26.05.2013 11:28 Merkliste 0

Bon Iver: Unersprießliches Klangchaos

02.08.2012 | 16:29 |  von Samir H. Köck (Die Presse)

Bon Iver, gefeierte US-Indie-Band, führte beim Open-Air in der Wiener Arena mit ihrem betont kunstsinnigen Ansatz in finstere Zeiten des Progressive Pop zurück. Über weite Strecken fühlte man sich beschwert.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Am Ende war das Publikum einigermaßen lädiert. Die höchst prätentiösen Arrangements, die permanent die gesamte Musikgeschichte zitieren wollten, ermatteten. Für einen vitalen Schlussapplaus reichten die Kräfte der zumeist jungen Fans dieser vor der Zeit gealterten Band nicht. Bon Iver kamen trotzdem noch einmal und machten mit „The Wolves (Act I and II)“ da weiter, wo sie mit dem langatmigen „Beth/Rest“ im regulären Set aufgehört hatten.

Es war wohl genau dieser betont kunstsinnige Ansatz, der möglichst viel Bildungsballast in jeden einzelnen Song packte, der Bon Ivers zweitem Album zu einem Grammy in der Sparte „Best Alternative Music Album“ verholfen hatte. Doch was bedeutet alternativ im Jahr 2012? Kann es wirklich sein, dass das Aufblähen von musikalischen Nichtigkeiten mit einem Gestus à la späte Pink Floyd wieder als gangbarer Weg gesehen wird?

Muss Popmusik trotz etlicher Soundrevolutionen immer wieder zu kleinbürgerlichen Werten zurückkehren? Die kunstvoll verzitterten Ergüsse des Songwriters Justin Vernon gemahnen an schlimme Zeiten. Dem schon erfahreneren Jugendlichen fallen zu solch eckigen Sounds Schreckenscombos wie Genesis, Gentle Giant und King Crimson ein, Klangkollektive, deren unbedingtes Kunstwollen Schmerzen beim Hörer einkalkulierte.

Betont kompliziertes Vergnügen

Noch schlimmer: Die Erzeugnisse solcher Bands endeten nicht selten im gymnasialen Musikunterricht. Ungeachtet all dieser Einwände schien die reichlich in der Arena anwesende bourgeoise Wiener Boheme einen veritablen Distinktionsgewinn daraus zu ziehen, dass Bon Iver ein eher komplizierteres Vergnügen sind. Mit zwei Schlagzeugern und einer Bläsersektion unter der Leitung von Colin Stetson war man angereist. Die davon erhofften Energieschübe blieben leider aus. Der Abend war geprägt von flächigen Texturen und häufigem An- und Abschwellen pathetischer Motive. Es gab Momente, in denen schönste Melodien aufblitzen, etwa in „Wash“, das sich kurz zu einer Ekstase der Traurigkeit aufbäumte. Letztendlich mündete das Schöne doch wieder nur in unersprießlichem Klangchaos.

Bon Ivers Vorstellung von Progressivität ist unerträglich antiquiert. Also konzentrierte man sich auf die Momente, in denen sie davon abließen. In ihrem einzigen wirklichen Hit „Skinny Love“ etwa, einem gelungenen Stück Falsettfolk. Auch das verschämte Liebeslied „Michicant“ und das mit hübscher elektronischer Stimmverfremdung tändelnde „Woods“ hatten Charme. Über weite Strecken fühlte man sich aber beschwert, wie der Protagonist von „Towers“, dessen Geliebte auf seinem Brustkorb turnt. Und doch flehte der Sänger: „Don't you climb down.“ So viel Schmerzenslust sollte man nicht bei allen Fans voraussetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
7 Kommentare
Gast: TomBerlin
05.08.2012 11:31
0 0

Es ist was es ist - nur EIN Kommentar

Es ist nur ein Kommentar eines offensichtlich eher der leichten Unterhaltung zugeneigten Schreibers. Nicht mehr und nicht weniger - ein Kommentar, keine Rezension, keine Kritik, nicht mal eine Analyse. Schade!

Gast: Anwesender
03.08.2012 13:21
0 0

Naja ...

... man kann natürlich auch alles zu Tode analysieren - oder einfach einen schönen Konzertabend genießen (und das haben die meisten, die an dem Abend da waren, sicherlich getan)!

Antworten Gast: Teilnehmer
06.08.2012 11:10
0 0

Re: Naja ...

kann ich so unterschreiben,

für mich ein sinnloser Artikel, der durch ein Fremdwortfeuerwerk bestechen will, die musikalische Gratwanderung zwischen Studio und Open-Air-Konzert mit mehr instrumentalem Volumen aber nicht einmal ansatzweise widerspiegelt! Für mich persönlich war der Abend voll Überraschungen und das im positiven Sinne, ein mehr als gelungener Auftritt fernab von jeder "Konzertnorm"

Gast: War dabei
03.08.2012 13:16
0 0

Naja ...

... man kann natürlich auch alles zu Tode analysieren - oder einfach einen schönen Konzertabend genießen (und das haben die meisten, die an dem Abend da waren, sicherlich getan!)!

Gast: David Brent
03.08.2012 13:00
0 0

Ungeachtet all dieser Einwände schien die reichlich in der Arena anwesende bourgeoise Wiener Boheme einen veritablen Distinktionsgewinn daraus zu ziehen, dass Bon Iver ein eher komplizierteres Vergnügen sind.

Ein wahres Monster dieser Satz.
Genau ins Schwarze getroffen. Vielen Dank dafür.

Gast: Igeißel mi...
03.08.2012 12:56
0 0

Aha ?

Wer Genesis (mit Peter Gabriel) und King Crimson als Schreckenscombos bezeichnet hat von Musik soviel Ahnung wie ein Maulwurf vom Fliegen...

Antworten Gast: Wurf
03.08.2012 15:53
0 0

Re: Aha ?

Interessant, von wo wissen Sie ob ein Maulwurf eine Ahnung vom fliegen hat und weswegen glauben Sie einen guten Musikgeschmack zu haben - zuviele uninteressante Fragen ich weiß.

Platten der Woche