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Festival: Dem weiblichen Kosmos lauschen

24.04.2009 | 18:04 |  (Die Presse)

Fünf Tage „phonofemme“: Sound-Art im Zeichen von Trümmerfrauen, RAF im Wiener Kosmostheater. Zum großen Finale am Samstag treffen bei der „Sound-Art-Performance „from mind to body“ alle Plattformen zusammen.

„Holy shit!“, feuerte Lydia Lunch Sängerinnen und Auditorium zugleich an, „sing along, children!“ Und das Publikum stimmte mit ein in den Bob-Dylan-Song „Death is not the end“, den Ursula Winterauer und Christina Nemec nicht rasend treffsicher, aber mit beißender Ironie vom Stapel ließen: Der höchst vergnügliche Abschluss eines langen, recht bunten Abends beim erstmals stattfindenden Festival „phonofemme“. Fünf Tage geben sich bei dem von Mia Zabelka programmierten Event internationale Spitzeninterpretinnen zwischen Sound-Art und Performance die Klinke des Kosmostheaters in der Wiener Siebensterngasse in die Hand: Künstlerinnen des New Yorker „Deep Listening Institute“, von „Mani D.O.O.“ aus dem kroatischen Rovinj und von Zabelkas „enterprise z“.

Zum großen Finale am Samstag treffen bei der „Sound-Art-Performance „from mind to body“ alle Plattformen zusammen und präsentieren auch ein Internet-Kunstprojekt. Mittwochabend arbeiteten sich bei einem großen Triptychon Künstlerinnen am Thema Gewalt ab, wobei sich ein historischer Bezugspunkt als Leitmotiv durchzog: die RAF. Mit relativ konventionellen Mitteln, von der Wirkung her aber wohl am stärksten punktete Mia Zabelka als Stromgeigerin und Vokalistin mit der Visual-Arts-Künstlerin Katarina Matiasek.

 

Der gefolterte Mann

Ihre audiovisuelle Performance „Women of the Ruins“ stellte über Neumontage und Negativ-Verfremdungseffekte von Archivmaterial und Spielfilmen Bezüge her zwischen Frauen in Kriegs- und Extremsituationen: Unsere Mütter und Großmütter, brave Trümmerfrauen, die an der „Heimatfront“ mit Lebensmittelmarken, Todesangst und Bombenschutt zurechtkommen mussten und dabei auch fleißig das System aufrecht erhielten. Starke, doch verbrecherische Frauen im Irak und in Indien (brutale Szenen mit einem gefolterten Mann aus dem Bio-Pic „Bandit Queen“ von 1994 über die 2001 ermordete Phoolan Devi, die in Indien als weiblicher Robin Hood gilt).

Und natürlich die Ereignisse des „Deutschen Herbstes“: Andreas Baader und Ulrike Meinhof inhaftiert in Stammheim, die Entführungen von Hanns Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine „Landshut“ (Szenen aus Heinrich Breloers gelungener Spieldoku „Todesspiel“, 1997). Über all das stumme Material legte Zabelka ihre elektronisch verfremdeten Violintöne von bedrohlich brummenden Bässen bis zu zarten Flageoletts: ein intensiver Soundtrack. wawe


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