25.05.2012 12:19 | Meine Presse Merkliste 0

Neues M.I.A.-Video ist zu brutal für Youtube

28.04.2010 | 16:37 |   (DiePresse.com)

In dem neuen Video zu ihrer Single "Born Free" zeigt die britische Musikerin Faschismus, Polizeigewalt und rassistisch motivierten Mord in seiner beklemmendsten Form. Youtube hat das Video gelöscht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Zu provozieren, die Ungerechtigkeiten dieser Welt anzuprangern und sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen - das gehört zur Persönlichkeit Mathangi „Maya" Arulpragasam genauso dazu wie die Mixtur aus Hip-Hop-, Dancehall- und Elektro-Klängen zur Musik der Britin. Schon ihr Künstlername M.I.A. ist ein Statement, als „Missing in Action" kann man ihn lesen, als Bezeichnung für vermisste Soldaten. In „Sunshowers", einem ihrer ersten Hits, heißt die 32-Jährige die Palästinensische Befreiungsorganisation gut („Like PLO I Don't Surrender"), der Hit „Paper Planes" wird von donnernden Gewehrschüssen durchdrungen. In dem Video zu ihrer aktuellen Single „Born Free" geht M.I.A. noch einen Schritt weiter.

In dem Song sampelt M.I.A. „Ghost Rider" von Suicide. Das Video, mit neun Minuten Länge eigentlich schon ein Kurzfilm, zeigt Faschismus, Polizeigewalt und rassistisch motivierten Mord an Jugendlichen in seiner beklemmendsten Form. Soldaten in Kampfmontur, die Wohnhäuser stürmen, Bewohner aufscheuchen, verprügeln und treten. Sie sind auf der Suche nach rothaarigen Jugendlichen, zerren diese in einen Gefängniswagen, schikanieren, treten, beschimpfen sie und bringen sie schließlich in eine karge, wüstenähnliche, mit Minen übersäte Landschaft, wo sie in einer Hetzjagd exekutiert werden - das Video spart dabei kein Detail aus. Die Nationalität der Soldaten ist eindeutig zu erkennen, da die Ärmeln ihrer Kampfanzüge die blau-rot-weiße Flagge der USA zieren.

M.I.A. und Regisseur Romain Gavras, der mit dem Video zu der Single „Stress" von Justice bereits für Aufmerksamkeit sorgte, zeichnen mit dem Kurzfilm grausame, schockierende Szenen. Ohne zu kommentieren werden Brutalitäten aneinander gereiht, das und die Darstellung der USA als Bösewicht wirken wie eine moralische Nachhilfestunde mit Holzhammer. In einigen Szenen erliegt „Born Free" der Effekthascherei.

Das Videoportal Youtube hat auf die direkte Darstellung der Gewalt, darunter ein Kopfschuss und ein Jugendlicher, der von einer Mine zerrissen wird, reagiert und löscht das Video oder versieht es mit einer Altersbeschränkung - allerdings nur, wenn es von Usern gemeldet wird. M.I.A.s britisches Plattenlabel XL hat die Causa bisher nicht kommentiert. Auch die Künstlerin selbst enthält sich dem Kommentar. Auf ihrer Website ist im Moment ausschließlich das Video zu "Born Free" zu sehen.

 

(hai)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

3 Kommentare
Hans Landa
11.05.2010 16:52
0 0

Gut und böse

Romain Gavras Videoclip für die französischen Justice hatte mich beim erscheinen sehr begeistert. Dort wird eine unglaubliche Wut beschrieben die sich auf die Umgebung entlädt. Das schöne daran war, dass er keine GUT/BÖSE Klichees verwendete, sondern sich darauf konzentrierte die Geladenheit der Jugendlichen in ihrem brutalen Aktionismus zu zeigen.
Diesmal jedoch verliert sich Gavras im Klichee des mordenden US-Soldaten, dessen Aufgabe es nur ist, eine bestimmte Gruppe aufzuspüren und zu vernichten. Systematische Gewalt wird unreflektiert in den Raum geworfen und mit Wackelhandkamera und Zeitlupenaufnahmen gewürzt.
Am Ende ist es eben der unsymphatische böse Ami, der ausschließlich rassistisch motiviert handelt und eifrig prügelt etc. Das erinnert sehr an den Beginn von Stallones John Rambo. Dort sehen wir ebenfalls böse Soldatengesichter, meist plärrend, welche sich angeilen, wenn sie Leute chancenlos ins Jenseits befördern.
Schön platt eben, ähnlich wie der Snng, da hat man von M.I.A. schon besseres gehört.
Warum sich Gavras zu derartigen Stereotypen hinreißen lässt ist mir ein Rätzel.

Gast: anon
29.04.2010 03:51
1 0

Gegen die USA?

"das und die Darstellung der USA als Bösewicht wirken wie eine moralische Nachhilfestunde mit Holzhammer."
Das was im video passiert, passiert jeden tag zwar nicht in den USA und nicht gegen Rothaarige, aber es soll eine metapher sein. Tausche SWAT gegen Nazis, China, und Rothaarige gegen Juden oder Tibeter und es funktioniert. Die Amerikanische flagge wird benutzt um aufmerksamkeit zu schinden. zu recht wie ich finde. Überigens ist das video nicht zu weit hergeholt wenn man Rothaarige gegen mexikaner austauscht. Die werden auch in den USA eingefangen und wieder in der wüste ausgesetzt.

Gast:
28.04.2010 23:22
0 1

Gegen Faschos aber für die Faschos von der PLO !?!


Song der Woche