Nova Rock: Metallische Traditionsmaschine

11.06.2012 | 17:36 |  Von Philipp L'Heritier (Die Presse)

Metallica beendeten das burgenländische Rockfestival mit dem Rückgriff auf ein klassisches Album. Und James Hetfield trug seine „Kutte“, diese ärmellose, mit zahllosen Bandaufnähern übersäte Weste, mit Würde.

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Metal ist heute meist auch Brauchtumspflege, das Verwalten alter Werte. Am letzten Tag des Nova- Rock-Festivals gelang auf der Hauptbühne gegen Ende hin eine Programmierung, die zwar Etabliertes fortführte, dabei aber immerhin ansatzweise neue Möglichkeiten erprobte. Etwa die Band Mastodon aus Atlanta, Georgia, die ihren Zeitlupen-Rock mit nervös hakenschlagenden Anleihen bei Jazz-Core durchsetzte.

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Oder Slayer, die noch bei Tageslicht (was zu ihrem Habitus nicht wirklich passte) schon weit mehr Publikum vor die Bühne locken konnten. Die kalifornische Band Slayer gehört neben Anthrax, Megadeth und Metallica zu den „Big Four“ des Thrash Metal, einem Metal-Subgenre, das vor allem durch hohe Geschwindigkeit und schneidende Energie besticht. Slayer ist mit Texten über Folter, Massenmord und Sympathie für den Teufel die radikalste dieser vier Bands; musikalisch ist sie wohl die beste: Ihre Handwerkskunst ist martialisch und präzise zugleich. Ein Höhepunkt, wenngleich man derlei Musik vielleicht gerne bei etwas größerer Lautstärke erlebt hätte.

Nach der finnischen Band Nightwish, die sich mit ihrem symphonisch aufgeladenen Metal teils gefährlich weit in Gegenden handzahmen Hardrocks vorwagte, war mit Metallica wieder Zeit für eine härtere Gangart – bei gleichzeitigem Massen-Appeal. Das Quartett aus Los Angeles scheint den Trend zur Retromania schon vor sechs Jahren auch im Metal vorausgeahnt zu haben und hat so 2006 zum zwanzigjährigen Jubiläum ihres Albums „Master of Puppets“, das immer wieder als dieses eine mögliche „beste Metal-Album aller Zeiten“ gehandelt wird, dieses zur Gänze live aufgeführt. Seine aktuelle Tour steht nun im Zeichen des schlicht „Metallica“ betitelten Albums aus dem Jahr 1991: Dieses „Schwarze Album“ ist, was Breitenwirksamkeit anbelangt, zweifellos der Klassiker im Katalog von Metallica, wenngleich ein umstrittener: Mit ihm überschritten Metallica den Rubikon zum Kommerz, was für nicht wenige Fans – erwartungsgemäß, weil ja früher immer schon alles besser gewesen ist – eine abzulehnende Verweichlichung darstellte. Heute hält das Album bei über 25 Millionen verkauften Stück, 1991 war es ähnlich wie die im selben Jahr erschienenen Alben „Nevermind“ von Nirvana und „Use Your Illusion“ von Guns'n'Roses eine der Platten, die kaum in einem Haushalt fehlen durften, in dem Gitarren nicht komplett verpönt waren.

Von hinten nach vorn gespielt

Bei aller Liebe zur Werktreue muss ein Konzert dann doch ein oder zwei Überraschungen bereithalten. So läutete die Band ihr Konzert mit einem fünf Stücke starken Set aus albumfremden Songs ein, darunter die Evergreens „Master of Puppets“ und „Hit the Lights“ – gerüchteweise der erste Song überhaupt, den Frontmann James Hetfield und Drummer Lars Ulrich gemeinsam geschrieben haben – und das vergleichsweise frische Stück „Hell and Back“, das der einzige neue Song bleiben sollte.

Nun ist das „Schwarze Album“ von Metallica ein sehr gutes, aber kein perfektes; vor allem dramaturgisch fällt die zweite Hälfte der Platte mit Ausnahme des Überhits „Nothing Else Matters“ etwas ab: Deshalb spielt die Band das Album auf Tour nicht vom ersten bis zum letzten Song, sondern in umgekehrter Reihenfolge. Ein kleiner Kniff, immerhin. So spitzte sich das Konzert gegen Ende hin auf Höhepunkte wie „Unforgiven“, „Sad But True“ und, zum Schluss, „Enter Sandman“ (sozusagen das „Smells Like Teen Spirit“ von Metallica) zu. Große Überraschungen gab es nicht: Diese Band läuft rund wie eine Maschine, sie „funktioniert“ wie eine Firma, ein Betrieb, eine Fabrik, in der die Fließbänder nie stillstehen.

Nach dem regulären Set schlossen die Zugaben „One“ und vor allem „Seek and Destroy“ von „Kill 'Em All“, dem ersten Album von Metallica, den Abstecher in die Vergangenheit ab. Während des Konzerts trug Sänger und Gitarrist James Hetfield eine „Kutte“, diese ärmellose, mit zahllosen Bandaufnähern übersäte Weste, die eines der traditionellsten Metal-Insignien darstellt. Sie gehört stilistisch tief in die Achtziger – in die Zeit, als die Metal-Männer noch lange Haare hatten. So diente dem 48-jährigen Hetfield seine Kutte zugleich als modisch-ironisches Hip-Statement des Jetzt und als Dokument seines tiefschürfenden Traditionsbewusstseins.

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7 Kommentare
Gast: supernova
18.06.2012 12:50
0

nie wieder nova?

Irgendwie duerfte das Festival immer mehr absacken, findet ihr nicht? Traditionell ist es schon aber super teuer und da kann man ja eigentlich gleich raus aus Oesterreich und aufs Sziget fahren - das ist wesentlich billiger und BESSER!

hier gibts uebrigens noch einen Festialbericht zum Nova: http://mokant.at/musik/1206-novarock.html
"Nach 130 Euro für die Tickets waren die Besucher wie jedes Jahr nicht gerade amüsiert über Bier um 5,50 Euro" - naja, verstaendlich.

Re: Novapop

ich sehe es genauso. im prinzip ist das ganze eine große abzocke geworden. tagsüber waren die bühnen kaum besucht. österreichische bands wurde keine gelegenheit geben sich auf einer großen bühne zu präsentieren. das lineup war war ohne zielgruppe, daher auch bands mit kaum echten fans (bei slayer war rundherum alles leer, bei metallica gähnende gesichter). und die besucher haben sich in den letzten 5, 6 jahren vom "musikinteressierten der party machen will" zum "pupertierenden der sich am camping/caravanplatz besaufen will" gewandelt. ich sag mal ein nickelsdorfer oktoberfest ist stimmungsvoller mit weit weniger leute als am novapop.

Gast: foreground
12.06.2012 09:47
1

Metallische Geldmaschine

Hat sich die metallische Geldmaschine dann doch noch nach Europa gewagt. Ende letzten Jahres saß ihnen ja noch die Angst vor dem Euro im Nacken. Ja, ja so sind sie halt die "harten Jungs von Metallica" wenn es ums Geld geht.

Re: Metallische Geldmaschine

Leider ist aus dieser Band ein Wirtschaftsunternehmen geworden, ab dem Black Album. Es wäre besser gewesen, wenn sie damals mit diesem Mainstream Album, möchte man schon fast sagen, nicht so erfolgreich gewesen wären. Ich mein, es war nicht schlecht, aber Kill'em all und Master of puppets waren bei weitem besser. Danach Load und Reload haben sie sich nochmals gesteigert, neue Variationen probiert, haben mir gut gefallen.

Die vorigen (Justice, Master of puppets) haben sich ohnehin auch schon ganz gut verkauft. Und diese Experimente mit Klassik und Heavy Metal, weiss nicht, waren auch entbehrlich.

Antworten Antworten Gast: dilly
12.06.2012 20:40
0

Re: Re: Metallische Geldmaschine

sheisse man,.......Master of puppets is der beste metal Album aller Zeiten und du sagst dass er sich "ganz gut verkauf" hat......wtf ?

Antworten Antworten Antworten Gast: jalso
13.06.2012 14:54
0

Re: Re: Re: Metallische Geldmaschine

master of puppets das beste...was? ich hau mich weg!^^
hör dir mal guten metal an...

Re: Re: Re: Metallische Geldmaschine

WTF? Anpöbeln kannst du wen anderen

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