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George Michael: Comeback mit ganz viel Cholesterin

05.09.2012 | 18:17 |  SAMIR H.KÖCK (Die Presse)

Der Star strapazierte mit verschnulzten Balladen manche Nerven. Am Ende wurde sein Auftritt in der Wiener Stadthalle aber zum rauschenden Fest.

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Es gehört ganz schön Mut dazu, in Zeiten, in denen Coolness zu den höchsten Werten zählt, sein Glück mit fiebrigen Balladen zu versuchen. Die faszinierende Epoche der Crooner, jener Ära, als Vokalisten wie Bing Crosby und Frank Sinatra mit ganz vielen Streichern auf Tournee gingen und den Möglichkeiten der Liebe bis in die letzten Gefühlsverästelungen nachforschten, ist ja längst vorbei.

Aber der 1963 geborene britische Sänger George Michael hat 1999 mit großer Lust das entschieden altvaterische Album „Songs From The Last Century“ veröffentlicht. Darauf zelebrierte er trotzig die trauerumflorte, violintrunkene Kunst einer längst entschwundenen Epoche. Viele Jahre sollte es dauern, bis Michael seine Orchestertournee „Symphonica“ starten konnte. 2011 war es so weit und dann musste er schon im November den Erfolgslauf dieses Programms bekanntermaßen krankheitshalber in Wien unterbrechen.

 

Dialektik des Deliriums

Nun, beinah ein Jahr später, gab der Brite sein von Fans dringlich erwartetes Comeback. Das Positive? Der Mann intoniert nach wie vor so seidig wie kein anderer. Trotzdem war die Stimmung zunächst frostig. Zum einen bot die Stadthalle nicht gerade plüschiges Ambiente, war im Gegenteil steingewordener Hilferuf nach Neugestaltung. Auch die Dramaturgie des Konzerts erwies sich als schwierig. Michael, in grauem Einreiher, mit obligatorischen Sonnenbrillen, begann mit einer hintersinnigen Version von „Through“, dem 2004 auf „Patience“ veröffentlichten Abgesang auf die eigene Karriere. Mit weher Stimme sang er von der Dialektik seines Deliriums. Alles ist kaputt, trotzdem füllt er die Säle. „So hear me now, I've enough of these chains, I know they're of my making, no one else to blame for where I stand today.“ Hier wurde schon eingangs der dramatische „Es-wird-gewesen-sein“-Gestus zelebriert, wie man ihn aus Kitschromanen kennt. Er war wohl Ausdruck seiner stets als überaus zerbrechlich empfundenen Bande zum Publikum.

„But suddenly the audience is so cruel, so God, hey God, you know why I'm through“, gab er sich mit zartem Vibrato nachdenklich. Da war jubelnder Widerspruch gefordert, er kam. Überhaupt scheint der Mann einzig im Applaus zu Hause zu sein. Noch schöner als die lautstarke Akklamation könnte nur das Lesen der Nachrufe aufs eigene Leben sein. Der Andeutung des Tragischen folgte der jähe Einbruch swingender Fröhlichkeit. Nina Simones „My Baby Just Cares For Me“ schmeckt allerdings schal wie eine falsche Erinnerung.

Auch die zweite von Nina Simone bekannte Nummer „Wild Is The Wind“ konnte trotz vitaler Beats nicht überzeugen. Diese großartige Filmmusikschnulze sang Michael viel zu brav. David Bowies 1976 auf „Station To Station“ erschienene Version beeindruckte weit mehr. Auch Bowie flirtete mit dem Pathos, vergaß aber nicht auf die essenzielle Spur Wahnsinn. Viel gelungener waren Michaels eigene Lieder wie „Father Figure“ und „John And Elvis Are Dead“, Songs, bei denen es nicht bloß um das an diesem Abend oft thematisierte Liebesverhängnis geht. Neben der wachsweichen Deutung von „Roxanne“ war Rufus Wainwrights „Going To A Town“ die beste Coverversion des Abends. Der markante Refrain „I'm so tired of America“ schien Michael besonders aus dem Herzen zu sprechen. Insgesamt regierte aber zu viel intendierte Schönheit. Jede Art von Missklang wäre ein Labsal gewesen.

 

Lüstling und Asket zugleich

Als dann gegen Ende, beim eher verhaltenen „Praying For Time“ die Massen rätselhafterweise nach vorne drängten, schien sogar der Sänger ein wenig perplex zu sein. Den Standard „Feeling Good“ legte er vorsichtshalber kühner an. Bei den Zugaben ließ er endlich von seiner Schmerzverliebtheit ab und brachte mit „Amazing“, „Freedom“ und der neuen, hervorragenden Single „White Light“ vital pumpende Dancefloorhymnen. Da war er endlich wieder das, wofür ihn seine Fans lieben: Lüstling und Asket in einer Person.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)

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7 Kommentare

Ein englischer Hansi Hinternseher!


sonderklasse

ja, george michael war gut. bei weitem aber nicht sonderklasse. die spitzentöne hat er allesamt vermieden, er ging nie auch nur das kleinste risiko ein. sonderklasse bewies er auf seinem live queen-album.

Werden mir auch dereinst 300 AKH Mitarbeiter zum Dank für meine 45 Beitragsjahre jeden Wunsch von den Augen ablesen?


2 0

Re: Werden mir auch dereinst 300 AKH Mitarbeiter zum Dank für meine 45 Beitragsjahre jeden Wunsch von den Augen ablesen?

Ja sicher vor allem wenn darin die Dollarzeichen funkeln.
Wir sind doch alle gleich nur zufällig haben die Großen Ärzte nur immer dann Zeit wenn es um Prominente geht.
Oder haben sie schon einmal einen bekannten Politiker in der Ambulanz sitzen sehen ,der wartet wie das normale Fußvolk ????.
Oder einen Herzkranken der so fürsorglich behandelt wird wie Elsner!!!

Re: Werden mir auch dereinst 300 AKH Mitarbeiter zum Dank für meine 45 Beitragsjahre jeden Wunsch von den Augen ablesen?

Zumal ich das Kufsteinerlied besser singen kann als Stevie Wonder...

einer von wenigen Prominenten

die sich nicht zu schade sind die Leistungen des ärztlichen und Pflegepersonals in aller Öffentlichkeit zu rühmen.

3 10

Re: einer von wenigen Prominenten

...er konnte sich die "Behandlung" auch sicherlich leisten....

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