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Dirndl und Lederhose: Zeichen der Integration?

03.07.2012 | 18:15 |  ILONA ANTAL (Die Presse)

Migranten, die traditionell-österreichische Kleidung tragen – nur eine Inszenierung, um Aufmerksamkeit zu gewinnen? Ein Zeichen des Respekts für die österreichische Kultur? Oder einfach nur Provokation?

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„Wo ich spiele, kommen die Leute in Lederhosen“, sagt Cedrick Mugiraneza. So wie er selbst auch. Unter dem Namen „Ösi Bua“ sorgte der 22-Jährige für Aufsehen, sein Musikvideo „I bin da Ösi Bua“ wurde zum Hit auf YouTube. Wobei die Lederhose nur ein Teil des Phänomens ist. Der zweite ist der, dass er ursprünglich aus Burundi stammt – im Alter von neun Jahren ist er mit seinen Eltern aus seiner alten Heimat geflohen. Und die Kombination aus schwarzer Hautfarbe und österreichischer Tracht sorgte in der Öffentlichkeit für erhöhte Aufmerksamkeit.

„Ich fühle mich wohl in der Lederhose“, sagt Mugiraneza, der in Linz aufgewachsen ist. Und nein, die rustikale Bekleidung sei nicht einfach nur ein PR-Gag. Er sieht darin einen Beitrag zur Modernisierung der Kultur. Er sei stolz, Österreicher zu sein – und zeige das auch gern mit seiner traditionellen Kleidung. Viele Jugendliche halten das für schräg, doch ihn störe das nicht. „In meiner Musik geht es vor allem um Spaß“, sagt er.

 

Setzen auf den Exotikeffekt

Die Kombination von Migration und österreichischer Tracht scheint jedenfalls zu funktionieren. Ösi Bua wurde über Nacht zum Star. „Mit dem Tragen einer Tracht kann man sicherlich die Aufmerksamkeit kurz auf sich ziehen, egal, ob man eingewandert ist oder nicht“, sagt Migrationsforscher August Gächter. Eine integrative Funktion stecke jedoch nicht unbedingt dahinter – denn eine österreichisch wirkende Tracht hätte mehr oder minder denselben Exotikeffekt wie eine beliebige andere.

Gerade in der Kunst- und Musikszene gehören Inszenierungen und ungewohnte Auftritte zum Geschäft. Doch abseits dieser Szenen sind Migranten in Tracht selten. Abgesehen davon, sagt Migrationsforscher Gächter, könne man keinesfalls vom Tragen einer Tracht auf den Grad der Integration eines Menschen schließen.

Zsofia Homolya sieht das anders. Die gebürtige Ungarin ist Gründerin des Vereins „Österreichisch-Ungarische Gesellschaft“ und meint, dass man aus Respekt gegenüber den Österreichern auch österreichische Trachten tragen sollte. Es sei nicht unüblich, dass sich in Österreich lebende Ungarn zu ihrer neuen Heimat bekennen, indem sie zu bestimmten Anlässen im Dirndl oder in Lederhosen erscheinen. „Von den Migranten, die die österreichische Staatsbürgerschaft übernommen haben, wird das auch erwartet“, meint Homolya, denn schließlich wäre man seiner neuen Heimat zu so etwas verpflichtet.

 

Identität und Popkultur

Eine solche Verpflichtung sehen die Mitglieder der Linzer Hip-Hop-Band Hinterland nicht – auch sie sind in ihrem Video „Voixmusik“ in Lederhosen gestiegen. „Es hat zum Videokonzept gepasst, Lederhosen zu tragen“, meint Bandmitglied MC Akinyemi. Eine bewusste Verbindung heimatlicher Identität mit Popkultur sei das aber nicht gewesen. Eher das Spiel mit der bäuerlichen Identität. Doch wegen des Videos wurde der gebürtige Linzer, dessen Eltern aus Nigeria stammen, schon öfter auf die Parallelen zum Ösi Bua angesprochen.

Der Versuch, mit dem Tragen einer Tracht die Verbindung zu Österreich zu symbolisieren, kann allerdings auch negativ aufgefasst werden. So sah sich etwa Alev Korun, türkischstämmige Nationalratsabgeordnete der Grünen, mit heftiger Kritik konfrontiert, als sie 2009 in einer Sitzung des Nationalrats im Dirndl erschien. „Leider wird es nicht immer als positiv bewertet, wenn Migranten plötzlich Dirndl oder Lederhosen tragen“, sagt Psychologin Aglaja Przyborski von der Sigmund-Freud-Universität in Wien. „Es gibt konservative Gruppierungen, denen die Tracht im Sinne des Ausdrucks von Tradition und Kulturgut unglaublich wichtig ist, wo man sich auch gemäß den Veranstaltungen kleiden muss.“ Dementsprechend würden diese Gruppen bei Migranten das Tragen einer Tracht als eine Art von Provokation auffassen – auch, wenn das der Träger niemals im Sinn gehabt hat.

Yves Mulume Chikuru kümmert das nicht. Der im Kongo geborene österreichische Schlagersänger trägt seine Lederhosen „nur zu bestimmten Anlässen, bei denen alle in Trachten erscheinen“, erzählt er. Dabei gehe es ihm vor allem um den Ausdruck seiner Musik. Zu seinen Konzertauftritten, bei denen er österreichische Volksmusik singt, würde die Lederhose „einfach gut passen“, meint er. Mittlerweile singt Chikuru jedoch eher afrikanische Volkslieder – und trägt dabei auch afrikanische Trachten. Doch nach wie vor ist es seine freie Entscheidung, wann er überhaupt Trachten trägt, denn „bei heißen Temperaturen“, fügt er lachend hinzu, lässt er seine Lederhosen lieber zu Hause.

 

Auf Englisch angesprochen

Eine Tracht sagt im Grunde nicht viel darüber aus, wie sehr jemand in Österreich verwurzelt ist. Sie kann Mittel zum Zweck sein, der Inszenierung dienen oder auch einfach praktische Gründe haben. Und sie kann offensichtlich bestimmte Vorstellungen so und so nicht zurückdrängen: Dass etwa Menschen mit schwarzer Hautfarbe – bewusst oder unbewusst – nicht zugestanden wird, Österreicher zu sein. Ein Beispiel dafür ist der Vorfall, bei dem der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter den Fußballer David Alaba auf Englisch angesprochen hat. Und auch Rapper MC Akinyemi hat schon einen solchen Vorfall erlebt: Nach einem Auftritt redete ein Besucher auf Englisch mit ihm. Und das, obwohl er vorher eine Stunde lang in Mundart gerappt hatte.

Auf einen Blick

Migration und Tracht. Rapper Ösi Bua wurde 1989 in Burundi als Cedrick Mugiraneza geboren. Aus politischen Gründen flohen seine Eltern mit ihm nach Österreich. Hier sorgte er 2011 mit dem Video zu seinem Lied „I bin da Ösi Bua“, in dem er in Lederhosen auftritt und in Mundart rappt, für Aufsehen. Seither wird diskutiert, ob das Tragen österreichischer Tracht etwas über den Grad der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund aussagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2012)

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15 Kommentare
Gast: kokonyangola
09.07.2012 22:20
0 0

Falsches Bild

Liebe Ilona liebe Presse
auf dem Inou Simon und nicht der Ösi Bua.
Soviel Ich weiss der Yves Chukru (Grand Prix der Volksmusik 2009) schreibt zur Zeit Kinderbücher und singt (bis jetzt) keine afrikanische Volkslieder und macht bei Kirango mit.
Also einige Punkte im Artikel entsprechen nicht die wahrheit.

Gast: knorkinator
05.07.2012 07:01
0 0

falsches bild

liebe redaktion, wer auch immer das auf dem foto ist, das ist nicht der "ösi bua"!

Gast: zum andirndln
03.07.2012 21:40
9 1

weils unglaubwürdig war

So sah sich etwa Alev Korun, türkischstämmige Nationalratsabgeordnete der Grünen, mit heftiger Kritik konfrontiert, als sie 2009 in einer Sitzung des Nationalrats im Dirndl erschien. Bei vielen Wortmeldungen dieser Grünin war nie die ehrlichgemeinte Integration ihr Thema, daher war die "Dirndlverkleidung" verständlicherweise unglaubwürdig. Kopftuch wäre vielleicht besser gewesen.

Gast: Weniger K
03.07.2012 21:30
12 2

Es geht auch umgekehrt

Es gibt schon zahlreiche Österreichische Frauen, die aus Respekt vor dem Islam ein Kopftuch tragen!

Aber vielleicht wollen sie auch nur eine Gemeindewohnung bekommen.

Antworten Gast: zahloser_zähler
04.07.2012 10:20
0 0

Re: Es geht auch umgekehrt

es sind bestimmt unzählige...

0 0

Als Steller von Hilfstruppen wäre ich dankbar

wenn sich deren Regierung einsetzt 200 Jahre Geschichte zurückzugeben. Nicht im erleben. Sondern einfach die Schilderung der Geschehnisse.

Danke

Gast: Dezember
03.07.2012 21:06
7 0

Früher war das alles viel unkomplizierter

Roberto Blanco hat mal gesungen:

Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut, ..............

Das war damals einfach nur a Gaudi, da hat man noch nicht alles so zerpflückt und auf die Goldwage gelegt.
In manchen Beziehungen waren die alten Zeiten gar nicht so schlecht.

Re: Früher war das alles viel unkomplizierter

na ja vielleicht hat der Roberto Blanco das Lied auch gesungen, aber ursprünglich war's der Billy Mo.

lg

Gast: YBQ
03.07.2012 19:50
2 11

Wenn schon die Österreicher aufhören Tracht zu tragen

wieso sollten es dann die Migranten tun? Tracht ist out - auch wenn die Trachtenindustrie uns jedes Jahr (!) einredet, dass Tracht doch wieder in sei ....

1 3

Herr Oliver Pink...

... hat das mal vor einiger Zeit in einem Kommentar sehr gut zusammengefasst:

http://diepresse.com/home/leben/mode/kolumnezumtag/598339/Der-Trend-zur-Tracht

Ich hege hier eine ziemlich ähnliche Sichtweise....

Re: Herr Oliver Pink...

Was ist denn daran gut zusammengefasst? SUVs in den selben Kontext wie Tracht zu stellen ist ja wirklich äußerst unsinnig

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Re: Re: Herr Oliver Pink...

Das Tragen von Tracht war/ist zumindest in meinem persönlichen Umfeld (und offenbar auch in jenem von Hrn. Pink) vor allem bei jenen ausgeprägt, die in der Stadt aufgewachsen sind.
Obwohl es eigentlich eine ländliche Erscheinung ist.
Genauso ist es ja auch bei den SUVs der Fall.
Was sollte daran unsinnig sein?

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Find ich Super!!!

Mir gefällt der Kerl und das Lied auch ;-)

Re: Find ich Super!!!

Äh, Sie meinen wohl das "Lied", nicht das Lied. Und wenn ich schon dabei bin: "Super" ist, ganz unter uns gesagt, auch kein Substantiv.

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Re: Re: Find ich Super!!!

Und, ein Problem damit oder geilt sich der Herr nur an irgendwas im Text auf das er endlich seine sinnlosen und Überlehrerhaften Sichtergüsse abliefern kann ??