Glücksfall. Die Dirty Projectors aus Brooklyn haben es einem bislang leicht gemacht, von ihrem kenntnis- und ideenreichen Avantgarde-Pop beeindruckt zu sein, aber ungleich schwerer, diesen auch ins Herz zu schließen. Sieht man von Songs ab wie „Knotty Piny“ mit David Byrne oder „Stillness in the Move“, dem R'n'B-getränkten Hit des famosen 2009er-Albums „Bitte Orca“. Nun gelingt Mastermind Dave Longstreth der Glücksfall: Bei aller Lust am Experiment, bei aller Originalität weiß das sechste Album „Swing Low Magellan“ auch zu berühren – und fesselt mit starken Melodien der wundersamen Stimme von Longstreth. Die bislang prägenden Elemente, die Polyrhythmik, die in sich stürzenden Beats, der Chorgesang, die Orchesterarrangements, sie sind alle hier. Doch dass Longstreth sein Genie ganz in den Dienst der Songs stellt und nicht in die Auslage, lässt Highlights wie „Irresponsible Tune“ nicht nur bescheiden wirken. Es macht die Musik seiner Band zugänglicher und beseelter denn je.
Dirty Projectors: „Swing Low Magellan“ (Domino)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)

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