Das hiesige Afrikabild trieft teilweise immer noch vor Klischees. Umso schöner, wenn sich eine jüngere Künstlerin wie die in den Traditionen von Mali sozialisierte Fatoumata Diawara als moderne Liedermacherin präsentiert, in deren Musik sich progressive Klänge und traditionelle Rhythmen anstrengungslos verbinden. Für junge afrikanische Künstler ist es wichtig, sich nicht zu sehr an die Folklore zu binden, sie aber auch nicht zu verleugnen. Schließlich gelten oft ausgerechnet jene, die im „Weltmusik“-Segment des europäischen und amerikanischen Markts erfolgreich sind, in ihrer Heimat kaum etwas.
Das könnte sich mit Diawara ändern. Ihre Stimme fasziniert: Von melancholischer Tiefe reicht sie oft auch in sinnliche, heisere Gefilde. Jazzgranden wie Herbie Hancock und Dee Dee Bridgewater haben sich ihrer schon bedient. 2011 erschien endlich ihr Debütalbum auf dem renommierten World-Circuit-Label. Obwohl sie seit längerer Zeit in Paris lebt, spiegeln ihre Lieder afrikanische Probleme wider: Krieg, Entsolidarisierung, Waisenkinder und Händel mit dem Liebespartner. Sie bettet ihre grundsätzlich sanften Lieder auf attraktiven Rhythmen. So wurde in der Kremser Sandgrube bald subsaharisch getanzt. Das schwungvolle „Kélé“ bestach mit Afrobeat-Anmutung, das auf einem steinalten afrikanischen Rhythmus gebaute „Makoun Oumou“ widmete Diawara ihrem Vorbild, der Sängerin Oumou Sangare, die sich kraftvoll angestammter Rollenbilder erwehrt.
Emanzipatorisch war immer schon auch der Ansatz von Flügelhornmeister Hugh Masakela. In Krems zeigte sich der 73-Jährige mit körperlich fordernden Tänzen, gleißendem Spiel und ausuferndem Storytelling sehr vital. Mit seiner Autorität konnte er sogar naive Schöpfungsmythen erzählen, ohne dass es jemand gewagt hätte, ihn zu belächeln. Flugs hatte er das Publikum im Griff: mit Klassikern wie seiner Bergarbeitersaga „Stimela“, dem den Brauch der Mitgift karikierenden „Ha Le Se“, der feurigen Adaption von Fela Kutis „Lady“. Der perfekte Abschluss eines Festivals, das die hohen Erwartungen einmal mehr erfüllte. sam
Glatt & verkehrt: Subsahara im Kremser Sand
30.07.2012 | 16:38 | (Die Presse)
Die 16. Ausgabe des famosen Festivals Glatt & verkehrt in der Kremser Sandgrube endete mit viel Jubel um Fatoumata Diawara und Hugh Masakela. Ein Festival, das die hohen Erwartungen einmal mehr erfüllte.
1 Kommentare
MasEkela
Lieber sam: Der Mann heißt Hugh Masekela!Den Künstlernamen gleich zweimal in einem Artikel falsch zu schreiben, ist nicht nett ;)
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