Wie Bob Dylan den Refrain von „Like A Rolling Stone“ suchte

Sotheby's versteigert im Juni das Manuskript für den großen Song.

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(c) EPA

Bei einer Auktion unter dem Titel „Die Geschichte des Rock 'n' Roll von Presley bis Punk“ wird das Auktionshaus Sotheby's Ende Juni sechs Manuskriptseiten von Bob Dylan versteigern. Sie enthalten die Texte von „Like A Rolling Stone“ (1965) und „A Hard Rain's A-Gonna Fall“ (1962). Sotheby's rechnet mit einem Erlös von bis zu zwei Millionen Dollar.

Diese dürre Meldung las man gestern in etlichen Medien. Doch die Manuskripte, die ein Kalifornier, der anonym bleiben will, verkaufen will, und die die „New York Times“ auf ihrer Homepage zeigt (leider in schlechter Auflösung), enthalten Interessantes. So suchte Dylan zunächst einen Reim für die (in der Endversion allein stehende) Zeile „How does it feel?“, er schrieb u.a. die Varianten „It feels real“, „Shut up and deal“, und „Get down and deal“ auf das Briefpapier des Roger Smith Hotels in Washington. Und für „Stone“ probierte er die Reime „Bone“ und „Al Capone“ aus. Der zwischen Hohn und Sympathie changierende Refrain, der heute so logisch klingt, fiel Dylan offenbar gar nicht leicht. Auch in den Strophen verwarf er manchen nicht so gelungenen Reim, „Step on rocks, you're crazy like a fox“.

 

Jeremia-Zitat für „Hard Rain“

„A Hard Rain's A-Gonna Fall“, dieser an ein schottisches Volkslied angelehnte Bericht aus einer aus den Fugen geratenen Welt findet sich auf dem Manuskript fast in der Endfassung, aber auch mit vielen Randnotizen. Und einem Bibelzitat (in einer ungewöhnlichen Übersetzung)rechts oben: „Before I formed you in the womb, I knew and approved of you“, das sagt im Buch Jeremia (1,5) Gott zum Propheten, als er ihn beruft. Identifizierte sich Dylan in seiner Protestsong-Periode mit dem großen Warner Jeremia?

Neben der zweiten Strophe („What did you see, my blue-eyed son?“) stehen die Worte „Diamond desert“; weiter unten, vor der fünften Strophe, liest man „Hiroshima, Nagasaki“, diese Assoziation liegt nahe, beschreibt Dylan doch eine verwüstete Welt. Nicht direkt mit „Hard Rain“ zu tun hat wohl die Notiz „Baez – Railroad Boy“, diesen Traditional Song sollte er 13 Jahre später mit Joan Baez bei Konzerten singen. Unten auf der zweiten Seite finden sich noch etliche Notizen, z.B. „Solitary eye of fire“, das ist eine Formulierung aus Edgar Allan Poes „The Black Cat“, und die Rechnung „4✕3✕224“. Einiges Material für die Dylanologie also... (ag./tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2014)

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