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Sondheim: „Die Musik kommt ganz von selbst“

Sondheim
Sondheim / Bild: (c) Barbara Palffy / Volksoper 

Der Musicalschöpfer Stephen Sondheim, dessen „Sweeney Todd“ heute an der Volksoper herauskommt, erzählt über die harte Arbeit, fürs Theater zu texten.

 (Die Presse)

Stephen Sondheim zählt zu den erfolgreichsten Musicalautoren der Gegenwart. Er gewann unter anderem einen Oscar, neun Tonys, mehrere Grammys und den Pulitzerpreis. Heute hat sein Musical „Sweeny Todd“ in der Wiener Volksoper Premiere. Am Rande einer Pressekonferenz stand der mittlerweile 83-jährige Künstler Rede und Antwort.

 

Die Presse: Sie hatten schon sehr früh Kontakt zur Musicalszene. Der bekannte Musicalautor Oscar Hammerstein II war ein Freund Ihrer Familie.

Stephen Sondheim: Er war viel mehr als das. Als meine Eltern sich scheiden ließen, konnte meine Mutter wegen ihrer Arbeit nicht immer auf mich aufpassen. So war ich als Kind oft bei den Hammersteins. Oscar war väterlicher Freund und Lehrer zugleich. Seinetwegen wollte ich Musical-Autor werden.

 

Was war für Sie persönlich der größte Erfolg Ihrer Karriere?

Eindeutig „West Side Story“. Es war mein erstes Musical, das auf dem Broadway gezeigt wurde. Für einen Musical-Autor gibt es nichts Größeres.

 

Die vielen Auszeichnungen haben für Sie weniger Bedeutung?

Preise spiegeln nur die persönliche Meinung derer ab, die sie verleihen. Ich nehme sie nicht so wichtig.

 

Bei „West Side Story“ schrieben Sie die Liedtexte und Leonard Bernstein die Musik. Konnten Sie etwas von ihm lernen?

Ja. Er sagte zu mir, dass man keine Angst haben sollte, Fehler zu machen. Jeder macht Fehler. Er meinte: Wenn schon ein Fehler, dann sollte es ein großer sein. Schlecht ist es, mehrere kleine Fehler zu machen. Diese Philosophie Bernsteins begleitet seither meine gesamte Theaterkarriere.

Mozart sagte, dass die Poesie die folgsame Tochter der Musik sein sollte. Sie schreiben sowohl Songtexte als auch Musik. Würden Sie der Aussage zustimmen?

Nein. Für mich ist beides gleichberechtigt.

 

Woran arbeiten Sie lieber, an den Liedtexten oder an der Musik?

Das Texten ist sehr harte Arbeit. Man ist dabei durch die Sprache sehr eingeengt. Beim Komponieren bin ich in Wahrheit viel freier. Ich setzte mich ans Klavier, und die Musik kommt dann wunderbarerweise wie von selbst.

 

Musicals gelten als Weiterentwicklung der klassischen Operette. Sehen Sie sich in der Tradition eines Lehár oder Strauß? Oder stehen Musicals eher in der Nachfolge der Oper?

Operette, Oper oder Musical. Das sind alles nur Kategorien. Das interessiert mich eigentlich nicht. „Sweeny Todd“, der jetzt an der Volksoper herauskommt, wurde zum Beispiel schon als Oper, als Musical und als Operette bezeichnet. Das sind alles nur Etiketten, die nichts zu sagen haben.

 

Musicalproduktionen sind im Gegensatz zu Opernproduktionen einem starken kommerziellen Druck ausgesetzt. Wie kann man diesen mit einem hohen künstlerischen Anspruch in Einklang bringen?

Natürlich spürt man eine gewissen Erwartungshaltung der Investoren. Meine Arbeit beeinflusst sie aber überhaupt nicht. Ich schreibe etwas und schaue dann, ob es ein Erfolg wird oder nicht. Selbstverständlich freue ich mich über Erfolge. Nicht unbedingt des Geldes wegen, sondern weil sie dir die Möglichkeit geben, weitere Musicals zu schreiben.

 

In der Wiener Volksoper hat mit „Sweeney Todd“ heute einer Ihrer größten Erfolge Premiere, ein blutiges Musical mit viel Witz. Ist die Kombination von Horror und Humor ein Erfolgsrezept?

Humor ist für mich sehr wichtig. Ich bringe das Publikum gern zum Lachen, und die Besucher lachen auch gern. Klar.

 

Der Humor in „Sweeney Todd“ besteht großteils aus Wortwitzen. Die Volksoper führt das Werk auf Deutsch auf. Glauben Sie, funktioniert Ihr Humor auch auf Deutsch?

Das kann ich noch nicht sagen. Wenn das Publikum lacht, dann hat es funktioniert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2013)

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