Songcontest 2012: Eine Mixtur aus Ohrenbluten und politischem Statement

28.05.2012 | 16:31 |  von Samir H. Köck (Die Presse)

Schwedens Favoritin Loreen gewann mit ihrem Lied „Euphoria“ den Songcontest 2012 in Aserbaidschan. Großbritannien überraschte hingegen mit schlechtem Abschneiden und Albanien mit origineller Zopfmedusa.

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Ein unheilvolles Gemisch aus Völkerpsychologie, Milieustudie und Hand-, Kaffeesud- und Horoskopleserei führt alljährlich zum Sieger des Eurovision Song Contest. Heuer glaubten viele, zunächst einen Trend zur Gerontophilie ausmachen zu können. Der 76-jährige Engelbert, britischer Earl of Schnulz, und die nur unwesentlich jüngere russische Girlgroup Buranowskije Babuschki zählten zu den Favoriten – und unterlagen.

Engelbert vermochte seine Botschaft „Only Love Can Set You Free“ so gar nicht glaubwürdig zu vertreten. Wenn man in diesem Alter noch an die Liebe glauben muss, dann ist etwas falsch gelaufen. Die Babuschki gaben sich hingegen weniger pathetisch und luden, fröhlich die Glieder zum Technobeat schlackernd, zur „Party for Everybody“. Nach ihrer nur ganz klein wenig arthritisch getanzten Blini-Back-Show reichte es immerhin für Platz 2.

Gewonnen hatte am Ende die Favoritin, die so schön unschwedisch aussehende Loreen. Während die russischen Partyomas unmittelbar nach der Veranstaltung wohl das eine oder andere Fass öffneten, bestand die marokkanischstämmige Schönheit auch nach ihrem Triumph darauf, „kein Party-Chick“ zu sein.

Die als Lorine Zineb Noka Talhaoui in Stockholm geborene Sängerin war mehr nach Message als nach alkoholischer Magennervenmassage. Sie hatte als einzige Teilnehmerin Kontakt zu politischen Aktivisten in Baku. Sie traf Protagonisten der Menschenrechtsbewegung „Sing for Democracy“ ebenso wie Frauenrechtsaktivistinnen. Die Gastgeber interpretierten dies als Eklat und zitierten den schwedischen Botschafter auf eine Abmahnung ins Außenministerium. Loreen blieb kämpferisch – auch, als sich am Ende 372 Punkte auf ihrem Konto ansammelten. Nichts weniger als „die Freiheit“ symbolisiere ihr wilder, barfüßig getanzter Waldelfentanz.

Bloß ihr Lied „Euphoria“ war entgegen anderslautender Beteuerungen des schwedischen Delegationsleiters nicht wirklich originell. In ihm verband sich das Bombastpathos von Florence & The Machine mit Effekten, die man längst von anderen R&B-Größen kennt. Die Art, wie Loreen die Zeile „I'm going up, up, up, up“ intonierte, war eindeutig Rihanna geschuldet, die das im Pop lange unterschätzte Meckern längst zu einem ihrer Markenzeichen gemacht hat.

Origineller war da schon Loreens modisches Statement, mit dem sie voll auf Boheme-Chic machte. Wer unbedingt das Tiefe im Seichten der ambulanten Orakelstätte Songcontest ausmachen wollte, der konnte heuer einen ungewöhnlichen Trend lokalisieren: Vielen Teilnehmern konnte man die Herkunftsländer nicht unbedingt ansehen.
Neben der arabisch-berberischen Siegerschönheit aus Schweden rangen ein iranischer Norweger, eine kongolesische Ukrainerin und in der Vorrunde immerhin ein chinesischstämmiger Mühlviertler nach Zuspruch.

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Diese Entkoppelung von Physiognomie und Nationalität war ein erstaunlich politisches Statement für eine Veranstaltung, die, ähnlich stur wie die Formel 1, auf apolitischer Ausrichtung besteht.

Einzig die Jurys aus Schweden und Finnland ironisierten die bombastische Selbstdarstellung des autoritären, aserbaidschanischen Regimes. Und die Deutsche Anke Engelke nützte ihre Redezeit bei der Punktevergabe gar, um für das Prinzip der Wahlmöglichkeit zu werben.

Am Ende herrschte (beinah) allseits Wonne. Die großartige, albanische Gesandte Rona Nishliu sorgte mit „Suus“, dem originellsten Lied des Wettbewerbs, zu gleichen Teilen für Entzücken und für Ohrenbluten. Das unerforschliche Orakel, das dieser Tage aus einer Mischung von Televoting und Juryentscheid gesprochen wird, platzierte die Zopfmedusa mit ihrer abenteuerlichen, gesanglichen Selbsterforschung letztlich auf den respektablen fünften Platz. Sie wird im Gedächtnis bleiben, wie wohl auch die sympathische Siegerin Loreen.

Auf einen Blick
Schwedens Loreen überzeugte mit 372 Punkten Jury und Publikum. Hinter ihr platzierten sich die russischen Mitfavoriten Buranowskije Babuschki auf Platz zwei. Zuvor hatte sich die Siegerin mit Oppositionellen des autoritär regierten Austragungslandes Aserbaidschan getroffen. Schwedens Botschafter wurde daraufhin ins Außenministerium zitiert. Auch die Deutsche Anke Engelke übte im Rahmen der Punktevergabe Kritik.

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123 Kommentare
 
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Herr Wrabetz zeigt Niveau Teil 2

Ich muss gestehen, dass mir der Beitrag Russlands am besten gefallen hat. Warum? Weil der Auftritt der Babuschki originell war und weil dieses Lied als einziges eine Melodie hatte, die ich auch noch am nächsten Tag summen konnte und damit in meiner Erinnerung blieb. Vom Beitrag Schwedens kann ich dies nicht behaupten. Aber man muss natürlich auch den kommerziellen Hintgergrund des Song Contests sehen. Mit sechs Babuschki aus Russland kann man nicht so viel Geld verdienen wie mit den Teilnehmern aus Schweden, jungen Leuten, die man als Produzent pushen kann und mit denen man die Hörer genauso manipulieren kann wie die Wettbüros. Es wäre eigentlich interessant die zwei Wertungen, nämlich die der Zuseher und die der Jury getrennt zu betrachten. Ob beim Publikum auch Schweden gewonnen hätte, wage ich zu bezweiflen. Daher bin ich überzeugt, dass die Juroren das Ergebnis, so wie es gekommen ist, erzeugt haben und nicht die Zuseher und Zuhörer und damit ist die Farce "Song Contest" perfekt. Ich glaube, dass die Mehrheit der Zuseher so denken wie ich nur Herr Wrabetz hat den wahren Ablauf nicht verstanden und findet den Song Contest toll. Sollte Österreich wieder am Song Contest teilnehmen so empfehle ich auf Rap-songs in Zukunft zu verzichten, denn damit kann man nur den letzten Platz erreichen wie wir erkennen mussten. Besser ist es wenn man ein Lied wählt, dass Herrn Wrabetz nicht gefällt, vielleicht hat Österreich dann wieder eine Chance auf eine bessere Bewertung.

Herr Wrabetz zeigt Niveau Teil 1

Wenn Herr Wrabetz diesen Song Contest als "toll" bezeichnet, dann zeigt sich für mich das Niveau des ORF und seinen Verantwortlichen. Der gesamte Song Contest war in meinen Augen, wie auch und in den vergangenen Jahren, eine Farce. Wenn vor den beiden Semifinalen, in denen die Lieder ja eigentlich erst vorgestellt werden, bereits bei den Wettbüros ein Sieger, nämlich Schweden feststeht, dann frage ich mich wozu bei einer derartigen Manipulierung den Song Contest eigentlich noch durchführen? Hier schreibt nicht ein Österreicher, der enttäuscht ist, dass Österreich nicht ins Finale gekommen ist, ganz im Gegenteil, der Beitrag von Österreich hätte auf keinen Fall ins Finale kommen dürfen, denn er war es nicht wert. Dafür gab es genügend andere Beiträge, die es verdient hätten aber auch nicht geschafft haben. Wenn von Albanien allen nur der Schrei im Ohr bleibt, dann hat hier die falsche Kanditatin den Aufstieg ins Finale geschafft. Die Punktevergabe im Finale war dann der Höhepunkt der Farce. Die einen Länder vergeben ihre Punkte nach geographischen Interesse, so etwa Griechenland, dass seit Jahren Zypern mit 12 Punkte belohnt und zum Dank dafür 12 Punkte von Zypern bekommt. Aserbajdschan, das 12 Punkte an den Nachbarn Türkei und vergibt und zum Dank dafür 12 Punkte von der Türkei erhält. Bei den Skandinaviern und den Balkanländern ist es genauso. Die restlichen Länder vergeben Punkte entsprechend der Rankings der Wettbüros.


öfter gecancelt - meine komm´s

jetzt könnt´ Ihr l e mu r e n mich

doller öwf chef

nochmals- weil zensuriert:
öster wiederholungs fernsehn - chef = A; lobt dreck + sschei (trackshit), weil gleiches von zwangsgebühren eingefahren.....
capito?

Gast: werbistdu
30.05.2012 16:07
0

Vielleicht

hätte auch Frau Wurst mitfahren sollen.
Diese 3 Figuren auf der Bühne hätte uns den goldenen Spucknapf gebracht.

Dieser

ganze Songcontest ist so notwendig wie ein Kropf. Gleiches gesellt sich zu Gleichem, jetzt wissen wir, warum der ORF da mitmachen muß.

Da der ganze Songcontest für'n Popo ist

geht mir die Platzierung der österreichischen Popo-Wackler voll am Popo vorbei.

Immerhin

Immerhin wissen wir jetzt, warum der ORF die Gebühren erhöhen muss - nicht auszudenken, wenn uns ansonsten so kulturell wertvolle Beiträge wie dieses Jahr entgehen würden.

Der Songcontest ist schwachsinnig und politisch zugleich

Die Darbietung im Halbfinale war gegenüber jener aus früheren Sendungen nicht mehr wiederzuerkennen und wurde anscheinend von ihrer angeblich sexistischen Komponente politisch korrekt weitgehend befreit. In einer Diskussionssendung wirkte einer der sympathischen und durchaus intelligenten Mühlviertler ein wenig wie ein lustiges Urviech, was auch den Reiz der Nummer ausgemacht hätte. Die hübsche Freundin von Lukas Plöchl beschwerte sich jedenfalls nicht über den Sexismus, während eine altjüngferlich wirkende graue Maus sich darin nicht genug tun konnte und offenbar mit ihresgleichen in öder Bescheuertheit über alle Grenzen vereint die Demontage der Gruppe geschafft hat. Außerhalb von Schoko-Bons darf es anscheinend keinen Spaß mehr geben. Gut manipuliert heulen dann alle Leute mit. Es gibt keine Gewinner eines Bewerbs mehr, die nicht "gemacht" werden.

Um was geht es hier eigentlich??


Wrabetz...

Wer "Mitten im 8ten" gut fand, und verteidigt hat, hat auch kein Problem damit die Shittaz zu verteidigen...

Wie kann sich dieser Clown so lange im Sessel halten?! Er hat von Anfang an nur mieseste Ergebnisse erziehlt. In jedem anderen Land wäre er geflogen!

Re: Wrabetz...

Es kommt auf den politischen Hintergrund an und den hat dieser Wrabetz. Als gstandener Roter wird ihn die Paddei nicht so schnell fallen lassen. Wer sollte dann die Paddeipropaganda machen?

Gast: poldine
30.05.2012 07:30
4

also dieser


wrabetz (roter gehilfe faymanns) sieht da eine gute performance, wenn wir an letzter stelle sind?

durch solche aussagen wissen wir, warum der orf unsere zwangsmitglieder-beiträge nicht mit privaten anbietern teilen will.

ich muss auf kundenwünsche eingehen und nicht meine eigenen wünsche und die der partei in den mittelpunkt stellen.

alles klar?

Gast: gast234
30.05.2012 00:28
1

kommt der

schoki ausm popo
weißt die
shittaz is am dampfn

Gast: wuer
29.05.2012 20:44
1

und wo bleibt die Darstellung der Ergebnisse getrennt nach Jury und Televoting?

Diese Ergebnisse wären interessant, dann angeblich soll die Jury "kompetenter" sein, was allerdings zu bezweifeln ist, wenn man hœrt, wer da in der Jury sitzt.
Also weg mit der Jury oder ein eigener Jurypreis.

Gast: Hemingway
29.05.2012 20:30
4

Der manipulative Rotfunk ist mutschuldig und ein weiterer Grund, keine Zwangsgebühren mehr zu bezahlen.

Abmelden, keine Verblödungsprogramme mehr konsumieren, auf intelligente in- u ausländische Sender ausweichen.

Gratisabmeldeformulare gibt es zum Herunterladen !

Viele fragen sich, warum 2012 durchschnittlich jeder Mitarbeiter dieses Verblödungsfunks 106.000 Euro 'verdient', wobei man annehmen darf, dass die Putzfrauen keine 106.000.-- Euro bekommen - daher kassieren in diesem Verblödungsfernseh- und Rundfunk viele mehr als 3.000,000 .-- ehemalige harte Öst. Schillinge !

Hoffentlich wacht die Bevölkerung bald auf !

Antworten Gast: nichtfan_orf
30.05.2012 07:31
1

Re: Der manipulative Rotfunk ist mutschuldig und ein weiterer Grund, keine Zwangsgebühren mehr zu bezahlen.


das wird ihnen bald nichts mehr nützen, denn in deutschland bezahlt JEDER haushalt egal ob er tv hat oder nicht.

dieses system soll auch in österreich eingeführt werden

Gast: yoshi1
29.05.2012 20:29
3

Songcontest

Wer nimmt denn diese Bewerungen ernst? Kleinststaaten wie Albanien oder Mazedonien haben eine gleich starke Stimme wie Deutschland. Gäbe es noch deutsche Kleinstaaten (Württenberg, Bayern, Westfalen,..) würde dieses Kasperltheater regelmäßig anders ausgehen.

So schanzen sich ehemalige Ostblockstaaten die Punkte eben gegenseitig zu, ist doch schon lange bekannt. Eines muss man dem Ganzen lassen: Die interessanteren Beiträge gewinnen dann doch oft, unabhängig von der Nationalität.

Re: Songcontest

Das ist doch sowas von egal, wer wen gut oder schlecht bewertet. Dieses Kasperltheater ist nicht einmal unnötig.

Gast: ausOÖ
29.05.2012 20:28
1

Die Nachricht kann doch keinen überraschen!


Gast: Ösi
29.05.2012 20:04
1

Ein super Ergebnis für Österreich! Sonst sind wir ja immer bei den Letzten die Allerletzten

Also fest Kohler fliessen lassen.
Und für Österreicher ist auch der Text hochintellektuell.
Ein FPÖler versteht ihn in 100 Jahren noch nicht.

so long
Ösenpower

Re: Ein super Ergebnis für Österreich! Sonst sind wir ja immer bei den Letzten die Allerletzten

Soll das heissen, muß entsprechend intelligent sein, um diesen Text zu verstehen? Und soll weiter heissen, ihre Genossen haben bei diesem Text den totalen Durchblick? Ich denk mir meinen Teil...ggg

"Trackshittaz auf letztem Platz"

Und der ist noch zu gut für die.

Gast: gast1984
29.05.2012 18:32
5

Wrabetz sprach trotzdem von einer guten Performance.

Ah dafür zahle ich in Wien 24,88€/monat!

Um die Wurst

... so haushoch verloren (sogar der vorletzte Platz hat doppelt so viele Punkte eingefahren), dass es nicht einmal "um die Wurst" ging.
(Kleines Wortspiel)
(Nicht witzig, weiß ich eh')

 
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