Elton John auf Clam: Regenbogenschnulzier in Hochform

Elton John scheut den Kitsch nicht: Viel Jubel gab es für seine Edelschnulzen.

Auftritt der Elton John Band im Rahmen der Elton John World Tour 2017 w�hrend des Rocksommers auf B
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Auftritt der Elton John Band im Rahmen der Elton John World Tour 2017 w�hrend des Rocksommers auf B
Auftritt der Elton John Band – (c) imago/Rudolf Gigler

Die alte Weisheit, dass das Weiche stets das Harte besiegt, nahm sich Reginald Dwight, der Mann, der seit 1969 als Elton John vaziert, erwartungsgemäß auch bei seinem Sommernachtskonzert auf der Burg Clam zu Herzen. Der geadelte britische Singer-Songwriter tändelte, wie er es stets tut, mit einer ganz besonders edlen Flüssigkeit: den Tränen seiner Hörer. Der Anlaut seines Liederreigens verlief mit dem selbstironischen „The Bitch Is Back“ noch recht robust. Doch mit dem dritten Lied, dem wehen „I Guess That's Why They Call It the Blues“, stand einer kollektiven Gesichtsbefeuchtung nichts mehr im Wege.

Den Kitsch hat Elton John in seiner langen Karriere weder in seiner Musik noch in seiner Adjustierung gescheut. Knallrotes Schuhwerk, ein schwarz-rotes, mit Abermillionen von Swarovski-Pseudoedelsteinen verziertes Wams und eine schrille Brille sorgten für die richtige Grundstimmung. Dazu kamen Elton Johns für einen Siebzigjährigen geradezu sensationell elastische Stimme und die mit dicken Fingern ins Klavier geschlagenen Boogie-Figuren. Die Veranstalter projizierten die Farben des Regenbogens auf die im 14. Jahrhundert erbaute Burg Clam, und so fühlte sich Elton John pudelwohl.

Vor „I Want Love“, einer aus 2001 stammenden Ode an eine nicht einzäunende Liebe, richtete er erstmals das Wort an seine Fans, um der Toten des islamistischen Terrors in Europa zu gedenken. Es folgten Delikatessen aus seinem großen Œuvre, „Tiny Dancer“ vom feinen Album „Madman Across The Water“ (1972) etwa. Oder das von einer Kurzgeschichte von Ray Bradbury inspirierte „Rocket Man“, das recht dynamisch ans Ohr flatterte. Bei „Don't Let the Sun Go Down on Me“ wurde der verstorbene George Michael eingeblendet. Trotz eines beinah hammerharten Finales waren es Edelschnulzen wie „Sorry Seems To Be the Hardest Word“, denen der größte Jubel zuteilwurde. (sam)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2017)

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