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Prozessflut gegen Putins unbequemste Kritiker

01.08.2012 | 14:44 |  von unserem Korrespondenten Eduard Steiner (Die Presse)

Die Repressionsmaschinerie des Kreml zieht täglich neue Leute aus dem Verkehr. Auf die Punkband Pussy Riot folgt der Dissidentenführer Alexej Nawalny. Dem prominenten Blogger wird Veruntreuung vorgeworfen.

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Moskau. Während die Politik nach der Verabschiedung einer Reihe repressiver Gesetze im Urlaub ist, arbeitet die russische Justiz im Akkord: Täglich beginnen neue Prozesse gegen die, die sich mit ihrem Protest gegen das Langzeitregime weit hinausgelehnt haben. Startete am Montag der Prozess gegen die Punkband Pussy Riot, so traf es am Dienstag den Prominentesten unter den Neuen Wilden der russischen Politikszene: Alexej Nawalny. Die Justiz hat gegen den 36-jährigen Anwalt Anklage wegen Veruntreuung erhoben. Nawalny soll als Berater den Staatsbetrieb Kirowles betrogen haben. Nawalny darf seinen Wohnort Moskau nun nur noch mit Polizeigenehmigung verlassen.

Verschärfung der Anklage

Ins Auge springt, dass der Anklage plötzlich ein schärferer Paragraf zugrundegelegt wurde, und zwar der, aufgrund dessen Wladimir Putins größter Feind, Ex-Ölmagnat Michail Chodorkowskij, seit 2003 eine 14-jährige Haftstrafe verbüßt. Ins Auge springt aber auch, dass der Vorwurf gegen Nawalny schon früher kursierte, aber immer wieder fallengelassen wurde. Die regionalen Behörden hätten den Auftrag, gegen ihn Material zu sammeln, hatte Nawalny schon vor zweieinhalb Jahren der „Presse“ erzählt.

Damals hatte Nawalny gerade dadurch Berühmtheit erlangt, dass er die etwas verschlafene Opposition auf einem unbeackerten Feld links überholte. Gewieft kaufte er Aktien staatlicher Konzerne und zwang sie zur Offenlegung korrupter Geschäftsgebaren, weil diese den Aktienwert minderten. Mit dem Image des patriotischen Korruptionsjägers erlangte er Popularität und wurde im Dezember 2011zur Galionsfigur der neuen Massenproteste.

Dass ihn die Justiz jetzt belangt, fällt zeitlich mit einer anderen pikanten Aktion zusammen. Seit Tagen nämlich betreibt Nawalny eine Diskreditierungskampagne gegen den Chefermittler und Putins Weggefährten, Alexandr Bastrykin. Er legte Belege vor, dass Bastrykin in Tschechien nicht nur eine Immobilie hat, sondern auch eine Firma und eine Aufenthaltsgenehmigung. Das ist zwar unter Russen Praxis, jemandem aus dem staatlichen Justiz- und Sicherheitsdienst aber untersagt. Nawalny nannte den Chefermittler daher einen „ausländischen Agenten“ und spielte damit auf das neue Gesetz an, das NGOs im Falle einer ausländischen Finanzierung als „ausländische Agenten“ einstuft.

„Repression nimmt weiter zu“

Gewiss, im Kräftemessen mit der Opposition behält der Staat die Nase vorn. Das zeigt nicht nur der bisherige Reigen an Repressionen. Der Staat antworte erfahrungsgemäß dann mit Repressionen, wenn der Protest temporär aufflammt oder wenn die Vielfalt der oppositionellen Strategien zunimmt, analysiert Sergej Gurijew, Rektor der Russian Economic School.

Hauptmerkmal der russischen Proteste sei nun gerade, dass „neue Gesichter und völlig neue und vielfältige Proteststrategien auftauchten“. Die Repression werde laut Gurijew noch zunehmen: Wenn Repressionen begonnen hätten, seien sie auch dann nur noch schwer zu bremsen, wenn die Bedrohung für das Regime von unten nachlasse.

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59 Kommentare
 
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Gast: Tierecke
01.08.2012 08:44
0 2

Eines muss man Putin zugute halten-

-er haart kaum.

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Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Es kann nicht angehen, daß die Betroffenheitsindustrie, die sich aus den Spenden propagandaverseuchter Anhänger finanziert, die Macht im Staat torpediert.

Re: Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Putin ist nichts anderes als ein Ostblockkommunist mit demokratischem Deckmantel. Die NGOs werden wie Konterrevolutionäre behandelt. Immerhin ist er durch die Kaderausbildung der kommunistischen Partei der Sowjetunion gegangen.

5 0

putin<>ngos


was sie unterscheidet?
- derselbe kommunismus.

kampf der dunkelroten kerne
in unterschiedlichen mäntelchen ...

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Re: Re: Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Kommunist ist Putin mit Sicherheit keiner. Demokrat auch nicht, und ich habe nicht den Eindruck, daß er sich sonderlich um einen Deckmantel bemüht.

Den benötigen nur westliche Machtpolitiker (und genau das in beinhart ist Putin) um letztendlich mit weniger offensichtlichen Mitteln dasselbe zu erreichen.

Putin ist in vieler Hinsicht einfach nur ehrlicher, oder, damit es nicht so positiv klingt, weniger auf Vertuschung bedacht. Das ist in Rußland auch nicht nötig, da es nie so etwas wie Freiheit gab. Von der Knute des Zaren nahtlos an die Bajonette der Kommunisten weitergereicht, und Jelzin und Gorbachov waren kein ernstzunehmendes Intermezzo bis zur Putin-Ära. Würde dort "Demokratie" im zumindest theoretischen westlichen Sinn ausbrechen, wäre das Land in Nullkommajosef wieder von den Kommunisten regiert oder versänke innerhalb eines Jahres in Chaos und Anarchie. Genau so wie bei "befreiten" arabischen Ländern des arabischen Frühlings.

Es gibt hier zwar ein paar, die Chaos und Anarchie als Freiheit betrachten, der Durchschnittsmensch möchte in so etwas aber auch nicht leben.


Re: Re: Re: Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Das Putin als KGB Offizier Kommunist war und eine Kaderausbildung der KPdSU absolvierte ist jedenfalls historische Tatsache. Genauso seine Mitwirkung an der Verfolgung der Dissidenten in der UdSSR. Und da glauben sie tatsächlich, dass er sich nach dem Untergang des Ostblock-Kommunismus von Saulus zum Paulus gewandelt hat und den jahrelang gelernten und praktizierten Behandlungsmethoden betreffend Regimekritikern abgeschworen hat? Gerade der Ostblock-Kommunismus hatte schon religiöse Züge, mit den KP-Funtionären als Götter, sowas legt man nicht so einfach ab, sondern führt es in leicht abgeänderter Form weiter.

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Re: Re: Re: Re: Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Daß Putin als KGB-Offizier Werkzeug der KP, und damit eines der Symptome des kommunistischen Staates war, bestreitet ja niemand.

Lediglich mit Kommunismus als politischem Begriff, Marxismus, Leninismus etc pi pa po behaupte ich, daß er nichts am Hut hat.

Oder glauben Sie, daß sämtliche Karrieristen, die im Fahrwasser einer Partei nach oben gespült werden, deren ideologische Grundlagen teilen? Putin ist ein Mechaniker der Macht, Marx und Lenin gehen dem doch links und rechts am жопа vorbei. In dem Moment, in dem die UdSSR sich auflöste, hat der den roten Mantel ausgezogen, der nur Mittel zum Zweck war.

Ich sage nicht, daß Putin ein Demokrat oder angenehmer Zeitgenosse ist. Nur ist nicht jeder Russe, auch wenn er aus dem KGB kam, Kommunist. Putin ist eher rechtskonservativer Machiavellist, wenn Sie so wollen. Jedinaja Rossija, Putins Partei, ist alles, nur nicht kommunistisch. Die sind die Opposition.

Re: Re: Re: Re: Re: Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Mit Marxismus hatte der reale Ostblockkommunismus auch wenig zu tun. Es war einfach eine Diktatur der politischen Funktionäre mit strikter Unterdrückung und Verfolgung von Meinungen, die von der Parteilinie abwichen und Putin hat, wie sie richtig sagen, als Mechaniker die Macht der KPdSU erhalten. Und diese mechanischen Kenntnisse setzt er auch weiterhin ein um seine Macht zu erhalten. Und die russische Bevölkerung schlittert von einer Diktatur in die nächste.

5 3

Re: Re: Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Ja, die sind halt jeweils vom Ausland gesponsert und simulieren "Bürgerwille", was freilich eine Irreführung ist. Entscheidend sind in einer Demokratie Wahlergebnisse aber nicht sowas. Die haben einfach keine demokratische Legitimation, werden aber als "Stimme des Volkes" gerne in den Vordergrund gestellt, wenn es gerade passt. Siehe die Zeit während der von der SPÖ bestellten Sanktionen.

Re: Re: Re: Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Das Regimekritiker vom Ausland bezahlt sind wurde von den Stalinisten auch immer als Grund zu deren Verfolgung und Verunglimpfung herangezogen. Haben Sie einen Faible für die kommunistischen Ostblock Diktaturen?

3 0

Re: Re: Re: Re: Bezüglich der NGOs hat Putin völlig recht.

Nein, überhaupt nicht, aber der Staat wird halt damit unterwandert. Ganz im Gegenteil, der SPÖ sind die ja während der Sanktionen gerade recht gewesen um ein falsches Bild vom Bürgerwillen propagieren zu können.

Gast: Halloooo
31.07.2012 23:50
2 6

--

In Russland wurden nach der dortigen "Wende" als erstes hunderte Kirchen und Klöster wieder restauriert, vergoldet. Woher kommt das Geld? Ich hätte da nützlichere Verwendung des Geldes vorgeschlagen.

8 1

Re: --

Was geht Sie das Geld der Russen an?

Gast: sozialistischeunterdrückung
31.07.2012 21:57
6 0

die sozialisten können mit demokratie und meinungsgfreiheit nichts anfangen. nicht hier und nirgends auf diesem planeten. alle andersdenkenden müssen vernichtet werden, so ihr motto.


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Re: die sozialisten können mit demokratie und meinungsgfreiheit nichts anfangen. nicht hier und nirgends auf diesem planeten. alle andersdenkenden müssen vernichtet werden, so ihr motto.

Die Leute von BZÖ und FPÖ werden ja auch massenhaft mit Klagen eingedeckt und es werden unverhältnismäßig "Exempel statuiert". Die Nomenklatura hingegen kann schalten und walten wie in einer Diktatur. Korruption ist höchstens peinlich, wird aber nicht ernsthaft verfolgt.

Es gibt also keine Veranlassung für Österreicher, das selbe bei den Russen anzuprangern.

Manipuliert werden wir auch hier im "goldenen Westen"...

... auf ca. 225 Mrd. Euro belaufen sich derzeit die österr. Staatsschulden, zudem kommen demnächst die Haftungen von ESFM und ESM...

Und worüber wird in den selbsternannten Qualtiätsmedien berichtet...??

Und zur Krönung wird man noch von (bezahlten) Parteifuzzis beleidigt, wenn man was gegen das Duo Infernale Faymann/Spindelegger schreibt...

Dann wird man gleich als Verschwörungtheoretikerin abgetan...

irgendwann

ist auch Putin fällig!

Gast: Wasserlaeufer
31.07.2012 20:44
9 2

Tja, so hat halt jedes Land

seine Verbotsgesetze.

Damit man die die nicht mitmauscheln wollen
an die Kandarre nehmen kann.

Oesterreich ist da ja um keinen Deut besser.

Re: Tja, so hat halt jedes Land

Schauprozess gibt es auch bei uns, ja, nur kommt es da immer noch zu Freisprüchen, weil die ÖVP nicht alles kontrollieren kann.

8 1

jetzt sind die grünen wohl nicht sicher, zu wem sie halten sollen ...


Re: jetzt sind die grünen wohl nicht sicher, zu wem sie halten sollen ...

?

8 1

Re: jetzt sind die grünen wohl nicht sicher, zu wem sie halten sollen ...

Wahrscheinlich nicht zu Putin, denn nach Stalin hat es für die keine Vorbilder mehr gegeben.

Gast: Polnischer Wodka
31.07.2012 20:31
3 7

Die Repressionsmaschinerie des Kreml zieht täglich neue Leute aus dem Verkehr.

Als Konsument hat man es echt schwer Russland zu boykottieren, die produzieren keine nennenswerte qualitative Ware, hinken technisch hinterher und leben karg vom überteuerten Gasexport.

Antworten Gast: mosqua
01.08.2012 14:00
1 0

Re: Die Repressionsmaschinerie des Kreml zieht täglich neue Leute aus dem Verkehr.


hängst selber am schwachen placebo-eu-tropf und willst russland boykottieren?

herzig!


Gast: ROTFRONT
31.07.2012 20:27
2 7

Und vergessen wir bitte nie: unsere liebe Nedrebkko hat ihn unterstützt

Wieder die Geschichte, dass Kunst nichts mit Politik zu tun hat, gell!

sowas sind meistens vorwehen

von viel krasseren gschichtn, da braut sich was zusammen, jede wette. immer dasselbe, wenn ein diktator / präsident seine leute anfängt, noch knapper zu halten. siehe spanien als aktuellstes europäisches bsp oder gehen wir ein paar jahre zurück: chile, argentinien, indonesien.

wenigstens braucht sich der russe keinen kopf über gewerkschaftsführer zu machen - die sind ja in der maschinerie dann immer die nächsten, die dran glauben mussten...

 
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