Regen, Regen, Regen, wir alle hofften bis zum letzten Augenblick, dass der Wettergott ein bisschen erbarmen mit uns Festivalfreaks zeigen würde… Wir wurden auf die Probe gestellt und so mancher Camper ging an seine Grenzen.
Das Palaveramafestival am Bleyleben Festgelände gehört jedes Jahr zu den Top Events im ganzen Waldviertel, perfekt organisiert und mit hervorragender Live Act Besetzung punktet Gmünd in jeder Hinsicht. Doch können 2 Tage Dauerregen die Stimmung trüben???
Freitag Mittag, das Zeltdorf füllt sich, Pavillon neben Pavillon, partyfreudige Menschen und ein paar Verrückte bereiten sich Alkohol- und Stimmungsmässig auf ein super Wochenende vor…Der kleine aber feine Zeltplatz hat viel zu bieten. Nach einem Rundgang eröffnet sich einem die wunderbare (Zelt)Welt der Festivalmeute. Im Norden, erblickt man das kleine Lebensmittel HTL-Dörfchen mit selbstgemachter Wurst und Kabanossi, im Osten stolpert man über lautstarke Melonenbowle Mädls, die sehr einladend für sich werben. Im Süden der Palaverama Zeltstadt sind die Biertrinkenden Luftgitarren Heros gerade dabei, ihren Gig für den Abend zu proben, bis man schlussendlich westlich im hintersten Eck auf die Shisha Junkies trifft, die einem mit einem zum verwechseln ähnlichen Grinsekatzen Gesicht versichern: „des is’ a Erdbeertabak“. Jeder freut sich sichtlich, dabei zu sein, das Biertschi steckt im Campingsessel-Getränkehalter, der Pavillon steht – Herz, was willst du mehr…? Mit der Dämmerung wird’s frisch, doch die Waldviertler sind das raue Klima sichtlich gewohnt. Die Grashüpfer versammeln sich auf den Zelten und beobachten das junge Treiben der Campierenden. Wer jetzt sein Innenzelt noch nicht zugemacht hat, der schläft heute Nacht sicher nicht allein…
20:45 pünktlich eröffnet Helmut Rosenmayer mit seinen Jungs (Rosi & The Gang) das Palaverama und lockt mit seinen Klassikern die Leute vom Campingplatz ins Festivalzelt. Nach strengem Zeitplan und kurzem Soundcheck liefern „The Freaks come out at Night“ nicht nur eine super Bühnenperformance, sondern geben mit ihrem Aufruf: man darf auch seinen Arsch bewegen!“ den Startschuss zum „moshen“ ( gegenseitiges schubsen).
Mit „The Integrals“ kommen nun die Electronic/Trash People auf ihre Dance Kosten. Die 2 Jeti-Verschnitte heitzen dem Partyvolk mit fetzigen Remixes ordentlich ein, sogar die wilden „Slayer“ Jungs können nicht ruhig stehen bleiben und sind sichtlich „amused“. Draußen beginnt es zu regnen, das Zelt füllt sich allmählich und der Barbetrieb läuft auf Hochtouren. Mit akzeptablen Getränkepreisen ( Cola-Rum 1.50€), einer großen Auswahl an feinen Cocktails und einem Platz im Trockenen fühlen sich alle sichtlich wohl.
Den krönenden Abschluss der Ersten Hälfte des Palaveramas liefern „Camo & Krooked“. Die mittlerweile sehr erfolgreichen FM4 Awards Anwärter versorgen mit feinstem Drum & Base. Auch wenn nur Einer der Jungs im „Plan b“ shirt an den turntables steht… das Zelt tanzt!
Samstag Früh. Diejenigen, die es im Laufe der vergangenen Nacht noch ins Zelt geschafft haben, um sich ein bisschen auszurasten oder den Rausch auszuschlafen, ersparten sich die Morgentoilette… Wasser, Wasser und noch mehr Wasser. Der Dauerregen über Nacht füllte so manches Zelt. „Come together“ bekommt somit eine neue Definition: kleine Menschengrüppchen bilden sich, bewaffnet mit Campingsessel und Dosenbier, unter den noch stehenden Pavillons. Ein eindeutig, mehrstimmiges neues Ziel wird definiert: Das Palaverama überleben!
Während die „Warmduscher“ schnell ihre 7 pitschnassen Sachen zusammenpacken und ins Auto flüchten (wobei einige Festivalbesucher leider gleich ganz nachhause fuhren), lässt sich der harte Kern nicht unterkriegen und feiert mit guter Laune dem Regen zu Trotze. Um kühles Bier, muss man sich weniger Sorgen machen, eher noch wo man trockenes Gewand herbekommt…
„Benjaming Band“ sollte eigentlich Outdoor auftreten. Die Bühne steht jedoch unter Wasser – also Indoor Session. Die tschechische Punkrock Band mit Mandoline und Dudelsack rockt im Kilt was das Zeug hält. Regenponcho Fans vor der Bühne: sichtlich begeistert.
Die deutschen „Earl Mobileh“ gewannen bei einem Band Voting ihren Auftritt am Palaverama. Verdienter Sieg? Geschmackssache!
„Sex Jams“, die Noise Rock Band aus Wien, liefern dem Publikum tolle Nummern. Die Mikrofonkabel-Akrobatin und Sängerin Katarina Trenk leistet absoluten Körpereinsatz auf der Bühne. Wow! Eine Band, die sich, auch der Menschenmassen vor der Bühne zufolge, echt sehen lassen kann. Ein gelungener Auftritt!
Strömender Regen am Gelände. Bevor die nächste Band ihren Gig starten kann, leistet die Freiwillige Feuerwehr von Gmünd noch einen kleinen „Pausenfüller“ und rückt zur Wasserentsorgung aus. (Zwischen Bühne und Publikum bildet sich ein kleines Bächlein, das zu einem Bach werden droht.)
So bekommen auch die Wave Breaker, an denen die Fans in Erster Reihe stehen, eine ganz andere Bedeutung.
Wer jetzt noch nicht in Gummistiefeln steckt, braucht sie erst gar nicht mehr anziehen! Das komplette Festivalgelände steht unter Wasser. Völlig verzweifelt übersiedelt die Crew die Außenbar ins Festivalzelt und verlegt für das Turnschuhvolk neue Wege mittels Euro-Paletten.
Die 2/3 Besetzung von „Gary“ verzaubert mit Duettgesängen. Bei „summer breeze“ vergisst man für einen Moment alles rund um sich herum und man vertschüsst sich in seine eigene Phantasie…
„Velojet“ heizt einem wirklich ordentlich ein. Die Menge tobt! Für die letzte Nummer holt sich Velojet, einen anfangs ziemlich schüchternen Slipknot Fan auf die Bühne. Dieser darf sie bei ihrem letzten Lied an den Drums begleiten.
Das Zelt füllt sich allmählich wieder und das Barpersonal hat alle Hände voll zu tun.
Mit Ihrem Aufruf: „Denkt positiv Palaverama!“ kann die Reggae Truppe „Iriepathie“ beim Publikum ziemlich trumpfen. Reggae, Reggae, Reggae…und es war, als ginge die Sonne wieder auf…
„Ja, Panik“ enttäuscht seine treuen Fans nicht und zeigt sich von seiner besten Seite. Das Textsichere Publikum erfreut sich sichtlich und ist begeistert.
Die „Sofa Surfers“ geben den Co-Headliner am Palaverama und spielen was das Zeug hält. Nach einer Zugabe ist es dann auch für „Die Sterne“ soweit… und das warten hat sich gelohnt. Super Nummern, toller Abschluss, wie man es von den Sternen gewohnt ist!
Ich gratuliere allen Palaverama Freaks, die das heurige Ziel erreicht haben: einfach nur überleben!!
Für das schlechte Wetter kann ja keiner was dafür und für nächstes Jahr haben wir schon Sonne bestellt…
Das Palaverama 2010...für jeden Geschmack etwas dabei! Gut organisiert, moderate Preisgestaltung, geniales Line Up, tolles Festivalgelände, leckere Cocktails und eine grenzgeniale Stimmung! Ich erkläre somit das Palaverama als einen wirklichen Geheimtipp und zähle mich und meine Festivalgemeinde zu den kommenden Fixstartern für 2011.
Festivalreporter: Palaverama Festival





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