Zu provozieren, die Ungerechtigkeiten dieser Welt anzuprangern und sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen - das gehört zur Persönlichkeit Mathangi „Maya" Arulpragasam genauso dazu wie die Mixtur aus Hip-Hop-, Dancehall- und Elektro-Klängen zur Musik der Britin. Schon ihr Künstlername M.I.A. ist ein Statement, als „Missing in Action" kann man ihn lesen, als Bezeichnung für vermisste Soldaten. In „Sunshowers", einem ihrer ersten Hits, heißt die 32-Jährige die Palästinensische Befreiungsorganisation gut („Like PLO I Don't Surrender"), der Hit „Paper Planes" wird von donnernden Gewehrschüssen durchdrungen. In dem Video zu ihrer aktuellen Single „Born Free" geht M.I.A. noch einen Schritt weiter.
In dem Song sampelt M.I.A. „Ghost Rider" von Suicide. Das Video, mit neun Minuten Länge eigentlich schon ein Kurzfilm, zeigt Faschismus, Polizeigewalt und rassistisch motivierten Mord an Jugendlichen in seiner beklemmendsten Form. Soldaten in Kampfmontur, die Wohnhäuser stürmen, Bewohner aufscheuchen, verprügeln und treten. Sie sind auf der Suche nach rothaarigen Jugendlichen, zerren diese in einen Gefängniswagen, schikanieren, treten, beschimpfen sie und bringen sie schließlich in eine karge, wüstenähnliche, mit Minen übersäte Landschaft, wo sie in einer Hetzjagd exekutiert werden - das Video spart dabei kein Detail aus. Die Nationalität der Soldaten ist eindeutig zu erkennen, da die Ärmeln ihrer Kampfanzüge die blau-rot-weiße Flagge der USA zieren.
M.I.A. und Regisseur Romain Gavras, der mit dem Video zu der Single „Stress" von Justice bereits für Aufmerksamkeit sorgte, zeichnen mit dem Kurzfilm grausame, schockierende Szenen. Ohne zu kommentieren werden Brutalitäten aneinander gereiht, das und die Darstellung der USA als Bösewicht wirken wie eine moralische Nachhilfestunde mit Holzhammer. In einigen Szenen erliegt „Born Free" der Effekthascherei.
Das Videoportal Youtube hat auf die direkte Darstellung der Gewalt, darunter ein Kopfschuss und ein Jugendlicher, der von einer Mine zerrissen wird, reagiert und löscht das Video oder versieht es mit einer Altersbeschränkung - allerdings nur, wenn es von Usern gemeldet wird. M.I.A.s britisches Plattenlabel XL hat die Causa bisher nicht kommentiert. Auch die Künstlerin selbst enthält sich dem Kommentar. Auf ihrer Website ist im Moment ausschließlich das Video zu "Born Free" zu sehen.
M.I.A, Born Free from ROMAIN-GAVRAS on Vimeo.
(hai)
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