Howard Carpendale: So eine goldige Nacht

Howard Carpendale mischte in der Wiener Stadthalle reichlich Popelemente in seinen Schlager.

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Howard Carpendale (Archivbild).
Howard Carpendale (Archivbild). – (c) APA/HERBERT PFARRHOFER

„Zusammen machen wir die Nacht zu Gold, sag mir wer, wenn nicht wir“, sang Howard Carpendale kernig: Er, auch schon 71 Jahre alt, ist halt noch aus einer Generation, der klar war, dass man das Außerordentliche selbst wagen muss, sonst kommt es nicht in die Welt. Heute umgibt er sich auf der Bühne vorzugsweise mit jungen Menschen. Und denkt altersuntypisch viel über den Aufbruch nach.

„Fühlst du es auch unter der Haut?“, wollte er von seinen treuen Fans wissen. Diese vergossen Tränen, bissen versonnen in eine fast vergessene Delikatesse namens Schaumbecher. Anders als im Leben lief auf der Bühne alles in strenger Choreografie ab. Die Unterstützungssänger spitzten die Lippen zum „Hu Hu“, der Saxofonist bog sich mit seinen süßlichen Luftsäulen gegen künstliche Winde, die zuweilen erstaunlich rockigen Gitarren übten sich in Riffkultur.

Dass man ihn, der 1966 als Beatsänger begonnen hat, unter Schlager reiht, ist Carpendale gar nicht recht. Auch in Wien war ihm wichtig, zwischendurch den Rocker zu markieren, etwa mit Tina Turners „Simply the Best“ oder „I Should Have Known Better“ von den Beatles. Und seine neuen Lieder haben mehr mit deutschsprachigem Pop à la Clueso zu tun als mit dem seelenlosen Technobeat-Schlager einer Helene Fischer. In seinen Texten hinterfragt er Politik und Gesellschaft, lockt gleichzeitig mit simplen Melodien in eine Utopie von Dauerglück. Die Hoffnung auf dieses ist die Grundhaltung in vielen seiner Lieder. Entscheidet das Leben anders, etwa in „Na und“, dann schaltet er trotzig auf den Modus Gleichmut um: „Alles kommt, wie es kommt.“

Den anheimelnden Siebzigerjahre-Hit „Fremde oder Freunde“ spielte er unplugged, das famos groovende „Wem erzählst du nach mir deine Träume“ mit viel Strom. Trotz einiger Nachdenklichkeiten, inklusive epischem Trump-Bashing, dominierte am Ende dank Hitgeprassels die Ausgelassenheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2017)

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