Subtil ist anders. „Sverige, Sverige Fosterland“, lautete der Titel jener Schallplatte, mit der 1985 das Genre des Viking Metal begründet wurde. Schöpfer des Opus war die schwedische Band Ultima Thule, und die Mannen rund um Sänger Bruno Hansen legten kurze Zeit später nach: „Hurra för Nordens Länder“ hieß ihre zweite LP – mehr als 30 weitere Alben sollten folgen.
Ihr Arbeitsethos mag zwar angesichts der Diskografie protestantisch anmuten, doch inhaltlich orientieren sich Ultima Thule und ihre Epigonen an einer heidnischen Vergangenheit, in der Männer Zöpfe und Streitäxte trugen, mit dem Langschiff zur Arbeit fuhren und darauf hoffen konnten, einen Sitzplatz in Walhall zu ergattern, bevor die Götterdämmerung über die Welt hereinbricht. Untermalt werden die Oden an Odin mit kreischenden Gitarren, Schlagzeuggewitter und strategisch platzierten Grunzlauten.
Wenn Viking Metal von Mut und Blut handelt, dann geht es beim Northern Soul vor allem um Schweiß und Tränen. Große Emotionen und waghalsige Verrenkungen auf der Tanzfläche sind die Erkennungsmerkmale dieser Spielart der Soul-Musik, die Ende der 1960er-Jahre im Norden Großbritanniens Fuß gefasst hat. Ihre Anhänger waren die Kids der Arbeiterklasse, die mangels finanzieller Perspektiven von Detroit und Memphis nur träumen konnten.
Die ultimative Liebeserklärung an diese verschworene Gemeinschaft der Tänzer und Träumer stammt aus dem Jahr 1980 und trägt den Titel „Geno“. Verfasst wurde sie von sie Kevin Rowland, der als Frontmann der „Dexys Midnight Runners“ dem Northern Soul die Energie des Punk injizierte, und sie handelt von Geno Washington, einem Zweitligisten des Soul, zu dessen Musik der junge Rowland seine ersten Tanzschritte machte: „Academic inspiration you gave me none; you were Michael the lover, the fighter that won.“ Wahre Leidenschaft braucht keine Grunzer. lac
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)
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