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Schöne Hülle: Schallplattencovers

14.11.2008 | 11:47 |  Von Samir H. Köck (Die Presse - Schaufenster)

Besonders der Jazz hat das Design von Schallplattencovers revolutioniert. Ein neues Buch zeigt anhand einer luxuriösen AlbenSammlung, wie einfache Schutzhüllen Klassiker des Grafikdesigns wurden.

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Da ist es nun, das erste labelübergreifende Coverbuch der Jazzgeschichte. Herausgegeben vom portugiesischen Aficionado Joaquim Paulo, seines Zeichens Berater von Plattenfirmen, Leiter diverser Radiosender, vor allem aber närrischer Sammler, der durch die Welt jettet, um rares Vinyl zu bergen und in seine 25.000 Stück große Sammlung einzugliedern. Wozu ein Coverbuch? Wenn man sich ein Album kauft, ersteht man ja das Cover mit. Und für Menschen, die nur Augen, aber keine Ohren haben, macht so eine Unternehmung wohl keinen Sinn. Will Paulo protzen? Will er bloß vorführen, was er nicht alles erbeutet hat, um schmalbrüstigere Sammler zum „Hab ich! Hab ich nicht!“-Spiel zu verführen? Die angebrachte Skepsis verfliegt, sobald man die kurzen, aber hochkarätigen Interviews sieht, die das Buch einleiten. Paulo sprach mit Granden wie dem Designer Bob Ciano und mit Fred Cohen, dem Leiter des Jazz Center Of The World in New York. Er parlierte mit Blue-Note-Boss Michael Cuscuna und mit dem Mann, dem wir die Klappcover im Jazz verdanken: dem 80-jährigen Creed Taylor.

Taylor war nicht immer der Inbegriff des großen Stils. Als Trompeter spielte er in jungen Jahren mit seinem Orchester gruselige Themenalben wie „Melodien der Einsamkeit“, „Trinklieder“ und „Horrormusik“ ein. Als Plattenproduzent für die Labels Bethlehem und ABC, bei denen er Künstler wie Nina Simone und J. J. Johnson betreute, agierte er geschmackvoller. 1960 machte er sich selbstständig. Der Sinn stand ihm nach einem Jazzlabel. „Impulse!“ sollte es heißen und nur die besten Musiker, Designer und Fotografen beschäftigen. Sein nicht zu bezwingender Sinn für Schönheit und Qualität, der ihm in den 70er-Jahren noch viele Probleme bereiten sollte, ließ ihn immer tief in die Tasche greifen. Das wissen Designkünstler wie Bob Ciano, der für Taylors späteres Label CTI arbeitete, auch nach Jahrzehnten zu schätzen: „Wenn sie ein Budget hatten, dann wusste keiner, wie hoch es war. Ich sagte ihm immer, wenn etwas
besonders teuer wurde. Er hat nie Nein gesagt. Das ganze Unternehmen war so. Die Büroräume im Rockefeller Center waren wunderschön designt und wunderbar eingerichtet. Alles musste vom Feinsten sein.“

Spektakulär gestaltet.
Schon in den 50er-Jahren verfolgten der gebürtige Deutsche Alfred
Lion und sein Kompagnon Francis Wolff mit ihrem Label Blue Note die Strategie, superbe Musik mit überirdisch schönen Covers zu verkaufen. Die gleichermaßen puristisch wie spektakulär gestalteten Covers stammen vom Schreibtisch des genialen Grafikers Reid Miles (1927–1993). Miles kannte mit den Originalfotos keine Gnade. Stets entschied er sich für exzentrische Ausschnitte. So wurde er zum Vorbild späterer großer Designer wie Bob Ciano.
Ein schönes Cover hat mehrere Leben. Der auf dieser Seite abgebildete Umschlag des Albums „A New Perspective“ von Donald Byrd diente drei Jahrzehnte später dem Rapper Tone Loc als Vorlage für dessen Debütalbumcover. Damit war klar: Hiphop plündert nicht nur Schallarchive. Das gilt noch mehr für die geschäftstüchtige britische Acid-Jazz-Bewegung, die einen Sport aus geistigem Diebstahl machte. Während Galliano „Attica Blues“ von Archie Shepp mit neuem Text nachsang und als Eigenkomposition ausgab, kupferten die New Jersey Kings kommentarlos Miles Davis’ „On The Corner“-Zeichnung für ihr Debütalbum ab.

Keine Mitsprache. In „Jazz Covers“ erläutert Sammler Paulo jedes der 650 Alben hinsichtlich Besonderheiten bei den Aufnahmen und bei der Covergestaltung. Wie Bob Ciano im Gespräch mit Paulo erläuterte, war es sehr wichtig, dass die Musiker kein Mitspracherecht am
Cover hatten.

Nur so war es möglich, dass er als Designer wirklich optimale Lösungen auf den Weg bringen konnte. Creed Taylors spätere Labels CTI, Kudu und Salvation betörten mit unglaublich luxuriös wirkenden Covers. Die Kombination aus Schwarz und exotischen Fotos wirkte Wunder. Blue Note reüssierte in den 60er-Jahren mit fortschrittlicher, manchmal abstrakter Typografie und radikal geschnittenen Fotos. Prestige lancierte Zeichnungen am Umschlag oder punktete mit doppeldeutigen Schnappschüssen. Fazit: Trotz gewisser gleichbleibender gestalterischer Merkmale präsentierte sich der Jazz auf seinen
Covers so heterogen wie seine Protagonisten spielen.

 

Tipp: Jazz Covers (Taschen)

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