Soundgarden-Sänger Chris Cornell gestorben

Chris Cornell, Allwettermann des Grunge-Rock, hat sich nach einem Konzert das Leben genommen. Seine Stimme in Songs wie „Black Hole Sun“ hatte den schwermütigen Rock der Neunzigerjahre geprägt.

Chris Cornell
Schließen
Chris Cornell
Chris Cornell. – (c) imago/ZUMA Press (David Roseblum)

„Black hole sun, won't you come?“ Wer die frühen Neunzigerjahre bewusst erlebt hat – und damals nicht vor schwerfälligen Gitarren geflüchtet ist –, hat diesen Refrain im Ohr, zäh wie Lava, wie man damals gerne sagte. Und die Stimme dazu: Sie gehörte Chris Cornell, dem Sänger der Band Soundgarden, und sie klang dräuend, pathetisch, majestätisch, dramatisch, mit Extra-Ausdruck in allen Obertönen, sie klang also so, wie Stimmen in der Ära des Punk und der New Wave nicht als cool gegolten hatten. Sie klang nach „gutem altem Rock“, wie die Alten sagten. Grunge nannte man das damals, 1994, im Jahr, als Nirvana-Sänger Kurt Cobain, die Leitfigur dieses Genres, starb, in seiner Heimatstadt Seattle. Er beging in seinem Hotelzimmer Suizid, wie die Gerichtsmedizin am Donnerstag mitteilte.

 

Black hole sun: Grunge-Sänger Chris Cornell ist gestorben

Diese Stadt an der US-Westküste, deutlich nördlich vom sonnigen Kalifornien gelegen, war entsprechend die Heimat der gesamten Grunge-Welle, die in diesen Jahren über die gesamte Rockwelt schwappte, zäh natürlich. Auch Chris Cornell und seine Soundgarden kamen aus Seattle, ihre Debütsingle mit dem archetypischen Titel „Nothing to Say“ erschien bei der einschlägigen Firma Sub Pop, ihr erstes Album („Ultramega UK“, 1988) bei SST, dem damals immens hippen und als vorbildlich „independent“ geltenden Label der Gitarrensolo-Revisionisten. Ihr drittes Album „Badmotorfinger“ (1991) enthielt den Szenehit „Jesus Christ Pose“: „It pays you more to walk on water than to wear a crown of thorns“, hieß es darin, in der US-Provinz empfanden das etliche als blasphemisch. 1994, in Cobains Todesjahr, kam dann, bereits beim „major label“ A&M,  „Superunknown“ mit „Black Hole Sun“.

1997 löste sich die Band auf, Cornell veröffentlichte ein Soloalbum namens „Euphoria Morning“. 2001 gründete er mit den Instrumentalisten der Crossover-Band Rage Against The Machine eine neue Band namens Audioslave, die sechs Jahre hielt und bei großen Rockfestivals sehr beliebt war.

Noch berühmter wurde Cornell aber mit „You Know My Name“, dem Titelsong des James-Bond-Films „Casino Royale“ (2006). Er habe sich an Paul McCartneys „Live And Let Die“ orientiert und sei seit seiner Kindheit, in der er dem Nachbarn Beatlesplatten gestohlen habe, McCartney-Fan, bekannte er freimütig – und glaubhaft: Die Schwermut seiner Jugend war – zumindest in seinen Songs – längst einem breiteren emotionalen Spektrum gewichen: „When I am tired of feeling black, spread the wings upon your back“, sang er halbwegs hoffnungsfroh in der Ballade „Until we Fall“.

Klar, dass auch Soundgarden ein Revival beschieden war, die Grunge-Generation erinnerte sich gern an ihre frühen Jahre: „Natürlich bezahlt dich die Musikindustrie dafür, dass du auf gewisse Art ein Kind bleibst“, erklärte Cornell im „Presse“-Interview: „Den größten Teil meiner Zeit bestimmt aber mein innerer Großvater über mein Tun.“

Noch am Mittwochabend gab Cornell mit Soundgarden in Detroit ein Konzert: „Finally back to Rock City“, mit fünf Rufzeichen, hatte er vor dem Auftritt getwittert. Kurz danach starb er.

 

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Soundgarden-Sänger Chris Cornell gestorben

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.