Beim ersten regulären Solo-Österreich-Auftritt der Smashing Pumpkins nach der Wiedervereinigung war gestern, Donnerstag, die Wiener Stadthalle um einige Nummern zu groß für die Besucherzahl. Doch Corgan hat mit zweieinhalb Stunden unverwechselbarer Show, mehr als zwei Dutzend Songs und der (willkommenen) Missachtung von heutigen Standard-Konzertklischees eines klar gemacht: Seine Pumpkins sind auch heute noch eine Ausnahmeerscheinung.
Und damit ist nicht jener silberne Rock gemeint, in dem Corgan auf die Bühne kam, im Schlepptau jene Musiker, die nun (da fast keine Originalmitglieder mehr dabei sind) als Smashing Pumpkins-Darsteller hinter dem Mastermind auftreten dürfen. Sondern jene trotz der Härte sehr filigrane Musik, die so ist wie Corgans kehlig-gepresster Gesang: zögerlich, hart und intelligent zugleich.
Das Grand Final
Eine Dosis Sperrigkeit gehörte ja seit jeher zur Band, und auch gestern wurde nicht nur im Klang das Publikum gefordert: Corgans Truppe absolvierte früh Hitnummern wie "Tonight, Tonight" und einschmeichelnde Akustikgitarren-Einschübe, um dann später zu einer Lichtshow immer mehr ins musikalisch Abstruse abzudriften: Lange, amorphe Improvisations-Eskapaden in 70er-Jahre-Rock, psychedelische Klangexperimente und, zuletzt, eine mit den Zähnen gespielte, beklemmend traurige US-Bundeshymne (bei "United States") können sowohl das heutige Emo-Kind als auch seine Ex-Gruftie-Mama im Publikum gehörig aus dem Hüpfen und ins Staunen bringen. Und gleichzeitig jene euphorisch machen, die von einem Rockkonzert mehr wollen als müde Wadeln und blaue Flecken. Rumstehen? Zuhören? Mitdenken? Das gibt's bei Rockkonzerten? Bei den Smashing Pumpkins gibt es das.
Alles Walzer in der Stadthalle
Nach dem ersten Österreich-Gig beim Nova Rock-Festival im Vorjahr war das nunmehr erste vollständige Konzert der Pumpkins ganz großes Theater - ein Rock-Ball am Tage des Opernballs. Das Society-Event dürfte sich zu Corgan herumgesprochen haben: "Wir gehen jetzt zurück ins Hotelzimmer und hören uns ein bisschen Strauß an", so Corgan vor dem letzten Song, im Hintergrund eine Walzer-Parodie am Schlagzeug. Und dann, nach 23 Uhr und der pathetischen Versicherung, dass die Pumpkins sich nicht wieder trennen werden, das Finish mit "Cherub Rock".
(APA/Red)