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Pop: Einfache Lieder vom Eisfischen in Alaska

02.12.2008 | 18:37 |   (Die Presse)

Port O'Brien und Get Well Soon nachdenklich im Wiener WUK.

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Wohl um zu unterstreichen, dass ihr Vertrauen eher der Natur als der Gesellschaft gilt, trugen vier von fünf Bandmitgliedern der kalifornischen Band Port O'Brien Vollbart. Wären die Hormone nicht, dann hätte sich wohl auch die einzige weibliche Mitstreiterin Cambria Goodwin mit solchem Gesichtsvorhang präsentiert. Goodwin und der Bandleader Van Pierszalowski haben reichlich Alaska-Erfahrung. Deshalb erzählen so gut wie alle Lieder von den entbehrungsreichen, aber sehr kameradschaftlichen Tagen der Eisfischerei. Ein exotisches Thema, das musikalisch in der Tradition eines Neil Young aufbereitet wurde. Es begeisterten einfache Melodien, getragen von mehrstimmigem Gesang, der oft ins Ekstatische kippte, und wüst tönende Gitarrengewitter. Neben bewährten Songs wie „Fisherman's Son“ und „Don't Take My Advice“ betörte auch Unbekannteres aus der Frühzeit. Die von vielen ersehnte Schreihymne „I Woke Up Today“ beschloss den fulminanten Auftritt.


„Popakademie Mannheim“

Winter im Herzen trug auch Get Well Soon, die zweite Band des Abends. Konstantin Gropper, 26-jähriger Leader dieser so düsteren wie himmelhochjauchzenden Kombo, scheut sich nicht, große Köpfe am Cover seiner neuen EP zu zitieren. Haneke kommt genauso zu Wort wie die Brüder Grimm, Puschkin und Camus. Der unbesiegbare Sommer entdeckt sich so manchem gerade in den Tiefen des Winters. Und so tüftelt Gropper, der die sich hochtrabend „Popakademie Mannheim“ nennende Anstalt ohne nennenswerte Schäden überlebte, in langen Songtiteln wie „You're Using All Your Senses Just for Being Sad“ über die Tücken des Daseins. Beim Schreiben Einzelgänger, liebt er live ungehemmte klangliche Prachtentfaltung mittels Trompete, Geige, Xylofon, Ziehharmonika.

Seine vielschichtigen Texturen, die Vergleiche mit Größen wie Pulp und Calexico nicht zu scheuen brauchen, wenden sich an die internationale Solidargemeinschaft der Niedergeschlagenen. Das Liedgut des Oberschwaben bot teilweise groteske Sichtweisen wie „We Are Safe Inside While They Burn Down Our House“. Hochtrabendes wurde mit Unschuld serviert. Mit dem herzerwärmenden Flaming-Lips-Song „Race for the Price“ (zwei Wissenschaftler auf der Suche nach dem Guten) entließen Get Well Soon in die Kälte der realen Welt. sam

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2008)

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