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Als wir Lady Gaga erschaffen hatten

19.08.2012 | 18:22 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Der US-Star baute sich eine Ritterburg in der Wiener Stadthalle, sang über Judas und "Princess Die" - und erklärte uns, was für ein seltsames Geschöpf sie ist.

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Ich bin kein Geschöpf von eurer Art, Österreicher! Ja, wir haben dieselben Hoffnungen und Träume. Denn ich bin alles, was ihr über euch selbst wisst. Ich bin, weil ihr mich geschaffen habt.“

Diese (hoffentlich halbwegs korrekt notierten) Worte richtete Stefani Joanne Angelina Germanotta vulgo Lady Gaga an das freudig erregte Wiener Publikum. Was wollte sie uns damit sagen?

„Rah, rah, ah, ah, ah; roma, roma, ma gaga, ooh la la“, so lauten die eingängigsten Zeilen des eingängigen Hits „Bad Romance“, den sie davor sang, eingeleitet durch eine kurze Predigt, in der sie u.a. „the beginning of a new race“ verkündete.

??? – !!! – ???

„Pop Art“ werde das nächste Album von Lady Gaga heißen, wird gemunkelt, das wäre wohl etwas zu plump. Denn diese Frau kann sowieso schlecht verbergen, dass sie ihre Haus- und Seminararbeiten über Popkulturtheorie, Strategien der Mediendekonstruktion, Diskurssemantik für Fortgeschrittene, Andywarhologie etc. gemacht hat. Jetzt macht sie Pop, unverschämt trivialen Pop, lässt sich ein aberwitziges, auf geschmackssichere Weise geschmacksloses Bühnentheater inszenieren, schreibt Manifeste dazu, in denen sie erklärt, warum sie und das Publikum ineinanderfließen, und ja, es geht ihr wirklich nahe, man meint, dass nicht nur in dem Zerrbild ihres Gesichts auf dem Videoschirm die Tränen tropfen. Sie spielt eine Frau, die einen Popstar spielt, der ein naives Mädchen spielt, und alle Mädchen im Publikum, die gern Frauen wären, die Popstars spielen (oder umgekehrt), fühlen mit ihr. „The men don't know, but the little girls understand“, selten haben diese Zeilen aus „Back Door Man“ von Willie Dixon so gut zu einem Popspektakel gepasst.

Erst hoch zu Ross, dann auf dem Motorrad

Was wissen die Männer nicht? Warum Lady Gaga erst auf einem Pferd und dann auf einem Motorrad reitet? Warum sie den Mann, mit dem sie soeben als Hochzeitspaar posiert hat, erschießt? Warum die riesigen Schenkel, zwischen denen sie geboren wird, Netzstrümpfe tragen? Warum bei „Americano“ (in dem es um Liebe zu einer Lateinamerikanerin geht) so viel rohes Fleisch auf der Bühne hängt? Warum bald geblutet, bald geliebt und bald gekämpft wird? Und all das auf den vielen Böden einer Ritterburg, die genau aussieht wie von Playmobil, nur mit weißen Kreuzen drauf.

Egal. Man muss nicht alles verstehen. Bei einer Castorf-Inszenierung versteht man auch nicht alles. Wenigstens ist die Dichte an religiösen Symbolen etwas geringer als beim anderen, älteren italoamerikanischen Star, der unlängst in Wien war. Und die neue Gaga-Show („Born This Way Ball“) ist kein so arger Wurstelprater wie der „Monster Ball“, den sie das letzte Mal aufgeführt hat. Dass sie überladen ist wie die Lugner-City, das gehört wohl zur Idee. Problematisch ist die Überlänge: Mehr als neun mal 15 Minuten, das ist zu viel, da werden einem die offensiv gut gelaunten Refrains schon in den Ohren sauer.

Cool ist die neue Ballade: In „Princess Die“ gibt sie ein Mädchen, das vom Boulevard-Tod einer Celebrity-Schönheit träumt, die alle weinen sehen wollen. „So bob your head for another dead blonde“, singt Lady Gaga, die bei manchen Liedern so blond ist, dass es schon nicht mehr blond ist. Das Klavier, das sie dazu spielt, ist in ein Motorrad eingebaut: So versöhnt man Höhere-Tochter-Reminiszenzen mit der Sehnsucht nach Benzinbrüdern aus dem Volk!

„I'm on the edge of glory“, hieß es endlich, und dann noch: „I'm gonna marry the night, I won't give up on my life, I'm a warrior queen, live passionately tonight.“ Da sah man Männer „Rock'n'Roll“ murmeln. Vielleicht haben sie's doch verstanden?

Lady Gaga auf Tournee

Das Wien-Konzert war der dritte EuropaTermin der „Born This Way Ball“-Tournee. Davor war sie schon in Asien und Australien, ein Konzert in Indonesien wurde abgesagt – auf Betreiben der „Islamic Defenders Front“, die kommentierte: „Gott sei Dank haben wir uns vor dieser Art des Teufels geschützt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)

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9 Kommentare
Gast: GaGa
23.08.2012 17:41
0 0

Album

Bitte recherchiert nochmal über Lady Gagas Album. Es heißt nämlich nicht "Pop Art". Unglaublich!
-.-

0 0

jede zeit ..

hat ihre Narren, Lady Gaga ist nur einer davon. Wenn man aber bedenkt, wie viel sie Kohle so macht, fragt man, wer sind die wirklichen Narren?

jedem das seine

man kann diese Frau ganz einfach ignorieren.
Obwohl ich mir mit diesem Posting gerade selbst wiederspreche :-)

Gast: Der Herzmayr
20.08.2012 08:48
1 2

Dekadentes Europa

Verdammt noch einmal, was hat dieses widerliche Gegröhle einer verrückten Person auf der Kulturseite verloren?

Antworten Gast: DUDEN
20.08.2012 10:28
2 0

Trotzdem

schreibt man "Grölen" ohne h - vielleicht auch, um die Kultur der Schriftsprache zu wahren....

Gast: Maddy
19.08.2012 23:19
3 4

Kein Wunder

Hätte mich auch gewundert wenn es einmal einen positiven Bericht über etwas gegeben hätte was nicht aus Österreich kommt und weniger als 100 Jahre, längst verstorbene Kreativität auf dem Buckel hat.. Zum Kotzen !!!

ist doch...

...völlig egal worum rs bei der Inszenierung ging - das Konzert war super, Ton und Klang 1A, und die Performance wirklich klasse, sowohl stimmlich, als auch von Körpereinsatz. Einziger Negativpunkt: 50min Wartezeit zw. Vorgruppe und Hauptact - dazwischen nix, gar nix....zu lange....

Gast: eccentricRob
19.08.2012 20:47
6 4

Sie ist einfach die Allerbeste!

Lady GaGa ist einfach eine großartige Frau- ich wünschte es würde mehrere ihrer Sorte geben!

Gast: Messalina-X
19.08.2012 19:30
4 5

die Frau heißt nicht nur GAGA,

die ist auch gaga, ich fürchte nur, daß das eine zu harmlose Bezeichnung ist

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