wort über Zakk Wylde geschrieben wurde. Meiner Meinung nach vollkommen fehlplatziert! Ozzy hätte mit Slash und Geezer ruhig noch um die 20 Sabbath Lieder nachschieben können und Black Label Society hätten halt einfach an einem anderen Tag gespielt. Wo blieb The Wizard, Sweat Leaf, Black Sabbath, Snowblind und vor allem Symptom of the Universe??

Die Lieder von Ozzys ersten zwei Solo Alben waren schon OK, eine faire Huldigung and Randy Rhoads. Mehr hätte es aber nicht gebraucht. ZUM GLÜCK hat er nicht Dreamer gespielt. Hat jemand außerdem die Andeutung von Ozzy am Beginn von Crazy Train gesehen? Richtung Backstage hat er schon gezeigt wie sehr ihn das Lied ankotzt. Sein Publikum auch. Vielleicht waren wir doch am Krone Hitradio Festival, wie am Eingang ersichtlich?

Gast: Garst
28.06.2012 11:41
0 0

Wie erbärmlich ist das denn?

Sehr geehrter Herr Köck!

Nur so viel:
Ihr Artikel zeugt von ignoranz und unverständnis.... und Kommerzmusikhörigkeit.

Nur Miesmachen kann ein jeder!
Versuchen s mal in ihrem Artikel mal was positiv zu formulieren!

Den Journalisten sollte mal generell gesagt werden: Eure "Badnewsaregoodnews-gschicht" könnts euch behalten!
mfg
Der garstige Gast

Gast: Alexander Auer
28.06.2012 11:36
1 0

Themenverfehlung

Die Kritik zeigt einzig, dass der Autor keine Ahnung hat, wovon er schreibt.
1. Mr. Crowley ist natürlich eindeutig dem Spätwerk der letzten Jahre zuzuschreiben und nicht etwa von 1980 - soviel zu "distanziert er sich heute".
2. Ozzy als Protagonist des Hair Metal ? Das ist orgininell. Nicht alles was lange Haare und eine Gitarre hat, ist deswegen Hair Metal.
3. Suicide Solution schlecht gealtert ? Mit der Meinung steht der Autor wohl auch recht alleine. Abgesehen davon würde ich hier eine Lyrics-Lektüre empfehlen - "Vorzüge des Selbstmordes" ist etwas gewagt bei einem Lied, das um die Gefahren des Alkoholismus handelt.
4 Man könnte Ozzys Stimme kritisieren, die immer wieder wegbrach - auch geschuldet der Kehlkopfentzündung, aber ihm "Grundzüge des konventionellen Metal-Klangbilds" vorzuwerfen, die er zu einem großen Teil geprägt hat, ist wohl eine Themenverfehlung.
5. "Stayin' Alive" mit Dweezil Zappa an der Gitarre könnte man auch als Spass unter Musikern, die Freude an ihrer Arbeit haben, verstehen. Oder war die Coverversion von "Born to be wild" mit Miss Piggy(!) nur ein Versuch die Hirne aller unter 10jährigen zu infiltrieren ?

Mein Fazit zu der Kritik: Schick niemals einen Pseudo-Intellektuellen zu einem Rockkonzert, er kann, wird und will es nicht verstehen.

Gast: big a
28.06.2012 10:03
3 0

"hervorragender" "journalist"

konzert und künstler der lächerlichkeit zichtigen, aber selber schon wichtig mit Slash posieren. top!

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151058407583304&set=p.10151058407583304&type=1&theater

Gast: leser001
28.06.2012 09:31
2 0

....

sich arrogant über uns lustig zu machen ist kein zeichen intellektueller überlegenheit sondern eher der intoleranz, des mangelnden verständnisses und des scheuklappendenkens, die ja nicht gerade vorraussetzungen für guten journalismus sind.

in diesem sinne hoffe ich dass die presse auch noch andere "musik-kritiker" in ihren reihen hat, die die dafür notwendige ausbildung und einstellung haben und besser geeignet sind solche konzerte zu kommentieren.

ein leser und metal-fan.


Gast: Priest
28.06.2012 09:18
4 0

Paranoid

Bestes Konzert des Jahres - mieseste Kritik des Jahres - und aus !

Antworten Gast: Garst
28.06.2012 11:42
1 0

Re: Paranoid

Schließe mich an

Gast: Johnny C
28.06.2012 07:56
4 0

Schlechter Bericht

Ich bin auch kein großer heavy metal fan aber dieser Bericht ist einfach nur peinlich. Hier versucht der Autor mit dümmlichen Witzchen und schwachsinnigen Vergleichen Künstler in den Dreck zu ziehen die mehr erreicht haben als er in 5 Lebenszeiten zusammengebracht hätte. Dabei ist Herr Köck sicherlich noch überzeugt einen unheimlich witzig-sarkastischen Artikel verfasst zu haben, tatsächlich wirkt er abgehoben, arrogant und eifach nur unsympathisch.
Peinlich, peinlich...

Re: Schlechter Bericht

Absolut ihrer Meinung.

Ist dieses reflexartige "Schlagzeugsolo ist grundsätzlich schlecht" bei Musikkritikern genetisch bedingt? Gott sei dank war das Schlagzeugsolo effektvoll und daher das Publikum auch begeistert, lieber Herr Köck, das war nämlich ein Rockkonzert, ein subtiles Jazzbesensolo am Schlagzeug wäre wohl etwas deplaziert gewesen... oder was haben sie sich erwartet?

Die meisten Musikkritiker sind nichts anderer als gescheiterte Musiker. Aber der Herr Köck ist ja DJ, kann also Platten auflegen. Toll, auch eine Leistung, irgendwie...

ein bisserl zwangsoriginell

und selbstverliebt, Herr Köck! Sagt Ihnen niemand in der Redaktion, dass das mehr nervt als informiert?

Gast: [amok]
28.06.2012 00:51
6 0

Journalismus der Peinlichkeit

Lieber Samir H Köck,

wenn Ihnen die Musikrichtung und der Künstler nicht zusagen, dann bleiben Sie doch bitte daheim. Es wird sich schon ein anderer finden, der an Ihrer statt einen Konzertbericht verfassen kann, ohne jahrzehntealte unzutreffende Platitüden bemühen zu müssen. Rock und Metalfans regelmäßig als reaktionäre, besoffene Proleten hinzustellen, mag eventuell Ihrem privaten Weltbild Genüge tun, stellt letztlich aber nur tendenziöses, peinliches Geschmiere dar. Selbiges gilt für Ihre Beschreibung des Künstlers, der eine stilprägende Ikone der Rockmusik und lebende Legende ist, und dessen Show.

Verschweigen Sie beabsichtigt die Tatsache, dass es sich um eine höchstprofessionelle und energiegeladene Show der Extraklasse mit beeindruckenden Ausnahmemusikern gehandelt hat, oder fehlt Ihnen hierzu einfach die Beurteilungsfähigkeit? Und wieso erwähnen Sie mit keinem Wort, dass das erstaunlich inhomogene Publikum von jung bis alt sich zu euphorischen Begeisterungsstürmen mitreißen hat lassen? Oder dass der Sound ausgesprochen transparent war, wofür die Stadthalle ja nicht gerade berühmt ist? Fällt es Ihnen tatsächlich so schwer, ein gutes Wort über ein Rock / Metalkonzert zu verlieren? Na, dann bleiben Sie doch einfach zu Hause und verschonen Sie nicht nur die Leser sondern ersparen Sie bitte auch der "Presse" einen weiteren entbehrlichen, peinlichen und unqualifizierten Konzertbericht. Danke.


ozzy rulez

muss sich doch glatt wieder ein musikkritiker beweisen daß er einfach nicht alles gut finden darf. besch...berufsethos! wenn das drummersolo effektheischen gewesen sein soll...was ist dann der sinn eines solos überhaupt? konzert war spitze...wenn, dann müßte man das publikum kritisieren: high heels! statt feuerzeugen handys! und dann net mal zugabe schreien! ts ts

Gast: Listen
27.06.2012 21:35
8 0

Immer noch besser der alte, zahme Ozzy als die von den Medien derzeit hofierten Toten Hosen mit ihrem Linkspunkkommerz Richtung Musikantenstadl..

So

Platten der Woche