Der 32-jährige Keyboarder und Pianist Robert Glasper wollte sich nie in eine Schublade stecken lassen. Während er noch Jazz studierte, spielte er schon mit Hip-Hop- und R’n’B-Stars wie Q-Tip (A Tribe Called Quest) und Mos Def. Wann immer er auf seinen exzentrischen Alben Cover-Versionen machte, wie Herbie Hancocks „Maiden Voyage“ auf seinem Blue-Note-Debüt, dann bügelte er mit radikaler Sanftheit gegen den Strich. Auch auf seiner neuen Rundschau im Bereich Jazz und Urban Music wartet er mit zärtlich subversiven Neudeutungen auf. Den von Erykah Badu glasklar gesungenen Mongo-Santamaria-Klassiker „Afro Blue“ erkennt man kaum wieder, so ungewöhnlich verläuft der neue Pfad durch den Notendschungel.
Sehr bestrickend glückten auch David Bowies „Letter To Hermione“ (vom „Space Oddity“-Album) und das durch schräge Keyboardsounds giftig gemachte „Cherish The Day“ von Sade. Fast schockierend – wenigstens für Rockfans – geriet Glaspers mit Vocoder-Gesang ausgestattete Adaption von Nirvanas „Smell Like Teen Spirit“. Zu den selbst komponierten Highlights dieses vitalen Albums zählen „Fever“, Glaspers beseelte Kooperation mit der marokkanischen Sängerin Hindi Zahra und „Always Shine“, eine Hommage an den unvergessenen Gil Scott-Heron, diesen letzten radikalen, afroamerikanischen Musikpoeten. Sein imaginärer Sender „Black Radio“ sendet jedenfalls höchst erfrischende Wellen in den Äther.
Robert Glasper Experiment - "Black Radio"
05.07.2012 | 15:21 | von Samir H. Köck (Die Presse - Schaufenster)
Black Radio
TIPP
Robert Glasper Experiment - "Black Radio" (Blue Note)

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