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Madonna: Mutter des Pop

14.08.2008 | 13:31 |  Von Christina Böck, Sabine Hottowy (Die Presse - Schaufenster)

Sie musste erst 50 werden, um auch einmal nach Wien zu kommen: Zum Jubeltag von Madonna ist es zeit, bei jungen österreichischen Popmusikerinnen nachzufragen, was sie so von der Popveteranin halten.

Who’s that Girl?“ – „Wer ist diese Frau“, mag sich so mancher gedacht haben, als er des neuen Albums von Madonna ansichtig wurde. Auf dem Cover von „Hard Candy“ sieht die Popikone nämlich aus wie ihre eigene Wachsfigur. Und zwar nach der Verjüngungskur im Laboratorium Frankenstein. Sollte Madonna das etwa ironisch gemeint haben? Als Kommentar auf das Pop-Geschäft? Unwahrscheinlich für eine Frau, deren Oberarme Spitzensportler erblassen lassen. Ihr Jugend- und Fitnesswahn beschäftigt die Medien immer. Aber derzeit besonders. Feiert die „Zentralgottheit des Pop“ doch am 16. August ihren 50. Geburtstag. Und das tut sie in wirklich ausgezeichneter Form. Das sieht man nicht zuletzt im aktuellen Video „4 Minutes“, in dem sie den Lieblingstoyboy des US-Pop, Justin Timberlake, frech (und im fleischfarbenen Korsagen-Spielhoserl) zum Schwitzen bringt.

Die Popmusik allein reicht der „Queen of Pop“ allerdings schon lange nicht mehr. Vor kurzem hat sie ihren Dokumentarfilm über Waisen in Malawi präsentiert. Sie schreibt Kinderbücher und für „H&M“ hat sie letztes Jahr eine Kollektion entworfen. Vorbereitungen, um sich aufs Altenteil zurückzuziehen? Wohl kaum. In den nächsten zehn Jahren sollen noch drei Alben entstehen und vier Tourneen stattfinden. Apropos Tournee: Am 23. September wird Madonna erstmals nach Wien kommen. Grund genug, einige österreichische Popkünstlerinnen zu fragen, was ihnen Madonna eigentlich so bedeutet. International ist man da ja mitunter eher forsch. Amy Winehouse etwa hat gesagt: „Madonna ist eine alte Lady. Sie sollte sich eine nette Band suchen, sich davorstellen und einfach nur singen.“ Österreichische Chartstürmer drücken sich zumindest höflich aus: Pater Karl von den Heiligenkreuzer Zisterzienser-Mönchen, die mit ihren gregorianischen Chorälen einen Überraschungserfolg gelandet hatten, sagte letztens in einem Interview: „Madonna ist hübsch, für eine Popsängerin aber schon alt.“


1. Wie wichtig ist Madonna für Frauen in der heutigen
Popmusik? Und wie wichtig ist sie für Sie persönlich?

2. Welche Madonna (Ballonrock-Göre, Stanitzel-Bustier, Kabbala-Mystikerin, Evita, etc...) hat Ihnen am besten gefallen, welche fanden Sie nur lächerlich?

3. Wenn Sie Madonna wären, wann würden Sie in Pension gehen?

4. Jetzt, da die Ikonen Madonna, Prince und Michael Jackson 50 werden, ist Zeit für eine Bestandsaufnahme: Sind die Zeiten solcher Superstars
einfach vorbei?

5. Welchen Madonna-Song würden Sie gerne covern?



Vera Vera. Ja genau, Starmania. Aus dieser nicht gerade rasend viel Coolness verheißenden ORF-Talenteshow kennt man Vera Böhnisch. Sie macht das Beste draus: Mit 21 Jahren veröffentlicht sie im Herbst bereits ihr drittes Album, „Introducing L’Enfant Terrible“. Die dazugehörige Single „Dear Ladies“ läuft im Formatradio in der Powerrotation.

1. Madonna ist äußerst wichtig in der Popmusikgeschichte. Sie hat unglaublich viele Trends gesetzt und ist sehr wandelbar. Bis zum heutigen Tag erfindet sie sich immer wieder neu und ist immer noch einer der größten Popstars überhaupt.

2. Das Stanitzel-Bustier ist einfach legendär und wird für immer unvergesslich bleiben.
Mit ihren neuen Songs wie „Hung Up“ oder „4 Minutes“ gefällt sie mir recht gut, weil sie einfach topproduziert sind. Als Schauspielerin finde ich sie eher weniger überzeugend.

3. Wann auch immer ich Lust dazu verspüre.

4. Ich denke, gerade im Moment ist ein starker Wandel in der Musikindustrie zu beobachten, und nach Jahren der Schnelllebigkeit ist wieder Platz für Neues, Großes, Starkes und Beständiges, zum Beispiel Amy Winehouse.

5. „Vogue“ vielleicht. Der Song ist einfach herrlich überkandidelt und wild.

Valerie Valerie. Erst nur die Stimme des Elektro-Chanson-Projekts „Saint Privat“, hat sich Valerie Sajdik im letzten Jahr ganz schön selbstständig gemacht – Omnipräsenz in den Medien inklusive. Mit der CD „Picknick“ ging sie kommerzielle Wege, mit ihrem monatlichen „Salon“ bietet sie weniger bekannten Kollegen ein Forum.

1. Was für eine Frage? Sie ist nicht wegzudenken, die Gute. Sie steht für Freiheit, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und gute Popmusik.
Ich war schon mit fünf Jahren Fan und konnte bis zum Album „Like a prayer“ alle ihre Songs auswendig.

2. Am besten gefiel sie mir pummelig, mit 80er-Frisur und Kruzifix, rotzfrech, und am „True Blue“-Cover.

3. Ich wäre nach dem Album „American Life“ in Pension gegangen und würde nur noch kleine, exklusive Clubgigs machen mit meiner Zigeunerband. Trotzdem schau ich mir ihr Konzert in Wien an und werde wahrscheinlich ausflippen.

4. Es ist die Zeit der „Nischenstars“ angebrochen. Da wird schon die eine oder andere Ikone dabei sein ...

5. Ich habe gerade vor kurzem bei meinem Chansonabend „Material Girl“ auf Deutsch gecovert. „Ah!, ah!“...

 

Mika Mika Vember. Auf dem Cover ihrer Debüt-Platte „Now Or Now“ stiefelt sie uns mit gel-ben Gummistiefeln entgegen. Woher kennt man sie bloß? Als Trommlerin und Zweitstimme der Amadeus-prämierten Band Clara Luzia. In ihrem Singer/Songwriter-Soloprojekt besingt sie jetzt ihre eigene Biografie.

1. Ich weiß nicht, inwiefern Künstlerinnen und Künstler von Madonnas Musik beeinflusst wurden, aber was die spielerische Konstruktion von Identitäten angeht: Da hat sie ziemlich viel vorgelegt. Und wie weit man mit gutem Marketing kommt – das hat sie auch gezeigt. Dass wir aber noch immer zwischen männlicher und weiblicher (Pop-)Musik unterscheiden müssen – das zeigt, dass sie sich vielleicht ein bisschen zu früh auf ihrem Popthron ausruhen gegangen ist.

2. Danke, jetzt weiß ich, wie diese Dinger heißen – „umgedrehte Nudelsiebe“ klingt bei weitem nicht so elegant! „Stanitzel-Bustier“ also – ja, das war aufregend. Das Hübsche an der Sache ist aber in jedem Fall, dass Madonna diese verschiedenen Identitäten kreiert hat. Wichtig wird sie für mich sein, wenn ich mich einmal entschließen sollte, Küchenutensilien in meine Garderobe zu integrieren – dann werde ich wissen, dass mit der richtigen „Attitude“ alles cool sein kann!

3. Wenn ich Madonna wäre, wären das schlechte Nachrichten für sie – dann hätte sie jetzt schon ein kleines Bierbäuchlein und würde zufrieden das Leben auf einem Bauernhof genießen. So finde ich aber, wenn sie mal nicht mehr selber auf die Bühne flick-flacken kann, dann sollte sie ein wenig zurückschalten, aber das wird noch dauern.

4. Für mich persönlich fallen mir auf die Schnelle zwei Leute ein: Antony Hegarty und Beth Ditto (Sängerin von „The Gossip“) – die sind beide sowas von notwendig und beide hätten sie das Zeug zu Ikonen, und für viele Menschen sind sie es wohl schon.

5. „Justify my love“ und „Papa don’t preach“. Die älteren Sachen, die waren schon fesch!


Coshiva Coshiva. Daniela Wimmer macht gern alles allein. Nach fünf Jahren hat sie sich dieses Jahr mit einem zweiten Album zurückgemeldet. Für „Butterfly“ hat Coshiva nicht nur die Singer/Songwriterei übernommen, sie hat es auch selbst produziert, übernahm Labelarbeit und Management. Am 22. August spielt sie auf der Summerstage in Wien.

1. Madonna ist definitiv eine Popikone des 21. Jahrhunderts und mit Sicherheit Vorbild vieler Künstlerinnen. Sie schafft es, über Jahrzehnte hinweg in den Medien präsent zu sein. Sie ist eine starke Galionsfigur der Frauenwelt ohne Scheu vor Provokation oder neuen Wegen.
Als Zwölfjährige verliebte ich mich in ihre Platte „Like a Prayer“. Ihr 80er-Look hat mich allerdings nie angesprochen. Heute schätze ich ihre Arbeit als Businesswoman. Madonna nimmt Dinge selbst in die Hand und hat stets Kontrolle über ihre Vermarktung. Das erinnert mich an meine Arbeitsweise. Ich habe erstmals die gesamte CD-Produktion des aktuellen Albums „Butterfly“ selber in die Hände genommen und mir meine Arbeitspartner selbst ausgesucht. Wenn ich Entscheidungen zu treffen habe, frage ich mich deshalb manchmal, „Wie würde Madonna in meiner Situation handeln...“

2. Mir gefiel die „Ray of Light“- und „Music“- Madonna. Hierin fand ich eine gereifte, zufriedene Frau, die neben ihrer Musik auch Raum für Spirituelles findet. Ihre schauspielerischen Leistungen konnten mich nie überzeugen.

3. Madonna hat alles erreicht, was man sich als Musiker nur erträumen kann. An ihrer Position würde ich solch manische Arbeit und unaufhörbaren Output dem Weltfrieden widmen!

4. Superstars wird es immer geben ...

5. Bis jetzt habe ich noch nie Madonna-Songs gecovert. Spontan fällt mir der Song „Substitute for Love“ ein.


Mieze Medusa Mieze Medusa. „Rap dich weg!“ Doris Mitterbacher aka Mieze Medusa ist Hiphop-Aktivistin und Slam-Poetin, bald auch Romanautorin: Im September debütiert die gebürtige Oberösterreicherin mit „Freischnorcheln“. Am 7.9. spielt sie gemeinsam mit ihren Kollegen Tenderboy und DJ Smi am Donauinselfest.

1. Ganz arg wichtig ist die Queen of Pop für mich nicht gewesen. Vielleicht, weil Ikonenpop mein Referenzuniversum nie dominiert hat. Perfektes Make-up und Accessoires der Artists musste nicht sein, Zuckerguss war streng verboten. Und dann kam Hiphop und was hätte Madonna da für mich tun können? Meine erste Madonnaplatte hab ich vor einem halben Jahr auf einem Flohmarkt zwischen einem Donaulandhörspiel und einer Operette herausgefischt. Mich freut, dass in ihren Songs immer wieder auf eine gewisse Art über Sex geredet wurde, und das an der Spitze der Charts.

2. Madonnas Wandlungsfähigkeit ist mir gar nicht so aufgefallen. Die Stanitzel-Bustiers ... lachs und schwarz find ich als Farbkombination nicht besonders prickelnd. Auf jedem Foto glaubte man, etwas über ihre Persönlichkeit erspüren zu können, in jeder Reinkarnation. Darin ist sie unerreicht, ich nehme an, das macht sie zur Ikone.

3. Für Madonna ist das kein Problem. Schwer vorstellbar, dass ihr Thron in ihrem Imperium wackelt. Deshalb wird auch nur sie entscheiden, ob und wann sie in Pension geht. Lustig trotzdem, dass beim Video mit Justin Timberlake erstmals die hochtrainierte Leichtigkeit fehlt. Das „TikTak“ im Refrain ist etwas unglücklich gewählt.

4. Gibt’s momentan noch Ikonen in the making? Klar: Eminem, die Netrebko und Klingeltoncartoons. Doch eigentlich haben die Produzenten momentan die Nase vorn.

5. „Human Nature“. Understatement-Refrain, Geflüstergesang und „Express yourself, don’t repress yourself“ als Mantra – da kann man sich mit mir schon auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Aber covern? Nein.


Madita Madita. Als Österreicherin weit oben in den internationalen iTunes-Charts (Nummer drei in den USA, Platz eins in den UK-Charts) – das heißt schon etwas. Madita (das ist Edita Malovcic, die mancher vielleicht noch aus Barbara Alberts Film „Nordrand“ kennt) hat – zusammen mit Arbeits- und Lebensgefährten Vlado Dzihan (ja, der von Dzihan & Kamien) – geschafft, was nicht vielen gelingt: Ihre eingängige Melange aus Elektro, Jazz und Pop wird auf Ö3 gespielt und deswegen vom Alternativradio FM4 trotzdem nicht verachtet. Das aktuelle Album heißt „Too“.

1. Sie hat die Popwelt emanzipiert. Der Weg mag nicht jedermanns Sache sein, aber sie verdient Respekt für die Perfektionierung der ständigen Selbsterfindung und Weiterentwicklung.

2. Am besten hat mir die „Ray of Light“-Madonna gefallen. Mit diesem Album hat sie sich bei mir auch als Künstlerin eingebrannt. Am wenigsten sprechen mich die neueren Sachen an.

3. Mit dieser Fitness und dem Ehrgeiz, den diese Frau besitzt, wahrscheinlich mit 92.

4. Das Angebot hat natürlich wie die Autos mit der Zeit zugenommen, und das enorm. Es hat sich dadurch eine Vielfalt entwickelt, die sich unter den Musikliebhabern schön aufteilt. In all diesen Nischen gibt es solche Superstars, die aber nicht mehr oder sehr selten an die Verkaufszahlen von damals in den Dimensionen von Michael Jackson und Co. herankommen. Ikonen gibt es noch, aber das Geld dafür nicht mehr. Ich weiß gar nicht, ob ich mich da auf einen bestimmten Künstler festlegen möchte. Das ist eine Tatsache, die alle betrifft.

5. Eher etwas aus den ganz frühen Zeiten.


Anja Plaschg Soap&Skin. Anja Plaschg, 18 Jahre, klassisch ausgebildet. Spärlich, aber bewegend waren die Stücke, die man bisher auf Myspace von ihr hören konnte. Das virtuose Spiel am Klavier, der Geige, das digitale Gesurre, ihre verfremdete Stimme, zusammen ergeben diese Bausteine ein ungewöhnliches Gefühlsgerüst. Denn die Fee in Schwarz spielt ätherische Lieder vom Tod und hinterlässt dabei wohlige Verzweiflung. Exzentrisch beantwortet sie aber nicht alle Fragen, sagt, was sie zu sagen hat, und konzentriert sich dann gleich wieder auf ihr eigenes Ding. Das Ding ist ihre Debütplatte, am 26. September soll sie erscheinen.

1. Madonna ist die Mutter Gottes des kommerziellen Pop. Vergleichbar mit den Varianten am anderen Ufer: Wie David Bowie oder auch Björk war Madonna auf ihrem Thron das Chamäleon der Popgeschichte. Eben unschlagbar, unersetzlich und unwiderruflich. Hat sie mutwillig dem Symbol „Madonna“, Jungfrau Maria, Ikone des Katholizismus, eine Möse verpasst, finde ich es jedoch gerade in dieser Rolle anödend, dass sie es nicht wagt, sich alternd zu zeigen.


(c) Diana Lueger Zweitfrau. Das ist Diana Lueger, und das wiederum ist die Frau, die man gern zu ihrer Freundschaft mit Balladensänger James Blunt befragt. Außerdem macht Lueger mitsamt Band breitenwirksamen Deutsch-Rock-Pop in Richtung Juli und Silbermond. Das Cover der Single „Dicke Weiber und Roulette“ könnte von Madonna beeinflusst sein: Da lässt sich Lueger Schlagobers auf den nackten Oberkörper reiben.

1. Madonna ist einfach einer der größten Stars der Jetzt-Zeit. Sie ist eine Ikone, wahnsinnig vielseitig und versteht es, immer mit den richtigen Leuten zusammenzuarbeiten. Ihre Shows sind von Perfektion geprägt, nicht zuletzt, da sie ein unglaublich gutes Team engagiert. Das verbindet mich auch ungemein mit ihr. Ich bin sehr strebsam – schon immer gewesen – und habe großen Spaß daran, unserer Musik auch den richtigen optischen Look zu verpassen. Da kommt das Team ins Spiel: Superplus zeichnen für unsere gesamte Corporate Identity. Sie sind genial.

2. Ich persönlich finde, bei „Ray of Light“ war Madonna am Höhepunkt. Musikalisch wie optisch. Ihr damaliger Producer William Orbit ist seither ja auch kein Unbekannter mehr.

3. Never.

4. Die gesamte Musikindustrie hat sich total verändert, aber es gibt immer herausragende Persönlichkeiten, die durch ihre Einzigartigkeit und ihr Talent hervorstechen und damit anderen überlegen sind. Abgesehen von Zweitfrau wären das Daft Punk, Beth Dito oder Justin Timberlake.

5. Wenn, dann „Frozen“ .

TIPP
Madonna Sticky & Sweet Tour in Wien Donauinsel, am 23.9.


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