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Waves-Vienna-Festival: Wellen nach Osten schlagen

29.09.2012 | 18:06 |  von Sabine Hottowy (Die Presse)

Das nächste Mal wird alles anders. Von 4. bis 10. Oktober schifft das Waves-Vienna-Festival aber noch einmal Musik und Erfahrung aus den Umländern ein.

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Austausch und Vernetzung, darum geht's beim Waves Vienna. Vorträge und Workshops zu Themen, die dem Musikmarkt derzeit ein Loch in die Tasche fressen, und Konzerte von bekannten oder potenziell bald bekannten Akteuren. Insgesamt gehen rund 80 Acts rund um den Donaukanal und die angrenzende Leopoldstadt vor Anker. Drei, vier Biere im Club seiner Wahl und ein, zwei promillträchtige Tänzchen zu Füßen einer polnischen Band werden dem Spaß nicht abträglich sein. Das zweigleisig angelegte Festival mit dem dicken Line-up respektive Lehrplan kündigt sich also zum zweiten Mal an, was ein guter Grund ist, um mit den Programmierern des Fests über neue Ideen zu sprechen und Fragen zu stellen wie etwa: „Was waren denn die Lehren des Debüts?“

„Die Lehren umfassen alle Bereiche. Einerseits haben wir dieses Jahr ein paar Venues weggelassen, konkret sind das die beiden Zelte im Prater, weil sie letztes Jahr nicht funktioniert haben“, beginnt Festivaldirektor Thomas Heher mit seiner Aufzählung. Die zeitliche Überschneidung mit der „Wiener Wies'n“ hatte im Vorjahr für Verwirrung im Publikum gesorgt. „Eine weitere Änderung ist, dass das Festival heuer eine Woche später stattfindet, weil wir einen größeren Abstand zum Reeperbahn-Festival gewinnen wollten. Dadurch konnten wir auch das Odeon-Theater als Location dazunehmen. Abgesehen davon beginnt die Uni und Studenten zählen zu unserem Zielpublikum.“


Ostwärts. Treu dem Motto „East meets West“ schaut man heuer gleichzeitig in zwei Richtungen: nach Polen und Frankreich, die als Gastländer das Programm befruchten. „Das ist eine Anleihe der Frankfurter Buchmesse“, verrät Heher. Und warum gerade Polen und Frankreich? Passt das? Tatjana Domany aus dem Exportbüro des Österreichischen Musikfonds dazu: „Es sind zwei große Länder mit einem attraktiven Musikmarkt. Frankreich ist das wahrscheinlich wichtigste zentraleuropäische Musikland. Polen hat sehr viel Geschichte, viel Potenzial und bedeutende musikwirtschaftliche Strukturen. Die zwei Länder können einander auf Augenhöhe begegnen.“ Im Vorfeld wurden Delegationen österreichischer Musikfirmen und Musiker nach Paris und Warschau entsandt, um Österreich als modernes Musikland zu präsentieren und die Gastländer auf ihre Präsenz in Wien vorzubereiten. „Die wichtigste Erkenntnis war wohl, dass wir einen langen Atem brauchen, wir können nicht ein Konzert in Paris machen und erwarten, dass man uns kennt“, resümiert Domany. Franz Hergovich, Projektleiter von Music Austria, gibt einen weiteren Ausblick: „Ein Schluss, den wir außerdem gezogen haben: Das Interesse der Franzosen an österreichischen Musikwirtschaftlern ist geringer, als das der Polen. Das ist mitunter ein Grund, warum wir nächstes Jahr mit Belgien und Slowenien zusammenarbeiten.“ Insgeheim zeigt die Ausrichtung des Festivals aber nur in eine Richtung: „Mit dem Waves-Festival wollen wir uns als eine Art Gateway nach Osteuropa positionieren. Es soll eine Netzwerkplattform sein. Deshalb haben wir auch sowohl im Live- als auch im Konferenzprogramm einen hohen Anteil osteuropäischer Themen“, so Heher. 2013 wird sich dieser Gedanke um einige Kilometer weiterspannen. Auch deshalb: „Wir werden nächstes Jahr das Festival auf Bratislava ausdehnen.“

Waves Festival: Attraktionen und Abschiede

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Wien–Bratislava. Das Waves soll dann zur gleichen Zeit in Wien und Bratislava stattfinden und über verschiedenste Verkehrsmittel erreichbar sein. Der Besucher kann an einem Abend zwischen den beiden Städten, zwischen zwei Festivalprogrammen wechseln. Auch neu: Es soll eine begleitende Publikation zum Festival geben, die drei- bis viermal im Jahr anlassbezogen erscheinen soll und quasi als Networking-Initiative vom Austrian Music Export ins Leben gerufen wurde. „In Österreich ist das gerade jetzt so notwendig geworden, weil durch den Umbruch in der Branche viele funktionierende Exportstrukturen und Netzwerke eingebrochen sind. Dadurch ist ein Loch entstanden“, warnt Hergovich. „Und als Band nur in Österreich zu leben, ist ökonomisch kaum möglich, wenn man es professionell machen will, daher muss eine Professionalisierung über das Ausland stattfinden“, weiß Domany. Österreicher, die derzeit übrigens gut im Ausland funktionieren, sind klingende Namen wie Elektro Guzzi, Bernhard Fleischmann oder Ginga, heißt es. „Wir arbeiten ja in relativ vielen Nischen, das macht Exportieren auch schwierig, weil man für jeden Musiker seine Nische finden soll, die weltweit funktioniert. Man muss breit kommunizieren, damit es sich wirtschaftlich rechnet“, erklärt Domany.

Informeller Austausch. Das Waves-Festival ist dazu da, diese Dinge voranzutreiben, also tagsüber bei der Konferenz neue Ideen zu Urheberrecht, Sync-Rights, Ticketing und Streaming einzuholen, etwa bei Workshops mit skandinavischen Musikexporteuren, und im Anschluss Konzerte und Partys zu genießen. „Vieles wird auf informeller Ebene ausgetauscht, beim Bier an der Bar“, so Domany. Vielleicht aber auch bei der LCD-Soundsystem-Doku „Shut Up and Play the Hits“, die am Eröffnungstag im Gartenbaukino ihre Österreich-Premiere erlebt. Oder beim Abschiedskonzert der schwedischen Headliner The Soundtrack Of Our Lives, bei Paula i Karol aus Polen, Dillon aus Deutschland oder dem Feedback-Panel am Ende der Konferenz, bei dem internationale Booker österreichische Bands bewerten.

Theorie & Praxis

Showcase Von 4. bis 7. Oktober sind u.a. Badeschiff, Flex, Fluc, Pratersauna, Clubschiff, MS Schlögen und Odeon die Bühne für neue Sterne wie Tu Fawning, Gold Panda und Dillon. Bunny Lake und The Soundtrack Of Our Lives verabschieden sich; B. Fleischmann präsentiert Neues.

Konferenz
Am 4. und 5. Oktober trifft man sich bei Vorträgen und Workshops in den Hotels Stefanie und City Central.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)

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