Ein Vamp der alten Schule: Margot Werner ist tot

Die Chansonsängerin und Entertainerin stürzte 74-jährig aus dem dritten Stock eines Münchner Krankenhauses.

Vamp alten Schule Margot
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Vamp alten Schule Margot
(c) APA (ORF/Ali Schafler)

„So ein Mann, so ein Mann, zieht mich unwahrscheinlich an“, diesen Song kennen selbst Schlagerverächter. Margot Werner war mehr eine Chanson- als eine Schlagersängerin. Die Salzburgerin, Tochter eines Kaufmanns und einer Pianistin, erhielt mit drei Jahren Tanzunterricht. Mit 17 wurde sie Mitglied des Balletts der Bayerischen Staatsoper Münchenund dessen Primaballerina, eine Sensation bei einer Größe von 1,76 cm. 1972 wurde sie als Sängerin entdeckt. Die harte Tanzausbildung prägte. Margot Werner war lange alterslos, sie sah blendend aus, schlank, elegant, blondes oder rotes Haar. Den Vergleich mit Milva musste sie nicht scheuen, das Format war ähnlich: Vamp war ein Synonym für Luder, es ist nicht ganz dasselbe, der Vamp ist dämonischer, die Aura unnahbarer. Der Vamp ging aus den alten Diven wie Zarah Leander, Marlene Dietrich hervor; heute gibt's Madonna – und die Girls von „Next Door“. Margot Werner sang nicht nur Chansons, nahm Platten auf, sie profilierte sich auch als Entertainerin. 1975 gestaltete sie ihre erste Personality-Show, 13 weitere für verschiedene Sender folgten.

 

Versuche als Showmasterin

In der Männerdomäne Showmaster konnte sie nicht so recht landen. Die Frauen schafften es eher im politischen Journalismus, Karriere zu machen als im großen Entertainment. Hätte Werner, beliebter Gast bei großen TV-Shows, ein weiblicher Gottschalk werden können? Charme, Ausstrahlung hatte sie, doch fehlte ihr rhetorische Geschmeidigkeit, sie war wohl auch zu sehr Solistin. 1976 hatte sie mit dem dramatisch-philosophischen Lied „Wasser, Feuer, Luft und Erde“ großen Erfolg, 1977 folgte „So ein Mann“. Als Jenny war sie in Brechts „Dreigroschenoper“ im Münchner Residenztheater zu erleben.

Sie spielte in TV-Filmen, brachte über 20 Alben in englischer, französischer und deutscher Sprache heraus. 2007 erschien eine CD mit bekannten Liedern und neuen Songs, darunter ein weiterer Hit auf den Spuren Edith Piafs „Ich hab im Leben nichts bereut“. Privat hatte es die kinderlose Künstlerin nicht leicht. Beim Konkurs ihres Mannes, eines Hoteliers, ging ihr Geld verloren. Sie litt an Depressionen. Ihre dunkle Stimme, ihre Erscheinung, ihr Temperament bleiben in Erinnerung. bp [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2012)

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