Die rohe Energie, mit der sich Redd Kross in den Opener ihres ersten Albums seit 15 Jahren stürzen, zerstreut gleich zu Beginn jeden Gedanken, hier könnte es sich um ein lauwarmes Reunionalbum handeln. Oder noch schlimmer, um einen Akt der Selbstbeschädigung des eigenen Erbes. Im Gegensatz zu vielen, die auf der Retromania-Welle einzig Richtung Pensionsvorsorge surfen, fügt die 1980 gegründete Pop-Punk-Formation ihrem Œuvre nicht bloß eine Fußnote hinzu, sondern eines ihrer besten Alben überhaupt. Songs wie der Titeltrack „Researching The Blues“ oder „Stay Away From Downtown“ klingen so scharf, so dringlich, als hätte man sich gerade erst formiert. Andere wie „Draculas Daughter“ oder „Meet Frankenstein“ zeugen von ihrem Faible für Popkultur-Referenzen und Bubblegum-Pop, das sie einst in der Punk-Szene von L. A. hervorstechen ließ. Gemein sind den zehn Songs starke Melodien, die sich festsetzen. Würden nur mehr Bands bei ihrer Rückkehr in solcher Hochform sein!
Redd Kross: „Researching The Blues“ (Merge)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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