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Maria Neckam: „Mich kann niemand aufhalten!“

11.10.2012 | 18:04 |  Samir H. Köck (Die Presse - Schaufenster)

Sie kommt aus einer kleinen österreichischen Stadt. Nun lebt sie in New York. Kritiker bescheinigen ihr ein Talent fürs Herzenbrechen mit Musik. Demnächst tritt sie in Wien auf.

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Sie in New York lebende, österreichische Sängerin Maria Neckam debütiert im Rahmen einer Europatournee am 14. Oktober im Wiener Porgy & Bess. Gerade hat sie mit „Unison“ ihr drittes, ätherisch tönendes Album herausgebracht. Als Musikerin wandelt sie zwischen Jazz, Avantgarde-Pop und Elektronik. Das „Schaufenster“ traf sie bei einem ihrer seltenen Wien-Besuche.

Wie begann das mit der Musik und Ihnen?
Ich habe schon sehr früh Klavier gespielt und versucht, Lieder zu schreiben. Rasch malte ich mir eine Zukunft als Musikerin aus und hatte gleich gewisse Schwierigkeiten damit. So ein Beruf war irgendwie für mich nicht vorgesehen. Ich komme aus einer kleinen Stadt. Als Kompromiss wollte ich Musical an verschiedenen Schulen studieren. Daran bin ich gescheitert. Das war zunächst einmal traumatisch. Jetzt bin ich froh darüber, ich bin einfach nicht der Showtyp. Das Überzogene ist nicht mein Ding.


Wie ging es dann weiter?
Nachdem ich ein paar Jahre in Rockbands gesungen habe, begann ich, Jazz in Holland zu studieren. Nebenher habe ich immer selbst komponiert. Meine eigenen Sachen habe ich lange Zeit nur Freunden vorgespielt. Ich hatte von Beginn an eine Vorliebe für seltsame Liedformen. Obwohl ich Gitarre und Klavier spielte, habe ich doch meist als Sängerin komponiert. Dafür gibt es keine Regeln.


Sie leben seit einigen Jahren in New York. Wie kam das?
Ich wollte während meiner Studienzeit in Holland nach New York wechseln. Das haben meine Eltern verhindert. Sie haben sich gesorgt um mich, also hab ich halt zuerst meinen Master gemacht. Aber dann hielt mich nichts mehr auf. Ich kam zunächst in ein Studentenaustauschprogramm, habe aber rasch in Jazzlokalen wie der 55 Bar, dem Fat Cat und dem Smalls interessante Kollegen kennengelernt. Gefährlich ist es ja nicht mehr wirklich dort, aber es ist schon ein anderes Pflaster. Man kann doch abstürzen, wenn man seine Sinne nicht beieinander hat.


Wie und wo bekamen Sie erste Auftrittsmöglichkeiten?
Mir hat sehr geholfen, dass ich schon vor meiner Ankunft in New York ein Album aufgenommen hatte. Damit hatte ich gleich eine Referenz, etwas, das ich Clubbetreibern in die Hand drücken konnte. An der Lower Eastside haben leider einige Clubs zugesperrt, aber in Brooklyn und in Williamsburg gibt es eine Menge interessanter Musiklokale. Die Mentalität ist in New York eine andere. Man wird schnell angenommen. Meinen ersten Gig hatte ich in der Bar Next Door in Greenwich Village und in Harlem im Sounds.


Jetzt sind Sie schon ein paar Jahre im Business. Gab es auch Enttäuschungen? Was war Ihre größte Fehleinschätzung, die Musikerinnenkarriere betreffend?
Wahrscheinlich die Idee, dass Qualität und Erfolg etwas miteinander zu tun hätten. Das kann ganz schön auseinanderlaufen. Ein bisschen hab ich auch unterschätzt, dass es, wenn man ein gewisses Level erreicht hat, schwieriger wird.


Sie haben mit „Unison“ Ihr drittes Album rausgebracht. Welche Entwicklung sehen Sie?
Ich war immer ein wenig gespalten zwischen Jazz und elektronischer Musik wie Drum ’n’ Bass. Seit einiger Zeit verfolge ich wieder beides, schließlich will ich nicht nur Musik für ganz wenige Leute machen. Mein elektronisches Projekt heißt übrigens Milan, eine Platte ist kurz vor der Fertigstellung.


Was macht Sie an Ihrem neuen Album „Unison“ glücklich?
Dass es meine europäischen Wurzeln freilegt, obwohl es in einem amerikanischen Idiom gehalten ist. Es ist kammermusikartig. Wir haben es im Sear Sound Studio aufgenommen, wo auch Norah Jones mal aufgenommen hat. Mir war wichtig, dass der Klang recht warm wird.


Sie veröffentlichten „Unison“ beim renommierten Jazzlabel Sunnyside. Wie sind Sie dort untergekommen?
Meine Gesangslehrerin Luciana Souza ist auch bei diesem Label. Das hat den Kontakt erleichtert. Mir gefällt die stilistische Offenheit dieser Plattenfirma. Da passt meine Art von Musik gut hin. Ich mach ja eher Avantgarde-Pop als so richtigen Jazz.


Jedenfalls hat Ihre Musik einen schönen ätherischen Einschlag, der an Joni Mitchells Jazzphase erinnert. War Sie ein Vorbild?
Der Vergleich freut mich. Mitchell ist natürlich eine große Künstlerin, hatte aber nie direkt einen Einfluss auf mich. Ein großes Vorbild von mir ist Wayne Shorter. Der ist ein wirklich tiefer Mensch und hängt auch dem Buddhismus an wie ich.


Warum sind Alben für Künstlerinnen wie Sie unverzichtbar?
Ein Lied ist nur ein kurzer Moment, das Album erzählt die ganze Geschichte. Ich muss gestehen, dass es aber für mich als Hörerin auch nicht immer ganz leicht ist, ein ganzes Album durchzuhören. Meine Generation hat offensichtlich nicht mehr die Aufmerksamkeitsspanne dafür.


Geld will die jüngere Generation für Musik auch kaum ausgeben. Warum wohl?
Wahrscheinlich machen sich die wenigsten Gedanken, welche Auswirkungen ihr Handeln auf andere hat. Das ist ein Egoismus, der leider immer häufiger wird in unserer Gesellschaft. Es gibt zwar musikinteressierte Menschen, die sich Alben kaufen, aber die sind leider schon in der Minderheit.
Wie funktioniert Erfolg heute?
Meist über einen Hype. Der kann durchaus schwierige Musik propagieren. Die Möglichkeit der Identifikation des Hörers mit dem Album scheint mir entscheidend für seinen Erfolg.


Wie überleben Sie?
Mehr schlecht als recht. Es ist alles sehr unregelmäßig. Ich gleiche das mit Unterrichten aus und mit Studioarbeit. Ich arbeite gerne mit anderen. Man lernt viel über Musik, wenn man nicht das Zepter führt. Es ist entspannend, weil nicht aller Druck auf mir lastet. Wenn ich mit eigener Band auftrete, muss ich mir immer Sorgen machen, dass genug Leute kommen, dass ich alle Musiker ausbezahlen kann. Die Idee, selbst reich zu werden, hab ich gar nicht.

TIPP
CD und Konzert. Maria Neckam, „Unison“, Sunnyside, 14. Oktober Porgy & Bess.

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