Dave Matthews: Jamrock-Feuerwerk im Gasometer

In den USA lockt er schon einmal 85.000 Bewunderer in den Central Park, in Europa ist er kaum bekannt: Dave Matthews gastierte mit seiner Band in Wien und sorgte für Begeisterungsstürme.

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Peter Draxler

Es muss ein komisches Gefühl gewesen sein für Dave Matthews, als er am Freitagabend die Bühne der Bank Austria Halle im Wiener Gasometer betrat. In den USA füllt er mit seiner Jamrock-Band ganze Stadien oder lockt schon einmal 85.000 Bewunderer in den New Yorker Central Park, in Wien spielte er gerade einmal vor 4200 Zusehern. Dieser vergleichsweise intime Rahmen hinderte die Dave Matthews Band allerdings nicht daran, ein wahres Klang-Feuerwerk abzufackeln, das jeden im Saal mitriss.

Von den ersten Klängen des Openers „Bartender" an sorgte das Septett um die zwei Masterminds Dave Matthews (Gesang, Akustik-Gitarre) und Carter Beaufort (Schlagzeug) für einen Gänsehautmoment nach dem anderen. Diese Band wurde nicht zu Unrecht schon 2005 vom US-Musikmagazin „Rolling Stone" mit dem Prädikat „America's biggest band" geadelt. Eben dort verkauften Matthews und seine Mannen bis zum heutigen Tag mehr als 35 Millionen Alben, von den bisher erschienenen acht Studioaufnahmen schafften es fünf auf Platz eins der Billboard-Charts, zwei weitere kamen bis auf Platz zwei - ohne die jeweiligen Neuerscheinungen großartig zu bewerben.

Doch erst abseits der starren Strukturen in den Aufnahmestudios kann diese Band ihr wahres Potenzial zeigen. Neben Matthews und Beaufort zeigen Boyd Tinsley (E-Violine), Stefan Lessard (Bass), Tim Reynolds (E-Gitarre), Rashawn Ross (Trompete) und Jeff Coffin (Saxophon, Piccolo-Flöte) auf der Bühne eine Spielfreudigkeit, die Ihresgleichen sucht. Rock, Jazz, Funk, Folk und Pop verschmelzen dabei zu einer einmaligen Melange, eben dem „Dave Matthews Band-Sound".

Saxophonist Coffin hat dabei die wohl schwierigste Aufgabe: Er muss seit den Band-Mitgründer LeRoi Moore ersetzen, der von 1991 bis zu seinem Tod 2008 den Sound der Band entscheidend geprägt hat. Dass Coffin dafür eine ausgezeichnete Wahl ist, zeigte sich schon auf dem aktuellen Album „Big Whiskey and the GrooGrux King", Freitagabend zeigte er, dass er sich auch in die Bühnenpräsenz der Band eingefügt hat.

Keine Selbstverständlichkeit, denn vor Publikum wird improvisiert, was das Zeug hält. Kaum ein Stück kommt dabei ohne teils minutenlange Jams aus. Dabei bleibt die Band jedoch stets kompakt und präzise, sowohl bei Klassikern wie „Ant Marching", Where Are You Going" oder dem als Zugabe gespielten „You Might Die Trying" als auch bei den Songs des neuen Albums. Als sich die Band nach knapp zweieinhalb Stunden auf der Bühne entschloss, den Abend unter frenetischem Applaus zu beenden, waren im Publikum durchwegs zufriedene, ja glückliche Gesichter zu sehen. Einzig die Frage, warum dieser Ausnahmeformation der große Durchbruch in Europa bisher verwehrt geblieben ist, blieb auch an diesem Abend unbeantwortet.

 

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