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"Pussy Riot" wird zum Testfall für Putin

30.07.2012 | 18:11 |  Von unserem Korrespondenten EDUARD STEINER (Die Presse)

In Moskau hat der Prozess gegen die Punkband "Pussy Riot" begonnen. Die drei Künstlerinnen haben es gewagt, in einer Kirche für den Rücktritt Putins zu "beten". Der Fall ist brisant und pikant zugleich.

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Moskau. Nur wenige Meter vom Moskauer Chamowniki-Gericht erstreckt sich das wohl berühmteste Kloster der Stadt. Der Gottesmutter Maria haben es die Gründer im 16.Jahrhundert geweiht. Im Chamowniki-Gericht ging es am Montag deutlich irdischer zu. Eine Richterin begann dort, den spektakulärsten Prozess des Jahres zu verhandeln – ausgerechnet wegen eines von „Pussy Riot“ an die Gottesmutter gerichteten Punkgebets.

„Pussy Riot“ ist eine Mädchenpunkband, die gar nicht so sehr eine religiöse Konfrontation als vielmehr einen politischen Zusammenprall der Generationen verkörpert. „Heilige Mutter, vertreibe uns den Putin“, haben die jungen Frauen im Februar vom Ambo der Christus-Erlöser-Kathedrale aus in ihrem Auftritt gefleht. Seither sitzen drei von ihnen in Untersuchungshaft. Schlimmstenfalls drohen sieben Jahre Straflager.

Pussy Riot: Die Chronlogie der Ereignisse

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Der Fall ist brisant und pikant zugleich. Schon in ihren ersten Statements haben die drei Frauen, Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Maria Aljochina (24) – beide Mütter – sowie Jekaterina Samuzewitsch (29), den Schwerpunkt auf das politische Motiv ihrer Aktion gelegt. Der Auftritt sei „ein verzweifelter Versuch“ gewesen, „um das politische System zu ändern“, hieß es in der Erklärung Tolokonnikowas. „Wir hatten nicht die Absicht, Menschen zu beleidigen.“ Dass man als Ort des Auftritts die Kathedrale gewählt habe, sei keine strafrechtliche Schuld, sondern eine ethische, für die man sich bei denen entschuldige, deren religiöse Gefühle verletzt worden seien.

 

„Schwere seelische Folgen“

Die Anklage freilich beschränkt sich nicht auf die Ahndung einer Ordnungswidrigkeit, sondern dreht die Causa juristisch zum „Rowdytum“. Dies auch deshalb, weil es kein Gesetz über Blasphemie gibt. Die Argumentation in der Anklageschrift geht dennoch in diese Richtung. Gläubige, die als Zeugen auftreten, hätten „schwere seelische Folgen“ davongetragen, heißt es: „Pussy Riot“ habe an den jahrhundertealten Grundfesten der russisch-orthodoxen Kirche gerüttelt. Die Kirche selbst sieht den „Teufel am Werk“.

Seit der Verhaftung (und späteren Verurteilung zu 14 Jahren Gefängnis) des Ex-Oligarchen und Putin-Rivalen Michail Chodorkowskij im Jahr 2003 hat kein russischer Prozess im In- und Ausland größere Reaktionen hervorgerufen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Musikerinnen als politische Gefangene anerkannt. Internationale Musiker wie Sting, der gerade auf Russland-Tournee ist, baten Kirche und Staat um ein Einlenken. Bezeichnend auch, dass die russischen Intellektuellen nun gemeinsam an den Staat appellieren.

VIDEO: Pussy Riot vor Gericht

Pussy Riot vor Gericht / Bild: AP

Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei hat am Montag in Moskau der Prozess gegen die Mitglieder der kremlkritischen Band Pussy Riot begonnen.

Gradmesser für Polit-Temperatur

Angesichts der derzeitigen Fülle an neuen repressiven Gesetzen, die sich als Reaktion auf die politischen Proteste verstehen, gilt gerade der Prozess gegen „Pussy Riot“ als Gradmesser für die politische Temperatur, die Präsident Wladimir Putin für seine dritte Amtszeit einstellt. Premier Dmitrij Medwedjew legte gestern mit der Bemerkung nach, dass ähnliche Auftritte in einigen Ländern härtere Bestrafungen zur Folge haben würden.

Aber der Grat, auf dem die russische Justiz wandelt, ist schmal. Die Stimmung in der Bevölkerung hat sich nämlich zuletzt zugunsten der Band gedreht. Und, so der Moskauer Politologe Igor Bunin, angesichts der angespannten politischen Situation könnte die Causa „Pussy Riot“ für Attacken gegen die mittlerweile geschwächten Machthaber benutzt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2012)

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155 Kommentare
 
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Die Lüger der CIA und die hier massenhaft auftretenden Cybertrolle in deren Sold:

Es geht um die Schändung eines dem religiösen Kultus gewidmeten Bauwerkes.
Dasals "politischen Protest" zu verkaufen, der dann unterdrückt wird, ist das Markenzeichen der politischen Berichterstattung im Zusammenhang mit den ganzen "Blumen- bzw. Farbenrevolutionen" in Osteuropa.
Und es scheint auch in der Berichterstattung der Presse ganz dieser Propagandalinie gefolgt zu werden.

Gast: ido
31.07.2012 23:17
2 1

tja, die leute

Lebenslänglich einsperren und aus. Und die ganzen schutzpadronen gleich mit.

Ex-KGB Offizer Putin

hat das Handwerk der Verfolgung "aufmüpfiger Bürger" in seiner langjährigen Tätigkeit für den Geheimdienst der UdSSR gelernt. Schließlich war er ja für die Unterdrückung der Dissidenten zuständig. Die Dissidenten, die es wagten, dass kommunistische Regime offen zu kritisieren wurden unter fadenscheinigen Gründen vor Gericht gestellt und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Wie man sieht bedient sich auch das Regime Putin dieser Methode.

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Ein zu hinterfragender Aktionismus

Eine Kirche für einen derartigen Aktionismus auszuwählen, dahinter steckt natürlich Kalkül. Pussy Riot hat mit Sicherheit die Verhaftung einkalkuliert, das ist keine Frage. Gegen Putin zu demonstrieren ist legitim, dies haben tausende Menschen mit großem Elan und Mut auch getan. Die Proteste haben ja sowohl in Russland selbst, wie auch weltweit Gehör gefunden. Trotzdem gibt es nunmal (egal ob es dafür ein passendes Gesetz gibt oder nicht) aus meiner Sicht gewisse ethische und moralische Grenzen. Meiner Meinung nach haben diese Mädels sie eindeutig und bewußt überschritten. Ich will jetzt gar nicht wie sowieso im Forum schon angesprochen darauf eingehen, wenn dieser Aktionismus bspw. in einer Moschee oder in einer katholischen Kirche stattgefunden hätte. Aus meiner Sicht ist ein religiöser Ort für politische Protestmanifestationen dieser eher geschmacklosen Art grundsätzlich nicht der geeignete Platz. Man kann das durchaus salopp als Rowdytum bezeichnen. Dass Putin dies möglicherweise als Machtdemonstration ausnutzt, ist sicherlich auch den drei Tanten klar. And so what?!

Gast: Nikita Russe
31.07.2012 17:12
6 2

Die Mädels waren bereits mehrmals aufgefallen.

Man erinnere sich an die Gruppen-Sex Aktion in einem biologischen Museum, wo sich viele Kinder aufgehalten haben. 2010 malten sie einen 65 Meter langen Penis auf die Zugbrücke von St. Petersburg. 2008 "Zungenkuss-Attacke" auf mehrere russische Polizistinnen. Natürlich sind 7J. Haftstrafe ein gehypteter Blödsinn, meiner Meinung nach brauchen die Mädels (wie auch andere "Voina"-Mitglieder) eher dringend eine psychotherapeutische Hilfe. Zudem ist in deutschen Medien scheinbar nicht bekannt oder wird verschwiegen, daß die Russisch orthodoxe Kirche gegen die drei Mitglieder von Pussy Riot Strafantrag gestellt hat, den die Kirche zurückziehen würde, wenn sich alle drei angeklagten Frauen offiziell bei der Kirche entschuldigen würden. Was Putin angeht, hat er momentan ganz andere Sorgen, bspw. die sogenannten russischen Oppositionsführer, von den viele zur Jelzin's ehemaliger Brigade gehören. Und Demokratie hin oder her, Fakt bleibt aber, dass die russischen Bürger noch NIE besser gelebt haben als heute.

Gast: Kurti
31.07.2012 15:36
7 0

Das Gleiche in einer Moschee und gegen Erdogan gerichtet...

Bei uns gäbe es ganz sicher eine Verurteilung, in der Türkei langjährige Haftstrafen.

Gast: geh anders
31.07.2012 12:39
0 2

!

die tochter eines portugiesischen königs sieht aus wie regine fischer UND auch samantha cameron auf einem foto in einem buch.

Gast: geh anders
31.07.2012 12:39
0 2

!

die tochter eines portugiesischen königs sieht aus wie regine fischer UND auch samantha cameron auf einem foto in einem buch.

Gast: geh anders
31.07.2012 12:36
1 3

?

das konzert war ja erlaubt in der kirche?

Gast: geh anders
31.07.2012 12:32
0 2

chor der gefangenen

unterstützt von einem österreicherchor?

Gast: geh anders
31.07.2012 12:31
0 1

?!

nicht der richtige weg!

Gast: geh anders
31.07.2012 12:29
0 2

!

das evangelium kann er sogar singen. also.

Gast: geh anders
31.07.2012 12:28
0 2

:

gott, ich habe einen riesenzorn.

Antworten Gast: 002
31.07.2012 17:12
1 0

Re: :

du kennst gott und würdest das machen was er machen würde?

Gast: geh anders
31.07.2012 12:26
0 7

WIESO GOTTESLÄSTERUNG?

wieso darf man das nicht beten? hab ich auch schon gemacht. Putin in dem Fall ist nicht Gott.

Gast: mama said know
31.07.2012 10:20
4 9

russland ist nach wie vor eine diktatur

es zeigt ganz klar wie schwer sich die "tun wir mal ein bissl demokratisch" diktatur russland mit menschenrechten tut. hr.putin ist von seiner kgb-tätigkeit geprägt und kann echte demokratische äußerungen und aktionen nicht tolerieren.
bedauerlich für die mädels, aber mein mitgefühl und meinen respekt für pussy riot!!!!

keine diktatur dauert ewig!

First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.
(m.gandhi)

In Österreich hätten diese Weiber den Straftatbestand des §189(2) StGB " Störung einer Religionsausübung" verwirklicht, der mit bis zu 6 Monaten Haft bestraft wird!

Diese Bagage gehört eingesperrt. Sort ist man eben nicht so dekadent wie bei uns in der katholischen Kirche - hier hätte der Faber wahrscheinlich noch seinen "Segen" gegeben!

Und all diejenigen, die das Vorgehen der russischen Behörden kritisieren, möchte ich sehen, wenn die das in einer Moschee oder Synagoge gemacht hätten!!!

"einsperren"

Da wünscht sich einer ins Mittelalter zurück. Mit Deiner Einstellung würdest Du ja ganz gut dorthin passen.

Re: In Österreich hätten diese Weiber den Straftatbestand des §189(2) StGB " Störung einer Religionsausübung" verwirklicht, der mit bis zu 6 Monaten Haft bestraft wird!

Wahnsinn, wie arm kann man eigtl. sein .. bitte lauf mir je über den Weg und gib dich zu erkennen

Antworten Gast: asu
31.07.2012 10:54
8 7

Re: In Österreich hätten diese Weiber den Straftatbestand des §189(2) StGB " Störung einer Religionsausübung" verwirklicht, der mit bis zu 6 Monaten Haft bestraft wird!

schön dass Sie so urteilen...

glücklicherweise sind Sie in der position, in österreich leben zu dürfen, glücklicherweise dürfen Sie kanzler faymann ohne konsequenzen failmann nennen, gott sei dank dürfen Sie gegen des esm wettern, und Sie dürfen auch entscheiden, welche partei Sie wählen möchten..Ihre stimme wird dann berücksichtigt.

doch leider...haben Sie offenbar überhaupt keine ahnung von der lage in russland, das ist wirklich sehr bedauerlich.

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Re: Re: In Österreich hätten diese Weiber den Straftatbestand des §189(2) StGB " Störung einer Religionsausübung" verwirklicht, der mit bis zu 6 Monaten Haft bestraft wird!

eine Frage, warum ist es traurig,keine Ahnung von der Lage in Russland zu haben.
Diese eher von Weicheiern gepflegte Formulierung klingt hier eigenartig.

Der Vorredner kommt auch ohne diese Kenntnisse zurecht in seinem Leben.
Und wahrscheinlich sehr erfolgreich.
Dann interessiert es höchstwahrscheinlich so einen Vernünftigen wenig, darüber lange zu labern.
Und wenn diese 3 Supergscheiten Haserln unbedingt mit kindischen Aktionen auffällig werden, und nicht selbst etwas im Lande verändern, verbessern wollen - dann sollen sie sich zum T. scheren. Langweilige Diskussion hier

Antworten Antworten Antworten Gast: asu
31.07.2012 17:18
0 5

Re: Re: Re: In Österreich hätten diese Weiber den Straftatbestand des §189(2) StGB " Störung einer Religionsausübung" verwirklicht, der mit bis zu 6 Monaten Haft bestraft wird!

es ist NICHT traurig, keine ahnung von der lage in russland zu haben.

allerdings ist es traurig, große behauptungen aufzustellen, so zu tun als ob man sich auskennen würde, in wirklichkeit aber sich eben nicht auskennt.

Ob Ihr vorredner im leben zurecht kommt, darüber mache ich mir keine sorgen....er sollte sich jedoch bewusst sein, dass es ihm hier WESENTLICH besser geht, als es ihm in russland gehen würde (außer vl er hat kein problem damit die goschn zu halten)

3 6

Re: In Österreich hätten diese Weiber den Straftatbestand des §189(2) StGB " Störung einer Religionsausübung" verwirklicht, der mit bis zu 6 Monaten Haft bestraft wird!

Da spricht ja ein echte moralische Instanz, die aus der Ferne sofort weiss, wer bagage ist und wer weggesperrt gehört. Zwar keine Ahnung wegen der Umstände, aber tut nichts zu sache sich sofort ein (Vor)Urteil zu bilden.
Ach übrigens, wie dekadent ist es denn drei junge Menschen deswegen für sieben Jahre wegzusperren....

Antworten Gast: 002
31.07.2012 10:27
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Re: In Österreich hätten diese Weiber den Straftatbestand des §189(2) StGB " Störung einer Religionsausübung" verwirklicht, der mit bis zu 6 Monaten Haft bestraft wird!

die sind ja nicht wirklich religiös, das gebet war daher nicht religiös gemeint, sondern politisch.
die verhaftungen sind daher ein angriff auf die rede- und meinungsfreiheit....jene freiheiten die in russland übrigens vor ein paar wochen massiv eingeschränkt wurden...

Gast: rendell
31.07.2012 09:30
10 8

Unfassbare Wortmeldungen

Es ist unfassbar und schockierend welche Wortmeldungen zu diesem Artikel abgegeben werden. Das Recht auf freie Meinung und Demonstration darf weder von politischen noch von religiösen Institutionen untergraben werden. Es gehört viel Mut dazu in dieser Scheindemokratie gegen Putin die Stimme zu erheben. In einem Land wo man den Kanzler als Witzfigur hinstellen kann ohne am nächsten Tag von der Staatspolizei abgeholt zu werden kann man leicht dumme Sprüche klopfen. Ich hoffe es gibt in Russland noch mehr Menschen die soviel Mut aufbringen. Dass sich die Kirche einmal mehr mit einer Diktatur verbündet ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Re: Unfassbare Wortmeldungen

.. auf den Punkt gebracht!

 
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