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Hinter dem Nebel: Die Magie der Band namens xx

11.09.2012 | 15:42 |  VON SAMIR H. KÖCK (DiePresse.com)

Mit verwunschenem Indie-Elektronik-Pop, bleiben The xx aus London auf ihrem zweiten Album, „Coexist", ihrer mondhellen Melancholie treu. In dem zweiten Opus von der Band es nicht um Aufbegehren.

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Das Zischen der Tschinellen zu Beginn des - für die Indie-Elektronik-Band The xx überraschend flotten - Songs „Chained" atmet Geschichte. Es ist aus dem Crusaders-Stück „Lilies of the Nile" gesampelt, einem Jazz-Funk-Meisterwerk aus 1974.

Natürlich hätte man dieses Geräusch auch nachspielen können, ohne die Crusaders dafür zu bezahlen, sagt Jamie Smith, Chefelektroniker von The xx. Aber man habe sich anders entschieden, weil das Original „history and meaning" hätte. Das gut vernehmbare Kratzen des abgespielten Vinyls hat man deshalb gern belassen. Ähnlich verantwortungsvoll ging Smith vor zwei Jahren in seiner zweiten Künstlerexistenz als Jamie xx mit seinen Re-Edits der letzten Songs von Gil Scott-Heron um. Er verwandelte sie in magisch tönenden Zeitlupen-Dubstep, ohne ihnen den rebellischen Spirit ihres Urhebers zu nehmen

Doch auf dem zweiten Opus von The xx geht es nicht um Aufbegehren. Nein, hier wird, wie schon auf dem Debüt, die Welt mit einer Schwermut erkundet, die trotz allen Gewichts seelische Entwicklung ermöglicht. „In my head you tell me things you've never said. And I choose to forget, I take the good and leave the rest", heißt es fast hoffnungsfroh in dem von einer minimalistischen Gitarrenfigur vorangetriebenen Song „Unfold".

Shakira hat xx-Titel interpretiert

Die Melancholie der frühen Jahre kann,wie man aus der Popgeschichte nur zu gut weiß, leicht letal ausgehen. Bei The xx muss man sich da keine Sorgen machen. Bei ihnen scheinen die lebensbejahenden und die destruktiven Kräfte so perfekt austariert wie die Indie-Pop- und Elektronikelemente in ihrer Musik. Nur selten, etwa im heftig pulsierenden „Swept Away" gibt es eine Art Gemütsaufwallung. Der introvertierte Gesang von Romy Madley Croft und Oliver Sim lebt vom Reiz der Schüchternen. Trotz der prinzipiellen Weltabgewandtheit ihrer Lieder haben manche Melodien das Zeug dazu, den Mainstream zu erreichen. Sängerin Romy bekannte zuletzt, dass sie von der Soulsängerin Sade beeinflusst sei, deren Lieder ja zuletzt elektronische Kühle atmeten. Und die stets strategisch vorgehende Shakira hat sicher nicht aus Jux und Tollerei den xx-Titel „Islands" in latinisierter Form aufgenommen.

Die mondhelle Melancholie der xx wirkt genreübergreifend, obwohl die Band strikt in den schon für das Debüt ausgeloteten Grenzen bleibt. Zum Gelingen des oft so schwierigen zweiten Albums trug auch bei, dass The xx ihre Arbeitsmethode verändert haben. Statt Ideen per E-Mail auszutauschen, komponieren sie jetzt wirklich gemeinsam. „Coexist" klingt organischer als der namenlose Erstling. Und die narrativen Stränge sind komplexer, die Lieder nicht mehr so naiv autobiografisch: Die Figuren sind oft gespalten, ihr Begehren wird von seltsamen Umständen durchkreuzt. Im verschummerten „Tides" heißt es: „You leave with the tide and I can't stop you leaving. I can see it in your eyes, some things have lost their meaning."

Zeitlupenästhetik

Zu solchen Rätseln passt die musikalische Zeitlupenästhetik ideal. Sie gibt den Songs schwebende Anmutung, zuweilen einen Sog von Verwunschenheit. Ohne Eile meditieren The xx über die wichtigen Fragen der Liebe. Über das Miteinander, nachdem der erste Gefühlsrausch verflogen ist. Über den Zauber, wenn ein Fremder die eigene Abwehrzone jäh durchbricht. „The walls I hide behind you walk through, you just walk through", singt Romy Croft in „Our Song" mit einigem Erstaunen.

So umstandslos, wie die Liebe hier ins Leben drängt, sickern die neuen Lieder von The xx ins Bewusstsein, umzingeln ihre stoischen Töne die tausend Vergeblichkeiten des Lebens, sagen mit stillem Trotz: Da lauert Sonne hinter all dem Nebel.

Die Presse, Print-Ausgabe, 12.09.2012

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1 Kommentare
Gast: Modest Mussorgski
14.09.2012 12:25
0 0

Verben machen Zeitungen schöner

wie @lazy_reviews schon erwähnte: sätze sind schöner, wenn sie auch verben bekommen. "In dem zweiten Opus von der Band ??? es nicht um Aufbegehren." -> so stehts im Lead.

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