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Der Klavierschüler, der den Hardrock prägte

17.07.2012 | 18:29 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Jon Lord, Gründungsmitglied von Deep Purple, ist 71-jährig an Krebs gestorben.

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Er war noch aus der Zeit, als Rockbands – vor allem solche ohne Art-School-Background – es nötig hatten (oder glaubten, es nötig zu haben), Zitate und Anleihe aus der Klassik einzustreuen, um als „ernsthaft“ respektiert zu werden. Für dergleichen war stets der Keyboarder, der schließlich Klavierschüler war, zuständig – als Gegenpol zum bodenständigen Gitarristen, der Bach nicht von Händel unterscheiden konnte und es nicht so mit dem Notenlesen hatte...

Das war das Klischee, und Jon Lord lebte es würdig (und bescheidener als Kollegen wie Keith Emerson), mit Ritchie Blackmore als Gegenpol, in der britischen Band, die den Hardrock definierte und perfektionierte: Deep Purple. 1941 in Leicester geboren, lernte Lord schon mit fünf Klavier (klassisch, was sonst?), spielte mit 19 in Blues- und Jazzcombos. Als Swinging London 1967 im psychedelischen Rausch war, war er bei den „Flower Pot Men“. 1968 gründete er (u.a. mit Blackmore und Schlagzeuger Ian Paice) Deep Purple, ließ in Songs wie „Hush“ und „One More Rainy Day“ die Orgel brüllen.

 

1970: „Concerto“ und „In Rock“

Schon auf dem zweiten Album „Book of Taliesyn“ zitierte er aus Beethovens Siebter Symphonie, 1970 schrieb er ein „Concerto for Group And Orchestra“, das mit dem Royal Philharmonic Orchestra uraufgeführt wurde. Eine große Freude für Lord, der dennoch mit dem programmatisch „In Rock“ genannten Nachfolger sehr zufrieden war und es später als sein Lieblingsalbum bezeichnete. In Stücken wie „Speed King“ und vor allem „Child in Time“ maß sich seine Orgel mit Blackmores aggressiver Gitarre und verlor durchaus nicht. Auch auf weiteren „klassischen“, wenn auch kaum klassischen Hardrock-Alben wie „Machine Head“ oder „Burn“ war sein virtuos an- und abschwellendes Spiel wesentlich. Im Gegensatz zum streitlustigen Blackmore blieb er (mit einer Unterbrechung) bis 2002 bei Deep Purple; nebenher ging er auf Platten wie „Gemini Suite“ oder „Sarabande“ seinen – natürlich klassischen! – Vorlieben nach.

Nach der Trennung von Deep Purple führte der inzwischen ergraute Meister u.a. ein „Durham Concerto“ auf, widmete sich aber zuletzt seinem „Blues Project“. Letzten Sommer wurde Bauchspeicheldrüsenkrebs entdeckt, nun ist er in einer Londoner Klinik gestorben. Seine Homepage sagt: „Jon Lord passes from darkness to light.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)

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