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Frequency: Nicht nur Noel Gallagher musste leiden

17.08.2012 | 18:26 |  SAMIR H.KÖCK (Die Presse)

Placebo gaben schon nach einem Song auf, Wilco starben in Schönheit. Es triumphierten die Elektropopper Miike Snow und Saint Etienne und der Rapper Jan Delay.

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War es der beginnende Haarausfall auf seinem Hinterkopf? Das Interview mit einer bekanntermaßen gefährlichen Fanjournalistin? Oder deprimierte ihn das mit musikalischen Mitteln traditionell schwer in Fahrt zu bringende „Frequency“-Publikum? Nach nur einem Song rauschte der als dünnhäutig bekannte Placebo-Sänger Brian Molko wieder von der Bühne. Den brachte er immerhin erstklassig: „Kitty Litter“ war von muskulöser Anmutung und deutete mit Zeilen wie „I need a change of skin“ durchaus existenzielle Dimension an. Man gesteht ja dem Künstler gerne die Krise zu, aber die vitaleren Teile von Placebo hätten, wären sie wirklich cool gewesen, eine Instrumental-Performance liefern sollen. Einfach solidarisch mit dem tranigen Chef abzugehen war keine originelle Lösung.

So richtig glücklich wurden an diesem Abend auch andere Rocker nicht. Sie hielten dennoch durch. Etwa die hochgeschätzte Chicagoer Band Wilco, die tatsächlich so etwas wie Alternative Rock macht. Ihre Komplexität war zu viel für jene, die nur am raschen Kick interessiert waren. Die verspielten Songs, die so unterschiedliche Einflüsse wie Ornette Coleman, The Minutemen und The Band unter einen Hut bringen, verpufften beinahe wirkungslos. Dabei hat Bandleader Jeff Tweedy für seine kühnen Licks einst Gitarrenunterricht bei Richard Lloyd, einem Mitglied der New Yorker New-Wave-Legende Television, genommen! Das zu dieser Stunde schon ziemlich zugedröhnte Publikum erreichten Tweedys raffinierte Harmonien nicht mehr. Schade.

 

Das Maliziöse von Bruder Liam fehlt

Es war auch nicht der Abend des Noel Gallagher. Da mochte er sich noch so plagen, noch so viele Oasis-Songs von „Talk Tonight“ bis „Half The World Away“ intonieren, Seligkeit stellte sich erst beim Schlusssong „Don't Look Back in Anger“ ein. Als Frontman wirkt er ein wenig zu brav. Ihm fehlt das Maliziöse, das Unberechenbare, das souverän Debile, das sein Bruder Liam ausstrahlt. Das Songmaterial seines Albums „High Flying Birds“ hat Charakter, ist aber kaum zur Erregung von Festival-Ekstase brauchbar. Immerhin reflektiert es weiterhin den Schmerz einer proletarischen Jugend. Ein sehr inniger Moment glückte mit „AKA... What A Life!“, in dem er euphorisch ankündigt, selbst Tiger äußerln führen zu wollen.

Die darin enthaltene Zeile „Someday you might find your hero“ wirkt freilich ein wenig antiquiert. Heute ist jeder lieber sein eigener Held. Obsessives Fantum scheint auszusterben. Wenn heutige Fans einem Musiker schon Sonderstatus zugestehen, dann definieren sie diesen lieber über einen Makel als über seine Größe. Falls die unübersehbar wird, dann muss sich der Künstler wenigstens ausgiebig in Selbstironie üben. So ein Fall ist der Hamburger Rapper Jan Delay. Den finden, trotz seiner eklatanten Schwäche fürs eigene Ego, sogar die linientreusten FM4-Hörer bussifein. Delay führt nicht nur eine dicke Lippe, er kleidet sich auch gerne in Himmelblau und Rosarot beim geschätzten Herrn von Eden ein. Dieser Designer ist ein Philosoph mit Nadel und Zwirn, der mit ein paar flinken Stichen die ganze Abgerissenheit eines Subkulturlebens zum Verschwinden bringen kann. An diesem Abend groovte und schwofte Delay eher schlicht mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte. In seinen pointierten Rap-Songs von „Klar“ bis „Oh Jonny“ linderte er innere Gespenstereien mit viel Sinn für Schalk und kindischer Alltagsmystik. Das kam an.

Wie auch der Nachmittagsgig der britischen Punker The Cribs: magere, junge Männer, die bühnenreif rauchen und eine abgeschlossene Urschrei-Lehre vorweisen können. Diese Ramones-Wiedergänger starteten gleich mit einem gewaltigen Song namens „Come On, Be A No-One“. Was für eine erfrischende Aufforderung in Zeiten, wo das Fernsehen aus jedem Mauerblümchen einen „Star“ machen will!

 

Polonaise mit Saint Etienne

In der Welt des Pop sorgen oft jene, die es nie ganz nach oben geschafft haben, am dauerhaftesten für Freude. Etwa das gescheite Kollektiv Saint Etienne, das verführerisch über so sperrige Themen wie städtebaulichen Wahnsinn singen kann. Mit seiner Melange aus schwelgerischen Melodien und zwingenden Beats schlug es sich ganz hervorragend, schaffte es, die Zuhörer schon nachmittags zur Polonaise zu verleiten. Das war zwar die uneleganteste Art, auf die subtilen Rhythmen zu reagieren, ließ aber sogar die Band schmunzeln. Mit den schwebenden Sounds von „I've Got Your Music“ und „DJ“ verwandelten sie die grüne Wiese in eine bunt blinkende Disco. Ein Highlight der anderen Art: das von einem bestechend naiven Melodika-Solo eingeleitete „Only Love Can Break Your Heart“, das eigentlich von Neil Young stammt, von Saint Etienne aber Anfang der Neunzigerjahre für das umstrittene Genre Balearic Disco fit gemacht wurde.

 

Miike Snow: elektrisierender Gesang

Entschieden unrockig war sicher auch der eindrucksvolle Auftritt der schwedisch-amerikanischen Band Miike Snow. Zu ihrer eigenen Überraschung mussten sie, die schon erfolgreich vor Zigtausenden aufgetreten sind, mit einer eher kleinen Halle vorliebnehmen. Dort überrollten sie das Publikum richtiggehend. Ihr Sänger Andrew Wyatt, der sich schon in etlichen Bands als Instrumentalist probiert hat, u.a. bei Mark Ronson, scheint sich aber der Macht seiner Stimme noch nicht ganz bewusst zu sein, so unprätentiös geriert er sich. Sein elektrisierender Gesangsstil hält geschickt die Waage zwischen Robustheit und Sensibilität. Musikalisch platzieren sich Miike Snow geschickt zwischen delikatem Elektropop und Indiepop-Nachdenklichkeit. An diesem Abend sorgten sie mit leidenschaftlichen, fast hysterischen Songs wie „Animals“ und „Paddling Out“ für flächendeckende Ekstase. Die verträumteren Szenarien in „Bavarian # 1“ und „Silvia“ reflektierten ein verschnörkeltes Innenleben, das nur durch kühn federnde Beats erlöst werden konnte. Das Echo des Entronnenseins – selten klang es schöner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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2 Kommentare
Gast: dr macho
18.08.2012 11:19
0 1

Frequency st pölten und die titten?

wie ist das den in st pölten beim freq fest
sind da die mädels mit den großen titten
anzutreffen
oder
sind die extra von wien angereist weil in wien haltens immer die hand vor und in st pölten krachens- egal hoffe wenigstens auf tolle fotos bzw link hier im presseforum<<
weil bei der hitze bleib ich lieber cool wie gallagher,hi

Gast: pressefeuilleton
17.08.2012 21:56
3 6

samir köck

hört g'spritzte randgruppenmusik und kennt sich bei rock und gutem pop keinen deut aus, bestenfalls bei alternativen peruanischen soulblockflötenbands.

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