Zwei Tage vor dem Urteil gegen die drei Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot haben zwei in Freiheit lebende Mitglieder den regierungskritischen Auftritt in der Moskauer Erlöserkathedrale als Erfolg gewertet. "Es entstand Pluralismus, sowohl politischer als auch religiöser", zitierte das Internetportal "afisha.ru" am Mittwoch die Frauen, die ungenannt blieben. Eine solch harsche Reaktion auf den Auftritt hätten sie aber nicht erwartet.
Protestaktionen in Russland und westlichen Hauptstädten geplant
Die Verhaftung der Sängerinnen sorge dafür, dass die Ideen von Pussy Riot weiter vordringen, teilten die Aktivistinnen "afisha.ru" mit. Pussy Riot planen weitere Protestaktionen gegen Präsident Wladimir Putin und bitten um Unterstützung. Trotz der möglichen Verurteilung der drei Musikerinnen würden die Proteste fortgesetzt, sagten die beiden Mitglieder der Band, die nicht ins Exil gehen möchten. Der Nachrichtenagentur Reuters sagten sie, "Wir müssen noch stärker werden, vielleicht auch noch dreister."
In einem Interview mit der schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter" verkündete Lena, ein auf freiem Fuß lebendes Mitglied, dass sowohl in Stockholm als auch in anderen westlichen Hauptstädten Solidaritätskundgebungen geplant sind. "Wir haben ein neues Lied einstudiert", das sie bei der Urteilsverkündung am Freitag vorstellen werden, ließ die 25-Jährige die Zeitung wissen.
"Jetzt gibt es sehr viele Pussy Riots überall auf der Welt"
Internationale Popstars machen bei ihren Konzerten auf die Situation von Pussy Riot aufmerksam. "Jetzt gibt es sehr viele Pussy Riots überall auf der Welt, Menschen die eine Sturmmaske aufziehen und uns unterstützen", sagte ein anderes Bandmitglied. "Die Idee hinter Pussy Riot ist es, dass man uns gar nicht alle einsperren kann und wir immer mehr und mehr werden."
Fünf Mitglieder von Pussy Riot protestierten in der Erlöserkathedrale mit einem "Punkgebet" gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill sowie die erneute Wahl von Wladimir Putin zum russischen Präsidenten. In einem umstrittenen Prozess stehen derzeit drei der Frauen wegen Rowdytums aus religiösem Hass vor Gericht. Die Verteidigung kündigte an, gegen jede Verurteilung Widerspruch einzulegen und bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu ziehen.
(APA/dpa/Reuters/sda)


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