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Steve Miller: "Die Sixties-Ideale sind verpufft!"

20.10.2012 | 18:03 |  von SAMIR h. KÖCK (Die Presse)

Rockstar Steve Miller singt jetzt den Blues. Der 69-Jährige, der mit Hits wie "Fly Like an Eagle" und "Abracadabra" weltweit die Charts gestürmt hat, gastiert am 4. November erstmals in Wien.

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Ihre größten Hits hatten Sie zu einer Zeit, als der Tonträgerverkauf noch boomte. Ein Glück. Nach 17 Jahren Pause brachten Sie 2010 das Blues-Album „Bingo“ heraus. Warum machen Sie überhaupt weiter?

Steve Miller: Mir ging es immer um das Spielen vor Publikum. Ich bin nicht in die Musik gegangen, um ein Mick Jagger zu werden. Dieses ganze Celebrity- Getue interessiert mich nicht. Ich bin Musiker und will immer noch besser werden. Bei Les Paul habe ich gesehen, was für ein schönes Leben man als Musiker bis ins hohe Alter haben kann, wenn man ein wenig bescheiden ist. Ich habe nie vergessen, dass es ein Privileg ist, mit dem, was man liebt, sein Geld zu verdienen.

Hat man sich am Blues nicht „abgehört“?

Keinesfalls. Wenn ich durch die Welt toure, merke ich, wie wenige Menschen Lieder kennen, die ich persönlich für absolute Klassiker halte. All diese Songs waren in der Zeit, in der ich aufwuchs, große Hits im Süden der USA. Heute hat es tatsächlich ein bisschen etwas Erzieherisches, wenn ich Standards wie „Can't Be Satisfied“ und „Ain't That Loving You“ in meine Rockshow einbaue.

Eine Zeit lang lebten Sie in einem VW-Bus, dann verdienten Sie Millionen. Hat Geld Ihr Leben wirklich verbessert?

Ich bin kein großer Geldausgeber, aber Geld hilft eben, das professionelle Leben zu erleichtern. Ich investierte in größere Trucks, bessere Anlagen, in gute Gehälter für meine Musiker, damit sie ihre Kinder aufs College schicken können. Aber Geld war nie meine Motivation, Musik zu machen.

Wo blieben all die idealistischen, gesellschaftspolitischen Ideen Ihrer Generation?

Die sind verpufft. Es wird wohl weitere 150 Jahre brauchen, bis wieder so eine Bewegung, wie es sie in den Sixties in San Francisco gab, entsteht. Damals herrschte der offene Geist einer Art neuen Renaissance. Am Anfang war alles von LSD angetrieben. Es ging um bewusstseinserweiternde Erfahrungen. Finanzielle Überlegungen gab es keine. Das hat sich seither leider gründlich geändert. Die Szene war idealistisch, kommunal, zuweilen von kommunistischen Ideen durchsetzt. Das interessierte die Medien in der Zeit des Kalten Krieges. Fünf Jahre lang war das alles wunderbar. Irgendwann einmal stießen zu viele Menschen zur Bewegung; damit kamen kommerzielle Interessen ins Spiel. Zunächst war das nicht so negativ, weil es die künstlerische Revolution, die Bürgerrechtsbewegung und die Pazifisten stärkte. Außerdem wurden wir plötzlich alle im Radio gespielt.

Was passierte dann?

Ehe man sich versah, war man von Geschäftemachern umgeben. Aus der Kunst und der Freiheit wurden Business und Klischee. 45 Jahre bin ich jetzt im Geschäft. Es gab Zeiten, da haben mich die Kräfte, die die Gesellschaft beherrschen, auf ein Podest gestellt. Ich erlebte aber auch Phasen, in denen man mich abdrehen wollte. Man lernt, mit den Ups und Downs umzugehen. Das Musikbusiness hat immer Gangster angezogen. Das war schon in den Fünfzigerjahren so. Dein Manager war ein Gangster, die Clubs, in denen du gespielt hast, gehörten ebenfalls Verbrechern. Die Großkonzerne haben von deren Methoden gelernt.

Einer Ihrer größten Hits war „Abracadabra“. Hat Sie der Erfolg überrascht?

Viele Menschen haben mich für dieses Lied verachtet. Sogar meine amerikanische Plattenfirma hasste mich. Ich ging nach Europa, machte Promotion dafür und rasch war „Abracadabra“ fast überall in der Welt Nummer eins. Als ich in die Staaten zurückkehrte, war es auch dort Nummer eins. Ich spiele das Lied immer noch wahnsinnig gern.

Sie behielten „Abracadabra“ aber einige Jahre in der Schublade. Warum?

Da der erste Text wirklich lausig war. Die Musik, den Groove, den liebte ich total, aber die Lyrics waren einfach nicht zu ertragen. Ich vergaß beinah auf das Lied. Dann, eines Tages, ging ich Ski fahren. Diana Ross war auf der gleichen Piste. Ich erinnerte mich an meine Gefühle, als ich sie 1965 mit den Supremes live gesehen hatte. Beim Mittagessen setzte ich mich hin, dachte an die Supremes und schrieb die Lyrics zu „Abracadabra“ in 15 Minuten.

Steckbrief

1943
Geboren in Milwaukee, Wisconsin.

1948
Gitarrenkonstrukteur Les Paul lehrt Steve Miller erste Riffs.

1957
Blues-Legende T-Bone Walker gibt Miller Unterricht.

1967
Gründung der Steve-Miller-Band, Debütalbum „Children of the Future“.

1973
Erster Nummer-eins-Hit mit „The Joker“.

1976
Welterfolg des Albums „Fly Like an Eagle“, 1981 Politsong „Macho City“.

1982
Mit „Abracadabra“ Nummer eins in Europa, Japan, USA.

2010
Comebackalbum „Bingo“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)

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3 Kommentare

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"Die Sixties-Ideale sind verpufft!"

Ein Glück. Und trotzdem haben diese Irren nachhaltig die westliche Gesellschaft beschädigt.

Re: "Die Sixties-Ideale sind verpufft!"

"irre" trifft vielmehr auf dich dummpeinlichen rechten Vollpfosten zu

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