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Songcontest-Halbfinale: Ein einsamer Schrei aus Albanien

23.05.2012 | 18:14 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

„Suus“ war der packendste Beitrag des Songcontest-Halbfinales. Sonst regierte meist halbernste Pop-Realität. Die österreichischen Teilnehmer schafften den Aufstieg nicht.

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Einen solchen Knödel aus Haupthaar hat man noch nie gesehen beim Eurovision Song Contest. Und einen solchen Schrei hat man noch nie dort gehört: Rona Nishliu aus Albanien sang einen Song namens „Suus“, der schnell die wohltemperierte Songcontest-Ekstase überschritt – hinein in Gefilde der Hysterie, wo es auch andere Intervalle gibt als große Terzen und reine Quinten. „Das Morgen wird nichts bringen als hoffnungslose Hoffnung und Irrsinn“, sang sie und schrie, so gellend, dass viele Songcontest-Seher noch am nächsten Tag erzählten, sie hätten ja viel Nettes von vielen Nationen gehört, aber diese Albanerin sei doch zu arg gewesen...

Ein Ausschaltimpuls also. Für andere ein Grund, wieder daran zu glauben, dass der Songcontest, der jahrzehntelang nur als Belustigung für halbironische Soletti-Partys durchging, Relevanz in einer Popwelt hat, von der man oft nicht so recht weiß, wie relevant sie überhaupt noch ist. Will sagen: Im traditionsseligen „Vintage“-Unternehmen des heutigen Pop ist der Songcontest nicht mehr auffällig anachronistisch.

 

Immer wieder Achtzigerjahre

Die beiden Eighties-Mimikry-Beiträge des ersten Halbfinales etwa würden durchaus auch in FM4 passen: Warum die an „Kajagoogoo“ erinnernde „Compact Disco“ aus Ungarn den Aufstieg schaffte, nicht aber „Sinplus“ aus der Schweiz, deren Sänger über den „wildest ocean“ knödelte, als sei Robert Smith von den „Cure“ in einen am-phetaminhältigen Jungbrunnen gestürzt? Vielleicht lag's an den allzu gezierten Leder-Accessoires der Schweizer, das soll eine gütige Nachwelt beurteilen. Das einst gern belächelte Ost-West-Gefälle in Fragen des Geschmacks scheint jedenfalls verflossen; und wenn Teilnehmer auffälligen Balkan-Chic verströmten, dann taten sie es mit großer Absicht: Ironie! Der Rambo Amadeus aus Montenegro mit „Euro Neuro“ etwa hatte sich das Haar mit Bedacht nicht gewaschen und einen speckigen Smoking gewählt, das sollte den Witz seiner Reime verstärken: „Liberalism, tourism, nudism, optimism, it's good for rheumatism“, dem Mann ist nichts heilig, er kommt dennoch nicht ins Finale. Wie die lettische Sängerin, die in ihrem „Beautiful Song“ davon träumte, dass „Sir Mick Jagger“ sie anruft, sie aber keine Zeit hat. Vielleicht ruft er jetzt erst recht an.

Warum die österreichischen Trackshittaz nicht promoviert wurden? Könnte sein, dass sie für durchschnittseuropäische Augen & Ohren ein bisschen wie eine Parodie wirkten, aber eben doch nicht so wirklich. Obwohl: Die irischen „Jedward“-Zwillinge wohnen genauso im Limbo zwischen Halbernst und Halbspaß, und sie kommen ins Finale.

 

Russische Mütterchen mit Party-Pop

Weitere Aufsteiger: Rhythmisch und harmonisch originell ist „Should've Known Better“ von der mit Kapitänsmütze und Epauletten angetretenen Dänin Soluna Samay; „Aphrodisiac“ von der griechischen Teilnehmerin Eleftheria Eleftheriou fällt in die Sparte Ferienklub-Pop mit Bodenturnen; Jonsi aus Island bestach mit stechendem Blick; der Sänger aus Moldawien trug Schnurrbart und martialische Stiefel; die zypriotischen Mädchen glitzerten auf einem Stapel aus Büchern; Mandinga aus Rumänien kombinierten Dudelsack mit kubanischen Rhythmen und Feuer. Alles geht, sogar eine Gruppe russischer Mütterchen mit Kopftüchern, vielen Zahnlücken und kindischem Party-Pop.

Bei aller Skurrilität, man wird sich diese Weltmusik-Fußnote nicht merken, selbst wenn sie gewinnen sollte. Sicher merken wird man sich den Schrei aus Albanien.

Songcontest-Fahrplan

Heute, Donnerstag, findet das zweite Halbfinale statt, bei dem wieder zehn aus 18 Kandidaten bzw. Ländern fürs Finale gewählt werden.

Am Samstag dann wird das Finale ausgetragen. Zu den 20 Ländern, die aus den Semifinal-Bewerben aufgestiegen sind, kommen als Fixstarter das Gastgeberland Aserbaidschan sowie die fünf „großen“ Nationen, die finanziell am meisten zur European Broadcasting Union beitragen: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2012)

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42 Kommentare
 
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Gast: Anti-Blamage
24.05.2012 20:30
2 3

Kein Wunder

Wie treffend eine schwedische Tageszeitung doch formulierte:

"Da hatte sogar der Maler aus Braunau einen besseren Geschmack."

Das sagt wohl alles über das Niveau und den Geschmack dieses Beitrages aus.

Schämen sollten sich auch jene, die diesen Beitrag damals im ORF gewählt haben...

Gast: Mario R. Lackner
24.05.2012 12:54
0 0


Gast: Georg Pruscha
24.05.2012 11:34
3 2

Wahl des Fachs

Warum steht dieser Artikel im Kulturteil?

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Song Contest nicht Rap-Contest

Generell sehe ich das Problem, dass der Songcontest in den letzten zehn bzw. zwanzig Jahren an Niveau verloren hat. Wenn es eine Hardrock Gruppe zum Sieger schafft, dann weiß man was von diesem "Wettbewerb" zu halten ist. Wenn ich heute ein Siegerlied so mancher vergangenen Jahre im Radio höre, kann ich es nicht als Gewinnertitel erkennen weil der Style des einen Gewinnerliedes wie der des anderen ist und nichts außergewöhnliches mehr ist. Wenn man nun glaubt mit einem Rap-Beitrag beim Song Contest punkten zu können, so ist man sicher naiv. Die trackshi.... passen sicher besser in eine Provinzdisco als auf die Bühne für Europa. Das die Voter für Tracksh... das nicht so sehen zeigt, welches Publikum der ORF heute anspricht. Die "Nicht-Voter" haben sicher als Alternative einen deutschen oder einen Privatsender gesehen und sich nicht vom niedrigen ORF Niveau beeinflussen lassen.

Gast: werbistdu
23.05.2012 22:55
7 1

Diese zwei Komiker

sollen lieber ein paar Zaubertricks lernen, und dann vor einer Kindergruppe auftretten

Ja, bitte mehr von diesen österr. Stars!

Es werden doch alle alpenrepublikanischen Basissinne ideal angesprochen: Schwachsinn, Stumpfsinn, Unsinn, Blödsinn und Wahnsinn.

Mit einem Wort: Die perfekten Repräsentanten Österreichs; auf einer geistigen Linie mit den Politikern ... und, nicht zu vergessen, dem Stimmvieh sowieso.

Re: Ja, bitte mehr von diesen österr. Stars!

Zur Ehrenrettung der beiden Mühlviertler möchte ich schon einwenden, sie waren nicht die Einzigen, die mit Pop - Rock - Rapp ect. auftraten. Die Präsentation unterschied sich nicht wesentlich von den anderen, die mit ähnlichen ?Liedern? auftraten. Der Songcontest allgemein hat stark an Niveau verloren, man gibt auch diktatorisch regierten Ländern eine Bühne. Und dass die Abstimmungen nicht ganz korrekt sein sollen, ist ein offenes Geheimnis.

Gast: werbistdu
23.05.2012 19:13
2 1

Einen Hubert v. Goisern...

hätten wir schicken sollen, da hätten alle anderen einpacken können.
Aber für diesen Wettbewerb der Lächerlichkeit hat der Hubert zum Glück zu viel Niveau

Gast: Babuschka
23.05.2012 19:04
7 7

Die Buben haben alles gegeben,

aber die Welt war noch nicht reif für ihre Botschaft. ;-) Kopf hoch, ihr seid ja hoch kreativ, das wird schon noch was mit dem Erfolg. Dran bleiben.

Antworten Gast: josefa.birnstingl
24.05.2012 10:52
1 0

Re: Die Buben haben alles gegeben,

zumindest haben sie der welt gezeigt,dass in österreich nicht deutsch gesprochen wird.dialekt rules!

8 6

Re: Die Buben haben alles gegeben,

Ihre Botschaft?
Wackel mim Arsch?
Was für haluzinogene Stoffe nehmen Sie zu sich um darin eine Botschaft wahrzunehmen?

Re: Re: Die Buben haben alles gegeben,

Wie bitte? Sie nehmen keine wahr?? Also mal ehrlich: Klarer und deutlicher kann man doch nicht mehr zu versstehen geben, wie es um das Niveau hierzulande bestellt ist.

Anders gesagt: in der Alpenrepublik weltberühmt ... der Rest der Welt lacht sich kropfert über die Hangläufer.

2 7

Albanien

Meine Stimme geht an Albanien!

Ich rufe alle dazu auf am Samstag die Nummer 3 auf dem Telefon zu tippen oder eine Sms für Rona Nishliu zu schreiben.


Re: Albanien

Für Dreadgrind gibt es Punkteabzug.

Song Contest

Ist Contest ein guter Song? Wo kann man den hören? Oder wird dieses Lied von einem Teilnehmer beim Song-Contest vorgetragen? Bitte klären Sie uns auf, liebe "Presse"-Redaktion.

In diesem Fall irren Sie

Auch wenn Sie hier nie etwas inhaltlich zu den jeweiligen Artikeln beitragen und uns nur mit Ihrer pedantischen Besserwisserei nerven, möchte ich Sie in diesem Fall doch an den Duden-Verlag verweisen. Besagter Verlag schwört hier auch auf Ihr "Deppenleerzeichen".

Dort steht geschrieben:

der Eurovision Song Contest; Genitiv: des Eurovision Song Contests

http://www.duden.de/rechtschreibung/Eurovision_Song_Contest

Bei einer Zusammensetzung wie Song-Contest-Gewinner würde ich Ihnen recht geben, aber wenn man nur vom Song Contest schreibt ist das völlig richtig.

Ich bin entsetzt!

Alte Weiber aus Russland kommen weiter und junge Burschen aus Österreich fallen auf die Nase. Der Faymann ist für die Desaster verantwortlich! Diese Linke...

7 2

Neue Platte

Vielleicht könnten die Leutchen mit Rücksicht auf allfällige Musikfreunde noch ein paar weitere Jahre zuwarten, bis sie das nächste Machwerk unter die Leute bringen wollen.

Gast: horst mayer
23.05.2012 17:38
8 3

jetzt sind sie da wo sie hingehören in der dorfdisco


Die Sache ist gelaufen.

Könnte man uns bitte jetzt mit diesen Auswüchsen ruraler Saufkultur in Ruhe lassen?

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Das wars Gott sei Dank!

Well we got no choice, all the girls and boys, makin´ all that noise, ´cause the found new toys, well we can´t salut ya, can´t find a flag, if that don´t suit ya, that´s a drag.

Trackshittaz´s out for summer, trackshittaz´s out for ever, Song Contest´s blown for pieces!

Copyright by ALICE COOPER


Dreck Shit !

Auf Deutsch Scheißdreck !

Re: Kopieren sie bitte nicht meine Texte …

… so schlecht! ;8)

Hier das Original http://goo.gl/D0awF

Gast: Klaus
23.05.2012 16:39
13 1

falsche Rubrik

was hat das bitte in der Rubrik "Kultur -> Pop" zu suchen. Das gehört eher in die Rubrik "Skuriles".

7 10

An alle Suderanten und Kulturpessimisten

Lest bei Twitter die Tweets @trackshittaz.

Das international Echo ist so überwältigen positiv und das Bedauern über das vorzeitige Ausscheiden so groß, dass selbst ich es kaum glauben kann.

Was unsere Jungs da geschafft haben ist ein klasse Party-Titel. Das sie nicht weiterkommen liegt ganz offensichtlich mehr an politischen Animositäten, als am TV-Publikum.

4 2

Re: An alle Suderanten und Kulturpessimisten

Welche ausländische Presse lesen Sie denn?
Überwiegend Spott und Hohn!

 
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