Das lässigste Jazzfest ist jetzt in Salzburg

„Jazz & The City“ ist nach der Demission des Salzburger Jazzherbsts in die erste Reihe aufgerückt.

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Jazzfest – (c) EPA (JACEK TURCZYK)

Wenn selbst rundliche Menschen sich gezwungen sehen, eckige Bewegungen zu machen, dann liegt Funk in der Luft. So war's dann auch im Salzburger Republic: Altsaxofonist Maceo Parker, flotte 70 Jahre alt, zeigte bei „Jazz & The City“, dass er die Skalen des Hard Bop beherrscht, bald mündeten die Stakkatos aber ausschließlich in giftige Grooves. Ob „Papa's Got a Brand New Bag“ oder „Gimme Some More“: Parker hält an dem druckvollen Sound fest, der in den frühen Siebzigerjahren das Nonplusultra war.

Im kulturell eher konservativen Salzburg wirkt solch ein patiniertes Genre immer noch wie eine Frischzellenkur. Der heuer abgesagte Salzburger Jazzherbst hatte ja zuletzt versäumt, Angebote an jüngere Publikumsschichten zu machen. Gerhard Eder, Impresario von Jazz & The City, bespielt seit einigen Jahren jeden Herbst fünf Tage lang die ganze Stadt. In Salzburg kann sich dieser Connaisseur virtuoser in Szene setzen als einst beim Jazzfestival Saalfelden. Mit Liebe zum Detail verteilt er die Musiker an mehr oder weniger ungewöhnliche Orte. Den Italo-Poeten Gianmaria Testa und seinen genialen Klarinettisten Gabriele Mirabassi platzierte er in die Kavernen, sanft geformte Höhlen im Fels des Mönchsbergs. Tiefer in der Nacht verwandelte die laszive Pop-Chansonnière Monica Reyes den Feinschmeckertempel M32 in einen mondänen Nachtclub. In ihrem Programm „Schmusen“ kündete sie mit rauchiger Stimme von hormonell bedingten Verirrungen.

 

Carla Bley: Introvertierter denn je

Erstaunlich kuschelig war auch der Anschlag von Carla Bley: Es schien, als läge ihr mehr am kunstvollen Verklingen der Töne denn je zuvor. Womöglich ist diese neue, introvertiertere Musizierart von ECM-Mastermind Manfred Eicher inspiriert, auf dessen Label sie eben ihr famoses Album „Trios“ herausgebracht hat.

Gewohnt wild gab sich Erika Stucky, mit Exmusikern der Pogues und der Tindersticks hing sie dunklen Visionen nach. In der Helle des Tages musizierten dagegen „Mandys Mischpoche“. Mutig warfen sie Hermann Leopoldis „Schön ist so ein Ringelspiel“ im 7/8-Takt an, wechselten rasant zwischen Musette, Flamenco und jiddischem Liedgut. Entdeckung des Festivals war die obskure Norwegerin Susanna Wallumrod: Ihre düsteren Gesänge muteten wie eine seltsame Art von Gottesschau an; ihr Begehren zielte eindeutig über diese Welt hinaus. Fazit: In seiner Vielgestaltigkeit ist Jazz & The City das derzeit lässigste Jazzfestival Österreichs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2013)

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