„Heilige Mutter Gottes, erlöse Russland von Putin“, sangen vermummte Frauen Ende Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale. Es war eine politische Aktion der Frauenpunkband Pussy Riot gegen Wladimir Putin, der kurz danach bei der Präsidentenwahl erneut siegte. Obwohl bei der Aktion nichts beschädigt und niemand verletzt wurde, bereitete ein Moskauer Gericht am Freitag das Verfahren gegen die drei jungen Frauen vor. Menschenrechtler sprechen von einem beispiellosen Justizskandal, Amnesty International hat die Frauen als politische Gefangene anerkannt.
Seit Monaten sitzen Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) – beide junge Mütter – und Jekaterina Samuzewitsch (29) in Untersuchungshaft. Ihnen wird „Hooliganismus aus Gründen des religiösen Hasses“ vorgeworfen. Als wichtiges Beweismittel gilt ein im Internet veröffentlichtes Video der Aktion. Laut Anwalt Nikolai Polosow ist es aber keine Originalaufnahme, sondern eine künstlerische Montage. Dass die Frauen in wilder Manier vor heiligen Ikonen tanzten, habe viele Gläubige traumatisiert, heißt es in der Anklage. „Die Mädchen hatten keine Waffen und haben nichts zerstört, so wie es für eine Anklage wegen Rowdytums eigentlich nötig wäre“, sagt Polosow. Für einen Strafprozess gebe es also keine rechtliche Grundlage, angebracht sei höchstens eine Ordnungsstrafe.
Am Freitag wurde entschieden, dass die Frauen mindestens ein weiteres halbes Jahr in Untersuchungshaft bleiben. Nun muss die Richterin den Prozessbeginn festlegen. „Das Urteil wird wohl in letzter Minute direkt von höchster Stelle im Kreml gesprochen“, sagt Polosow, „Das Gericht hat nur die technische Aufgabe, die Entscheidung zu verkünden“. Den Frauen drohen sieben Jahre Haft. Polosow ist überzeugt, dass sie zu Straflager verurteilt werden. sig
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)
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