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Ute Lemper: "Bin ich nur eine Katze, die zwei Lieder hat?"

29.10.2012 | 18:10 |  von Samir H.Köck (Die Presse)

"Sing A Song": Das ist das Motto des 17.Salzburger Jazzherbsts, bei dem auch die deutsche Chansonniere Ute Lemper auftritt. Mit der "Presse" sprach sie über Wien und New York, Marlene Dietrich und Klonmusicals.

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Sie haben am Reinhardt-Seminar studiert, später hat Ihre Karriere mit „Cats“ am Theater an der Wien begonnen. Mit welchen Gefühlen denken Sie an Wien zurück?

Ute Lemper: Ein bisschen gruselig ist mir Wien im Rückblick. Ich erinnere mich an kalte Winter 1980, 1981. Wir hatten uns zu dritt eine Bude in der Nähe des Westbahnhofs gemietet. Mit Toilette auf dem Gang. Die Stadt war schwer, die Menschen hatten ein dunkles Gemüt. Lokale gab es auch nicht viele. Wir waren gern beim Heurigen und in Jazzclubs.

 

Was hat Sie denn am Musical gereizt, das ist doch so ziemlich das artifiziellste aller Genres?

Ich bin da so reingeschlittert. Ich hatte nach dem Reinhardt-Seminar vor, Schauspielerin zu werden. Da die Leute wussten, dass ich eine Tanz- und Gesangsausbildung hatte, schickten sie mich zu den Auditions. Ich kannte damals gerade einmal „Jesus Christ Superstar“ und wusste nicht, worauf ich mich vorbereiten sollte. „Cats“ war eine der ersten Klonproduktionen, die aus London und New York nach Wien kamen. Verzweifelt suchte ich meine Rolle. Da war so wenig Text. Ich dachte: Bin ich jetzt nur eine Katze, die zwei Lieder hat und sonst nur tanzt? In dieser Produktion war ich eigentlich sehr unglücklich. Ich fühlte mich als Schauspielerin unterfordert, als Athletin überfordert. Ein Jahr lang machte ich acht Shows die Woche und zusätzlich tagsüber das Seminar.

 

Sie haben später am Broadway auch so oft gespielt. Wie geht das?

Sehr schwierig, wenn man auch noch ein Leben nebenher hat. Ich habe ja auch Kinder und Familie. Wenn du morgens aufwachst und weißt, du musst am Abend spielen, dann hast du nie einen normalen Tag. Da ist immer so ein Druck. Jeden Tag das Gleiche zu produzieren war enervierend. Auch das Singen, es war mehr ein Trällern auf Volumen hin, macht einem die Stimme kaputt.

 

Gab es in Ihrer Musicalzeit irgendeine Produktion, die Ihnen gefallen hat?

„Cabaret“ in Paris gefiel mir am besten, die Rolle der Sally Bowles hatte eine gewisse Tiefe, die Lieder waren prima. „Chicago“ am Broadway war im Vergleich dazu eher Slapstick-Stil.

 

Wie kamen Sie aufs Brecht-Weill-Repertoire?

Das war in Berlin, als ich „Peter Pan“ und „Guys & Dolls“ machte. Nach den Vorstellungen habe ich immer mit einem Pianisten im Keller geprobt: Er hat mir diese Kurt-Weill-Geschichten ans Herz gelegt. Berlin war eine wichtige Zeit für mich. Im politischen Sinne. Aufzuwachen als junge Deutsche, das war wichtig. Das geteilte Berlin hatte ja ein ganz besonderes Flair. Die Künstler waren eine große Clique. Es war eine Art Tanz auf dem Vulkan. Das hat der Kunst geholfen.

 

Was macht die Lieder von Brecht/Weill so zeitlos?

In ihnen geht es um Ausbeutung der arbeitenden Menschen, die Macht des Geldes, Frauenemanzipation, um Moral und um Gesetz. Um Momente, in denen es unmoralisch ist, sich ans Gesetz zu halten. Da sind viele idealistische, kommunistische Gedanken drin, die von humanistischer Seite her betrachtet richtig sind. Die Umsetzung dieser Ideen hat dann im Osten nicht so gut geklappt.

 

Sie haben heuer ein neues Album veröffentlicht. Was war das Konzept für „Paris Days, Berlin Nights“?

Dieses Album ist nicht so richtig voll auf meinem Mist gewachsen. Es war eine Zusammenarbeit. Das Vogler-Streichquartett wollte was mit mir machen. Wir wollten Chansons machen mit hochkomplexen Arrangements. Mithilfe des genialen Stefan Malzew gelang uns das. Wir haben dann eine Tour in den USA gemacht, die großartig war.

 

Sie leben seit langer Zeit in New York. Geht Ihnen etwas aus Europa ab?

Überhaupt nicht. Der Himmel ist hier immer blau. Es gibt keinen wochenlangen Regen. Die Stadt hat keine Normalität, und das liebe ich. Es gibt so ein schönes Nebeneinander von Menschen unterschiedlichster Herkunft hier an der Upper West Side. Kleinbürgertum gibt es hier nicht, das tut gut. Ich mag die Wahrhaftigkeit dieser Stadt. Besonders schön ist sie ja nicht.

 

Marlene Dietrich, mit der Sie oft verglichen wurden, ging ja auch in die USA. Was mögen Sie an ihr?

Die Dietrich hat sich einen tollen Mythos geschaffen. Sie ist ja nicht geflohen, wie es später oft geheißen hat. Wenn ihre Filme nicht so erfolgreich gewesen wären, wäre sie wohl in Deutschland geblieben wie Claire Waldoff oder Margo Lion, andere Schauspielerinnen aus der Weimarer Republik. Ich finde es ein bisschen traurig, dass sie nicht wie ein normaler Mensch gealtert ist. Sie hat sich hinter ihrer perfekten Fassade versteckt. Der Frauentyp, den sie in ihren Filmen verkörpert hat, war schon sehr interessant: lauter solitäre Femme-fatale-Figuren. Die Vergleiche verstehe ich, die kommen durch bestimmte Fotos, sie sind aber letzten Endes Schubladendenken. Unlieb sind sie mir aber nicht.

 

Was halten Sie von ihrer Art zu singen?

Ach, singen kann man das ja nicht nennen. Das ist doch Sprechgesang. Am Anfang war ihre Stimme piepsig, erst im Laufe der Jahre hat sie sie mit Zigaretten runtergedrückt. Das klang dann sehr erotisch, kann aber nicht mit Sängerinnen verglichen werden, die ihr Instrument wirklich beherrschten. Etwa Sarah Vaughan oder Ella Fitzgerald. Die gefallen mir viel besser als die großen Quietschsängerinnen in der Popmusik. Bei ihnen war die Seele voll an die Stimme gebunden. Das ist das Höchste.

Jazzherbst Salzburg

Ute Lemper singt am 3.11. unter dem Motto „Last Tango In Berlin“ im großen Festspielhaus. Weiters treten beim Jazzherbst (bis 4.11.) u.a. noch Paco de Lucia, Nnenna Freelon und James Blood Ulmer auf. Programminformation unter www.salzburgerjazzherbst.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2012)

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5 Kommentare
Gast: dublin14
29.10.2012 23:24
0 0

Meine Katze hat nur

zwei Lider. Zum Schließen der Augen braucht sie auch nicht mehr.

Re: Meine Katze hat nur

Wie das? Hatte das arme Tier einen Unfall?

Antworten Gast: Zenzine
30.10.2012 07:45
0 0

Re: Meine Katze hat nur

Falsch. Ihre Katze hat 3 Lider: Oberlid, Unterlid und Nickhaut. Pro Auge, versteht sich.

Gast: Wiener Sängermutti
29.10.2012 22:49
0 0

Singen

kann durch PR nicht ersetzt werden.

Antworten Gast: facepalm
30.10.2012 09:20
0 0

Re: Singen

Was für ein Blödsinn, die ganze Industrie der Populärkultur spricht gegen ihre Aussage...

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