Was Bob Dylan in Wien nicht spielen wird

Derzeit hat der alte Meister eine ungewöhnlich konstante Setlist. So kann man ohne viel Risiko prophezeien, welche Perlen aus seinem Repertoire bei seinen Österreich-Konzerten fehlen werden.

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(c) EPA (DOMENECH CASTELLO)

Am Samstag tritt Bob Dylan in der Wiener Stadthalle, am Sonntag auf Burg Clam (Oberösterreich) auf. Es gibt vor beide Konzerte noch Karten. Derzeit spielt Dylan im Gegensatz zu früheren Konzerten seiner "Never Ending Tour" eine ziemlich konstante Setlist - mit Ausreißern, etwa zuletzt in Athen. Überraschungen sind also möglich. Sollte er allerdings einen von folgenden elf Songs spielen, wäre das eine Sensation.

Sad-Eyed Lady Of The Lowlands

Dieses über elf Minuten lange Epos im Walzertakt über eine Frau, die die ganze Welt bedeutet, war der letzte Track auf "Blonde On Blonde" (1966) - und ist für viele der beste Song Bob Dylans überhaupt. Doch Dylan hat ihn noch nie live gespielt.

Temporary Like Achilles

Ein zweiter, nicht ganz so bedeutender Song aus "Blonde On Blonde", den Dylan noch nie live gespielt hat.

Sara

Der Song, in dem Dylan erklärt, für wen er "Sad-Eyed Lady Of The Lowlands" geschrieben hat: für seine Frau Sara. Die Beziehung zu ihr zerbrach damals (1975). Vermutlich deshalb hat Dylan diesen sehr persönlichen Song seit 1976 nicht mehr live gespielt.

 

One More Cup Coffee

Noch ein ungewöhnliches Liebeslied und vielleicht der schönste Song auf "Desire". Auf der Bühne bringt Dylan ihn selten, zu selten.

Changing Of The Guards

Ein rätselhafter Song, in dem u.a. Jupiter, Apollo und König und Königin der Schwerter vorkommen. Irgendwie klingt er nach Aufbruch, und so hören Dylan-Fans ihn gern zu Neujahr. Ist auf "Street Legal" im Jahr 1978 erschienen, seit damals hat Dylan ihn nicht mehr live gespielt.

 

 

Subterrean Homesick Blues

Vermutlich der Dylan-Song, aus dem - neben "It's Allright, Ma" - am meisten zitiert wird, u.a. die Zeile "Don't follow leaders, watch the parking meters". Im Original (1965) rasend schnell. Vielleicht spielt ihn Dylan deshalb selten live.

 

John Wesley Harding

Das Titelstück eines wichtigen Albums aus dem Jahr 1968. Handelt über einen Westernhelden, der als vorbildlicher Gerechter geschildert wird ("He never made a foolish move"). Noch nie live.

Father Of Night

Ein Gebet, von Dylan auf "New Morning" (1970) nur schnell heruntergehudelt und noch nie live gesungen. Es war Manfred Mann, der daraus eine (fast zu kitschige) Hymne machte.

Went To See The Gypsy

Ebenfalls aus dem unterschätzten Album "New Morning", ebenfalls noch nie live gespielt. Handelt laut manchen Interpreten von einer (enttäuschenden) Begegnung mit Elvis Presley.

George Jackson

Ein nur auf Single erschienener, noch nie live gesungener Song aus dem Jahr 1972, der in der Tradition der "topic songs" steht. Handelt von einem Black-Panther-Aktivisten, der beim Versuch, aus dem Gefängnis zu fliehen, erschossen wurde. Enthält die schönen Zeilen: "Sometimes I think this whole world is one big prison yard, some of us are prisoners, the rest of us are guards."

Tempest

Das 15-minütige Titellied von Dylans jüngstem Album "Tempest", in dem Dylan die Titanic ausführlich und bilderreich untergehen lässt. Noch nie live zu hören.

DIE WAHRSCHEINLICHSTE SETLIST:

Things Have Changed (2000)

She Belongs To Me (1965)

Beyond Here Lies Nothin' (2009)

What Good Am I? (1989)

Waiting For You (2002)

Duquesne Whistle (2012)

Pay In Blood (2012)

Tangled Up In Blue (1975)

Love Sick (1997)

High Water (For Charley Patton) (2001)

Simple Twist Of Fate (1975)

Early Roman Kings (2012)

Forgetful Heart (2009)

Spirit On The Water (2006)

Scarlet Town (2012)

Soon After Midnight (2012)

Long And Wasted Years (2012)

All Along The Watchtower (1968)

Blowin' In The Wind (1963)

 

 

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