Trackshittaz: Party like a Goasbock

25.02.2012 | 18:03 |  von Samir H. Köck (Die Presse)

Die Trackshittaz sind mit "Woki mit deim Popo" ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und setzen sich schließlich gegen Conchita Wurst durch. Die Landjugend fährt zum Songcontest nach Baku.

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Alle Jahre wieder greifen für kurze Zeit die Filter der Zivilisation nicht mehr und erwachsene Menschen sprechen einem Singwettbewerb namens Songcontest höhere symbolische Bedeutung zu. Schon die nationale Ausscheidung dafür wird zum Schlachtfeld der Werte, aber auch zur Projektionsfläche kindlicher Fantasien. Die zu befürchtenden Kollisionen mit der Wirklichkeit verhinderten Ö3-Moderatoren: Robert Kratky, Mirjam Weichselbraun, Andi Knoll strahlten von Berufs wegen wie frisch lackierte Hutschpferderln.

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Penetrant positiv gestimmt war auch Wahlösterreicher James Cottriall. Er berief sich auf den angeblich ursprünglichen Gedanken des Songcontests, nämlich „Frieden in Europa“. Sein Motto „Be Happy!, lebe deine Träume, lass dich nicht verunsichern“ war ideal für jemanden, dessen Drang, sich mitzuteilen, eindeutig schwerer wiegt als die Möglichkeit einer Blamage. Erleichterung, als der bleierne Refrain „Stand up for what you want“ abebbte. Mit solchen Songs hätte Cottriall in Großbritannien wohl keinen Auftrag. Aber in einem Land, das so gern Licht ins Dunkel bringt wie Österreich, rechnete er sich zu Recht Chancen aus.

Scheitel und Krautschädel. Manchmal verrät sich die falsche Einstellung in der Maske der Selbstironie. Bei Norbert Schneider war es das lockere Bekenntnis, früh von der Violine zur Gitarre gewechselt zu haben, weil „er sonst keine Mädchen abbekommen hätte“. Solch Profanität verscheucht die Musen. So entpuppte sich Schneider mit „Medicate My Blues Away“ als bloß gut gescheitelter Poseur. Aus Oberösterreich, dem Land, das uns das Vokabel Söckiebär (Schaf) schenkte, kamen Krautschädel an. Ihr epigonaler Hardrock hatte nur Außenseiterchancen. Entgegen der Volksmeinung zelebrierten sie ihr Motto „He, tua ma uns an Guat'n auf!“ ungeschwächt. Fidel präsentierte sich auch Chanteuse Valerie. Betont locker stöckelte sie mit quietschgelben Gundel-Gaukely-Pumps zur ansprechendsten Nummer des Abends: „Comme ça“. Jetzt weiß Österreich, dass Qualität und Erfolg meist entkoppelt sind.

Dieses Phänomens nimmt sich der ORF seit Jahren an. Folgerichtig verspürt der domestizierte Gebührenzahler die größte Freiheit dann, wenn er intensiv leidet. „Österreich rockt den Songcontest“ bot reichlich Anlass dafür. Etwa durch notorische Selbstdarsteller wie Dominik Heinzl und Sido.

Es gab auch Performances, die den Anforderungen zum masochistischen Fernsehglück ideal entsprachen. Die betuliche Soul-Funk-Blues-Pop-Band Mary Broadcast und ganz oben die unsäglichen Papermoon, die den „Vater, Father, Mon Père“ ansäuselten. Sängerin Edina Thalhammer muss irgendwelche Viecherln im Leib haben, die ihr die rote Farbe aus dem Blut trinken. Ehe die Kabeln zu sehr anschwollen, trat der jüngst zur Kultfigur geadelte Peter Rapp auf den Plan. „Man muss den Zorn und Ärger, den Kandidaten mitunter auslösen, locker nehmen.“

Es sind nicht immer Schwärmerei oder Ärger, die durch musikalische Darbietungen ausgelöst werden. Das viel zu minder geschätzte Gefühl der Indifferenz baute sich nach !Deladaps seichtem Stück „Don't Turn Around“ auf. Ihr Schubi-Du-Dschibsi-Electro taumelt internationalen Trends ein bisserl arg nach. Auch Sidos 3punkt5 schafften es, eine solide Leistung abzurufen, ohne die Gemüter zu erschüttern. Ihre Kunst leidet an Texten, die wirkten, als wären sie ihnen von romantischen Sozialarbeitern eingebläut worden. Die flügellahmen Flows (Rap-Technik) sorgten zudem für Lidschwere.


Ein logisches Finale. Das logische Finale bestritten Conchita Wurst und die Trackshittaz. Miss Wurst, die jeder Moderator rechtschaffen panisch „Kunstfigur“ nennt, leierte einmal mehr das Lied der Toleranz herunter. Eine Unsitte, die aus dem Privatfernsehen kommt, wo mit krassen Schicksalen und nebulösen sexuellen Ausrichtungen Aufmerksamkeitskeilerei betrieben wird. Mehr Eunuch als Diva, sang sie sich in Rage. Das brustschwache „That's What I Am“ sackte verdienterweise ab.

Jeden Klon-Verdachts enthoben waren die oberösterreichischen Trackshittaz. Gegen deren aggressive Bühnenpräsenz war kein Kraut gewachsen. Sie sind die „Buam ausn Stoi“, die die lebensfroh zwischen Mucki-Bude und Kampftrinken pendelnde Landjugend repräsentieren. Das famose „Woki mit deim Popo“ musste da gar nicht mit verstecktem Imperativ operieren. Die Wirkkraft war offensichtlich. Selbst Sauberfrau Weichselbraun plauderte plötzlich schlüpfrig von „Stangen, die poliert wurden“. Das ist der rechte Stoff für den Wilden Osten, wo nur das Grelle gilt. Ein Sieg in Baku ist möglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2012)

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61 Kommentare
 
12
Gast: werbistdu
29.02.2012 18:46
0

Ein Hubert von Goisern

müßte am Song Contest antretten, der würde ungeschaut den 1. Platz einhamsen, und alle anderen Witzfiguren alt aussehen lassen.
Aber der Hubert hat zu viel Niveau für derart letztklassige Veranstaltungen und den ORF.

Gast: WTF
28.02.2012 20:21
0

gehts noch peinlicher??

Österreich is beim Songcontest so oder so eine lachnummer, egal mit welchem Song oder wer da hin fährt.
Aber bitte mit den Trackshitterz wirds dann grad noch peinlicher, die Bauern versteht ja keiner.
Was hat des bitte mit Singen zu tun??

Re: ... die Bauern versteht ja keiner?

Sie gehören auch zu denen, welche nicht verstehen können, dass hier Conchita Wurst nicht auf den 1. Platz gepuscht wurde: das Volk (und hier vor allem junge Leute) anerkennt kein Diktat aus Richtung der staatstragenden Hochkultur!

Gast: Blankenstein Husar
27.02.2012 12:33
1

Je geschmackloser ....

....desto ORF und Ö3.

Zur Erinnerung an alle:

Dieser Schwachsinn wird auch durch Steuergeld mitfinanziert.


Antworten Gast: eat the rich
27.02.2012 16:29
0

Re: Je geschmackloser ....

Um es im Dialekt auszudrücken: "Scheißts eich nit an" von geschmacklos und so weiter. Der Beitrag ist originell, jung und leiwand. Wir brauchen kane Balladen und Friedenslieder - vergeß ma des. Als Lordi 2006 den Songcontest gewann haben die "übergscheiten niveauvollen" Österreicher auch nur mit dem Schädel gewachelt und konnten die Welt nicht mehr verstehen. Die Zeiten haben sich geändert- das sollten diese "Antiprolos" wie sie sich gerne geben - akzeptieren. Merci Cheri ist endgültig passé !!!

Gast: Alexandro
27.02.2012 12:20
0

Redakteur

Dieser Betrag ist zwar sehr ausführlich schwinkt aber sehr mit Hass und Intoleranz anderen Gegenüber, da frage ich mich als Leser muss den das sein, manche nützen Ihre Machtstellung in der Medienbranche mehr als aus um Leser aufzuhetzen gegen Andersdenkende.

Gast: Gerhard Langes
27.02.2012 02:01
1

Unglaublich...

War das alles was Österreich aufbieten kann? Erschütternd!

ein sieg in baku ist möglich. ja. es ist auch möglich, dass der schwachsinn von einem journalisten verfasst wurde.


Samir, der Spracharrogante


Wer den ersten Absatz liest kennt den Rest. Für den sprachverliebten Redakteur sowas wie eine sportliche Leistung - für den Leser etwas mühsam, wenig informativ und auch ein bisserl sportlich, falls er sich den gesamten Artikel gibt.

Und ja – Fernsehen wird nach Publikumsgeschmack produziert und nicht nach intellektuellen Ansprüchen feinsinniger Journalisten.

Ein Hoch auf die Vielfalt in allen Bereichen, sie macht unser Leben bunt – auch Blödsinnigkeiten können unterhalten , dabei darf der „Ausknopf“ immer unser bester Freund bleiben.


??? Bitte woran leidet halb Österreich,

dass dieser intellektuelle Supergau sogar von Menschen, die im Normalfall geistig zurechnungsfähig sind, so toll gefunden wird?

Dieser Mist ist unterste Proloschublade und ich finde es mehr als peinlich, bei einem internationalen Bewerb so vertreten zu werden!

Re: ??? Bitte woran leidet halb Österreich,

schlechter als unsere Politiker werden uns diese Jungs im Ausland kaum vertreten
aussagefähiger als unsere Politiker sind sie in jedem Fall....

Gast: Besucher
26.02.2012 15:23
4

Gast

Ein paar Idioten mehr oder weniger am Song Contest kann nicht mehr schaden.

Gast: pennywise
26.02.2012 15:22
10

nie war der begriff...

nie war der begriff "ausscheidung" passender als diesmal...

Re: nie war der begriff...

pennywise ist auch nicht gerade besser

Gast: arancia
26.02.2012 13:55
2

gspreizte Persönlichkeiten

Einen Sieg kann man beim Song Contest nicht kaufen sondern höchstens erpackeln... nachdem wir das aber nicht schaffen, mit unseren Nachbarländern, ist ein Sieg Österreichs sowie so in weiter Ferne... Da kann man wenigstens Spaß an der Sache haben und ein bißchen Augenzwinkern.... Woki mit deim Popo ist doch niedlich.... Quer durch alle Eliten sind nackte schöne Frauen gefragt... und Popowackeln turnt Männer halt schon über tausende von Jahren... Man sollte sich Fragen, ob da in diesem Forum nicht diverse Männer einen etwas verkrampften Zugang zu Sex haben... und den Spaß anderen neiden?

Die Wurst ist jedenfalls nicht DAS musikalische Highlight.. das ist nur ein Kopie und wäre vielleicht deswegen ausgeschieden...

http://de.wikipedia.org/wiki/I_Am_What_I_Am" target="_blank">http://de.wikipedia.org/wiki/I_Am_What_I_Am

Das ist der Grund...

... warum Demokratie nicht funktionieren kann! Denn wenn es Leute gibt, die solche Gruppen in eine Endausscheidung wählen die dort Österreich vertreten, dann sind wir eben auch nicht fähig die richtigen Politiker zu wählen! Nur muß man sich dann als Österreicher dafür schämen! Vor allem, wenn man solches als Musik bezeichnet! Aber ich habe den Musikgeschmack der "ferngesteuerten" jahrelang als Disk Jockey in meiner Jugen erlebt, und Fazit ist: " Die hier gewählt haben, wählen auch die Politiker" Somit kann Österreich nur den Bach runter gehen! Zum Glück kann man wenn man schnell ist und den Radio ausschalten kann, sich den "Genuß" ersparen es hören zu müssen! Gruß aus der windigen Karibik, Skipper Erich aus Petite Martiniqe/Grenada

Antworten Gast: punta.rock.fan98
27.02.2012 08:38
0

Re: Das ist der Grund...

sie meinten wohl:
Gruss aus Petite MartiniqUE.
Oder liegt ihres am Neusiedler See ?

Re: Re: Das ist der Grund...

sorry sollte <8ung.at/ankh> heissen oder auch in der <ankh-refugium.com> nachzulesen.

Re: Re: Das ist der Grund...

Es heisst Petite Martinique und liegt zwischen Carriacou und Union Island in den Grenadines und gehört zu Grenada, aber Sie werden wahrscheinlich nur den Neusiedler See kennen, sonst würden sie nicht solch Stumpfsinn posten! Sie können gerne die Bilder von unserem Liegeplatz ansehen <8.ung.at/ankh> denn ich habe es nicht nötig etwas vorzugeben was ich nicht bin! Nur Leute mit geisteskranker Einstellung machen es und posten dann um sich wichtig zu machen! Leider sind wir nächsten Dienstag nach vier Monaten wieder in Wien, Sie können uns gerne vom Flughafen abholen, Ciao Skipper Erich

Re: Das ist der Grund...


Nur sind die Auswirkungen schlechter Politik keine Geschmacksfrage, sie richtet Volkswirtschaften zugrunde.

Wer wo singen darf hingegen, ist völlig Blutwurst und kostet praktisch nix an Volksvermögen.

Anna grüßt aus Österreich.

Re: Das ist der Grund...

ich glaube nicht, dass viele der Voter bei der ORF Sendung wählen gehen und auch nicht das viele aktive Wähler dort mitgevotet haben, also ist die Aufregung umsonst.

Re: Das ist der Grund...

wenn das so ist, frage ich mich, was sie dann in der karibik tun. offensichtlich wissen sie, was gut, wichtig und richtig abseits jeder demokratischen entscheidung ist - also kommen sie zurück und führen sie unsere leute auf den rechten weg.

oder aber sie erleuchten gerade einige insulaner und lassen diese von ihrem wissen profitieren, auch eine schöne aufgabe.

Re: Re: Das ist der Grund...

Ich hoffe nur unser Boot soweit an den Ankern und Muring zu sichern um über die Hurrikansaison zu kommen! Hier auf Petite Martinique gibt es wie in Grenada eine Demokratie, nur die 600 Leute die auf der Insel leben, mach was sie wollen und somit brauchen sie die Demokratie eigentlich nicht wirklich und ich habe eingesehen, daß man hier, so wie in Österreich, nichts mehr ändern kann!

Wenn jemand einen "Sieg in Baku"

für möglich hält und dann diese Popo-Nummer sinngemäss als Arschnummer bezeichnet wird, streicht die Zensur den Kommentar. Arme Presse!

Gast: ice_cube
26.02.2012 12:20
0

wahnsinn ..

wer zum teufel ist Samir H. Köck ?
das liest sich wie ne hausaufgabe aus der hauptschule.. oder ein verweifeltes midlife-crisis opfer, das bei der jugend andocken will ?
unglaublich .. und ich war presse-fan ..

*gg*

Saturday Night Fever goes Baku ;)

 
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